Wer ist Nigel Farage?
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Sehr geehrte Leserinnen und Leser da draußen vor den Bildschirmen,
heute möchte ich mich mit einer Person beschäftigen, die in der britischen Politik seit Jahren für ordentlich Wirbel sorgt: Nigel Farage.
Aber wer ist dieser Mann eigentlich? Warum kennt ihn gefühlt jeder, der sich auch nur ein bisschen mit britischer Politik beschäftigt? Und warum ist er für viele Menschen in Großbritannien eine der wichtigsten, für andere hingegen eine der umstrittensten politischen Personen des Landes?
Vom EU-Gegner zum Brexit-Gesicht
Nigel Farage wurde am 3. April 1964 in Kent geboren. Politisch bekannt wurde er vor allem durch seine jahrelange Kritik an der Europäischen Union.
1993 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der UK Independence Party (UKIP). Die Partei hatte ein ziemlich klares Ziel: Großbritannien sollte die Europäische Union verlassen.
Farage wurde dabei zu einem der bekanntesten Gesichter der britischen EU-Gegner.
Sein politisches Hauptthema war also nicht ursprünglich Migration oder klassische konservative Politik, sondern vor allem die Frage:
Soll Großbritannien überhaupt Teil der Europäischen Union sein?
Und genau diese Frage sollte die britische Politik massiv verändern.
Der Brexit
2014 wurde Farage zum Vorsitzenden von UKIP und führte die Partei zu einem historischen Erfolg bei der Europawahl.
Doch der große Durchbruch kam 2016.
Am 23. Juni 2016 stimmten die Britinnen und Briten über den Verbleib in der Europäischen Union ab.
51,9 % stimmten für den Brexit.
Farage war einer der prominentesten Politiker der Leave-Kampagne.
Besonders bekannt wurde dabei sein Auftritt am Tag nach dem Referendum, als er vor dem Europäischen Parlament eine Rede hielt und den Brexit als Sieg der Menschen gegen die politische Elite darstellte.
Allerdings ist es wichtig, eine Sache klarzustellen:
Farage hat den Brexit nicht alleine verursacht.
Die Leave-Kampagne bestand aus verschiedenen politischen Gruppen und Persönlichkeiten. Auch Boris Johnson und andere Konservative spielten eine zentrale Rolle.
Farage war aber zweifellos eines der bekanntesten Gesichter der Brexit-Bewegung.
Und dann kam Reform UK
Nach dem Brexit hätte man eigentlich denken können:
Mission erfüllt.
Großbritannien verlässt die EU – Farage könnte sich zur Ruhe setzen.
Spoiler: Hat er nicht. 😂
Farage wechselte mehrfach zwischen verschiedenen politischen Projekten und wurde schließlich zum wichtigsten Gesicht von Reform UK.
Die Partei entstand ursprünglich als Brexit Party und wandelte sich später zu Reform UK.
Während die Partei anfangs hauptsächlich den Brexit vorantrieb, wurde sie zunehmend zu einer breiteren rechtspopulistischen Partei.
Ihre Themen sind unter anderem:
strengere Einwanderungspolitik
niedrigere Steuern
weniger staatliche Regulierung
Kritik am politischen Establishment
Skepsis gegenüber Klimapolitik
eine deutlich kritischere Haltung gegenüber Migration
Farage positioniert sich dabei gerne als Politiker außerhalb des klassischen politischen Establishments.
Farage und die britischen Konservativen
Besonders interessant ist Farages Verhältnis zur Conservative Party.
Er gehört nicht zu den Tories – und trotzdem hat er erheblichen Einfluss auf sie.
Warum?
Weil Reform UK vor allem bei konservativen Wählerinnen und Wählern Stimmen gewinnen kann.
Das kann für die Konservativen richtig gefährlich werden.
Nehmen wir vereinfacht an, ein Wahlkreis wäre eigentlich zwischen Labour und den Conservatives umkämpft.
Wenn Reform UK dort zusätzlich 10 oder 15 Prozent der Stimmen bekommt, kann sie den konservativen Stimmenanteil so stark reduzieren, dass Labour gewinnt. Denn in England zählt nicht, wer bundesweit am meisten Stimmen hat, sondern nur, wer in allen Wahlkreisen die relative Mehrheit holt. Und eine relative Mehrheit kann bereits mit 20 bzw. 25% passieren.
Farage kann also den Tories schaden, ohne selbst den Wahlkreis gewinnen zu müssen.
Genau deshalb wird er von vielen konservativen Politikerinnen und Politikern gleichzeitig bekämpft und gefürchtet.
Ist Nigel Farage rechts?
Ja – Farage wird allgemein dem rechten bzw. rechtspopulistischen politischen Spektrum zugeordnet.
Dabei sollte man aber zwischen verschiedenen Dingen unterscheiden.
Farage ist kein klassischer britischer Konservativer.
Er steht beispielsweise wesentlich stärker für eine harte Anti-Migrationspolitik und für eine fundamentalere Kritik am politischen Establishment.
Gleichzeitig präsentiert er sich gerne als Vertreter des „normalen Volkes“ gegen politische Eliten.
Das ist ein klassisches Merkmal populistischer Politik:
„Wir, das Volk“ gegen „die da oben“.
Seine politische Rhetorik richtet sich deshalb häufig gegen Westminster, politische Eliten, Bürokratie und Institutionen.
Warum ist Farage so erfolgreich?
Das ist meiner Meinung nach die eigentlich spannende Frage.
Denn Farage ist nicht einfach deshalb erfolgreich, weil er besonders viele konkrete politische Lösungen anbietet.
Seine Stärke liegt vor allem darin, politische Unzufriedenheit zu bündeln.
Er kann beispielsweise sagen:
„Ihr seid unzufrieden mit der Regierung?“
Dann bietet er eine einfache Erklärung:
Das politische Establishment ist schuld.
Ihr seid unzufrieden mit Migration?
Die Regierung kontrolliert die Grenzen nicht ausreichend.
Ihr seid unzufrieden mit der EU?
Brüssel hat zu viel Macht.
Diese Art der Politik ist kommunikativ extrem effektiv.
Farage versteht es außerdem sehr gut, medienwirksame Aussagen zu produzieren und sich selbst als Außenseiter zu inszenieren.
Farage ist mehr als nur ein Politiker
Und genau hier liegt meiner Meinung nach seine eigentliche Bedeutung.
Nigel Farage hat die britische Politik nicht nur durch seine Mandate beeinflusst.
Er hat Themen in den politischen Diskurs gebracht.
Die Brexit-Debatte zwang die Conservative Party dazu, ihre EU-Politik zu verändern.
Und Reform UK zwingt die Konservativen heute wiederum dazu, sich mit Fragen wie Migration, Steuern, Klimapolitik und dem Verhältnis zum politischen Establishment auseinanderzusetzen.
Farage muss also nicht unbedingt selbst Premierminister werden, um politischen Einfluss zu haben.
Es reicht teilweise schon, dass seine Partei Stimmen bekommt.
Clacton-on-Sea – schon wieder ist der kleine Nigel am Wahlzettel
Und damit kommen wir zu einem ziemlich verrückten Kapitel in Nigel Farages Karriere.
2024 schaffte er es nach sieben erfolglosen Versuchen endlich ins britische Unterhaus. Er gewann den Wahlkreis Clacton in Essex und wurde damit erstmals selbst Abgeordneter.
Doch zwei Jahre später ist genau dieser Sitz schon wieder vakant.
Der Grund ist eine 5-Millionen-Pfund-Schenkung.
Farage hatte Anfang 2024, also noch bevor er Abgeordneter wurde, vom britischen Krypto-Unternehmer Christopher Harborne eine persönliche Schenkung in Höhe von rund £5 Millionen erhalten. Farage erklärte, das Geld sei für seine persönliche Sicherheit gedacht gewesen.
Das Problem:
Es wird untersucht, ob diese Schenkung nach den parlamentarischen Regeln hätte angegeben werden müssen und ob Farage sie ordnungsgemäß offengelegt hat.
Und genau daraus entwickelte sich eine ziemlich bizarre Situation.
Farage trat am 7. Juli 2026 als Abgeordneter für Clacton zurück und löste damit eine Nachwahl aus. Die Untersuchung zu der £5-Millionen-Schenkung wurde für die Dauer der Nachwahl pausiert und soll danach fortgesetzt werden.
Heißt also:
Farage hat seinen eigenen Sitz aufgegeben – und muss ihn jetzt zurückerobern.
Die Nachwahl findet am 13. August 2026 statt. Und sie ist schon jetzt ziemlich ungewöhnlich.
Denn die großen Parteien Labour, Conservatives, Liberal Democrats und Greens treten dort nicht gegen ihn an.
Sein bekanntester Gegner ist stattdessen Count Binface – ein satirischer Kandidat, der mit einem Mülleimerkostüm auftritt. 😭
Farage geht deshalb als klarer Favorit in die Wahl. Eine aktuelle Umfrage sieht ihn sogar bei 73 %, während Count Binface auf 20 % kommt.
Das macht die ganze Geschichte irgendwie perfekt britisch:
Ein ehemaliger Brexit-Anführer tritt nach einer £5-Millionen-Kontroverse zurück, löst dadurch eine Nachwahl aus und muss seinen Sitz anschließend gegen einen Mann in einem Mülleimerkostüm zurückgewinnen.
Und trotzdem geht es um eine durchaus ernste politische Frage.
Denn sollte Farage wiedergewählt werden und die parlamentarische Untersuchung anschließend feststellen, dass er gegen die Regeln verstoßen hat, könnte ihm sogar eine Suspendierung aus dem Parlament und möglicherweise eine weitere Nachwahl drohen.
Clacton-on-Sea ist damit inzwischen fast schon mehr als nur ein Wahlkreis.
Es ist der Ort, an dem sich Farages gesamte politische Karriere irgendwie bündelt:
Brexit, Protestpolitik, Reform UK, sein langer Kampf um einen Sitz im Parlament – und jetzt sogar eine £5-Millionen-Kontroverse, die ihn erneut an die Wahlurne zwingt.
Fazit
Wer ist Nigel Farage also?
Er ist ein britischer Politiker, ehemaliger Vorsitzender von UKIP, einer der bekanntesten Brexit-Befürworter und heute das prägende Gesicht von Reform UK.
Man kann ihn mögen oder absolut nicht ausstehen.
Aber eines kann man ihm kaum absprechen:
Nigel Farage hat die britische Politik verändert.
Ohne ihn wäre die Geschichte des Brexit wahrscheinlich eine andere gewesen.
Und auch heute stellt sich die Frage, wie weit sein Einfluss noch reichen kann.
Denn während Farage lange Zeit als Außenseiter des britischen Parteiensystems betrachtet wurde, ist seine politische Bewegung mittlerweile stark genug, um die etablierten Parteien ernsthaft unter Druck zu setzen.
Und genau deshalb sollte man Nigel Farage nicht einfach als „den Brexit-Typen“ abtun.
Er ist inzwischen ein eigenständiger Machtfaktor in der britischen Politik.

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