Radikalisierter Konservatismus: Eine Analyse (Rezension)

 

ISBN: 9783518127827
Autorin: Natascha Strobl
Im Suhrkamp Verlag am 12.9.2021 erschienen
Rezensionsexemplar? Nein

(C): goodreads.com


Inhalt:

Von der Krise der Sozialdemokratie ist allerorten die Rede. Doch auch viele traditionsreiche Mitte-rechts-Parteien befinden sich im Niedergang oder zumindest in einer Zwickmühle: Sollen sie sich für progressive urbane Milieus öffnen? Oder lieber ihr konservatives Profil schärfen? Während Angela Merkel für das eine Modell steht, repräsentieren Politiker wie Donald Trump oder Sebastian Kurz das andere. Sie sind Vertreter eines radikalisierten Konservatismus.
Natascha Strobl analysiert ihre rhetorischen und politischen Strategien. Sie zeigt, wie sie Ressentiments bedienen, um ihre Anhängerschaft zu mobilisieren, oder eigene Narrative erschaffen, um »Message Control« auszuüben und Kritik als Fake News abzutun. Statt inhaltlicher Auseinandersetzung suchen sie die Konfrontation. In ihren eigenen Parteien reduzieren sie die Demokratie, setzen auf kleine Beraterzirkel und Personalisierung. Dabei greifen sie, so Strobl, immer wieder auch auf die Methoden rechtsradikaler Bewegungen und Organisationen zurück.

Quelle: goodreads.com

Über die Autorin:

Natascha Strobl, geboren 1985 in Wien, ist Politikwissenschaftlerin und Publizistin. Sie schreibt unter anderem für die Frankfurter Rundschau und die Süddeutsche Zeitung. Auf der Plattform X ist sie unter @Natascha_Strobl zu finden. Ihr Buch Radikalisierter Konservatismus. Eine Analyse (es 2782) war ein Bestseller und wurde 2021 mit dem Bruno-Kreisky-Preis für das Politische Buch (Anerkennungspreis) ausgezeichnet.

Quelle: Verlag

Meine Meinung:

Dieses Buch habe ich gelesen für die Aufgabe ein ausgeliehenes Buch bei der NEWTs Challenge zu lesen. 

Einige Inhalte aus Natascha Strobels neuem Bericht kennt man bereits, wenn man die Nachrichten aufmerksam verfolgt. Allerdings bietet das Buch nicht nur eine Darstellung des „Was“, sondern erklärt das „Wie“ – kompakt und kompetent. Strobl analysiert nicht nur die Krise der Sozialdemokratie in einer Welt im Wandel und voller Krisen, sondern zeigt auch, dass die Konservativen unter Druck stehen. Eine Radikalisierung scheint dabei für manche als letztes Mittel, um politische Relevanz zu sichern.

Doch Strobls Analyse ist unverkennbar politisch gefärbt. Sie schreibt aus einer linken Perspektive und steht Andreas Babler, dem Vorsitzenden der SPÖ, politisch nah. Dies ist nicht verwunderlich, denn sie gehört zu dessen engstem Kreis. Übrigens führte ich selbst ein Interview mit Andreas Babler, das ich hier verlinkt habe: [Interview mit Andreas Babler].

Die Struktur des Buches
Die Studie gliedert sich in fünf Teile: ein Vorwort, drei Hauptkapitel und einen kurzen Epilog.

Historische Einordnung und problematische Gleichsetzung
Im ersten Kapitel bietet Strobl einen historischen Überblick. Hier fällt jedoch ein Aspekt negativ auf: Strobl setzt Konservatismus und Liberalismus beide als Ideologien gleich. Dies ist problematisch, da sich der Liberalismus eher als anti-ideologische Mitte versteht.

Ein interessanter Punkt ist jedoch die Beschreibung der konservativen Bewegungen in der Zwischenkriegszeit. Diese seien zwar antidemokratisch gewesen, hätten jedoch nicht in erster Linie eine Diktatur angestrebt, sondern eine Rückkehr zum Kaiserreich. Viele glaubten damals, die Nationalsozialisten könnten als Werkzeug dienen, um den Kaiser zurückzubringen. Erst nach 1945 erkannten die Konservativen, wie falsch diese Annahme war.

Radikalisierung der Konservativen – Kurz und Trump im Fokus
Der zweite und umfangreichste Teil widmet sich dem modernen, radikalisierten Konservatismus. Strobl identifiziert Sebastian Kurz als Prototyp dieses Phänomens in Österreich und vergleicht ihn mit Donald Trump. Beide hätten ähnliche Strategien und Programme, um ihre Macht zu sichern:

  • Egokult: Die Inszenierung ihrer Person als unersetzlich.
  • Regelbrüche und Feindbilder: Kurz sprach etwa von „Silberstein-Methoden“ und einem „roten Netzwerk“ in der WKStA, während Trump „Crooked Hillary“ und „Sleepy Joe“ diffamierte.
  • Spaltung der Gesellschaft: Beide teilen die Bevölkerung in „wir“ und „die anderen“.
  • Angriff auf Institutionen: Beispiele sind Kurz’ Kritik an der Justiz und Trumps Sturm aufs Kapitol.
  • Machtübernahme in zentralen Positionen: Eigene Gefolgsleute werden installiert, oder Posten bleiben unbesetzt, wie lange Zeit der Chef der österreichischen Nationalbank.
  • Lügen als Strategie: Hier ist Trump unübertroffen, da er Tausende Unwahrheiten verbreitete.

Ironischerweise stilisieren sich Populisten oft als Kämpfer gegen das Establishment, obwohl sie selbst Teil davon sind. Trump, Friedrich Merz, Richard Lugner oder Marco Pogo stammen alle aus etablierten Kreisen.

Probleme in der Argumentation
Im weiteren Verlauf des Buches verlagert Strobl ihre Argumentation zunehmend auf den Begriff des Populismus. Dabei unterlaufen ihr immer wieder Perspektivwechsel, teils sogar innerhalb eines Absatzes. Dies führt zu einer gewissen Unschärfe und erschwert es, ihren Argumenten durchgehend zu folgen.

Fazit: Trotz einiger Schwächen in der Klarheit und einer offensichtlichen politischen Prägung bietet das Buch spannende Einblicke in die Herausforderungen und Strategien moderner konservativer Bewegungen.ite.



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