Wer ist Count Binface?

 

Sehr geehrte Leserinnen und Leser da draußen vor den Bildschirmen,

(C): wardrobe theatre

wenn man momentan auf die britische Politik schaut, könnte man kurz denken, man sei versehentlich in einer politischen Satire gelandet.

Nigel Farage gegen einen Mann mit einem Mülleimer auf dem Kopf.

Aber tatsächlich ist genau das die Ausgangslage der aktuellen Clacton-Nachwahl am 13. August 2026. Und der Mann im Mülleimer heißt nicht etwa „Mr. Bin“ oder ähnlich, sondern trägt den durchaus majestätischen Namen:

Count Binface. 😭

Doch wer steckt eigentlich dahinter?

Nein, Count Binface ist kein echter Außerirdischer

Hinter Count Binface steckt der britische Comedian und Drehbuchautor Jonathan „Jon“ Harvey.

Die Figur beschreibt sich selbst als intergalaktischen Krieger vom Planeten Sigma IX, als Anführer der „Recyclons“ und als über 5.900 Jahre alt.

Sein Markenzeichen ist ein großer, silberner Mülleimer-Helm.

Also ja:

Das ist tatsächlich Absicht.

Count Binface ist eine politische Kunstfigur, die bewusst absurd aussieht und spricht. 

Aber hinter dem Witz steckt ein ziemlich ernstes politisches Konzept.

Denn Binface will nicht einfach nur lustig sein.

Er will zeigen, dass Demokratie selbst manchmal ziemlich absurd sein kann.

Angefangen hat alles als Lord Buckethead

Und jetzt wird es noch ein bisschen komplizierter.

Jon Harvey war nämlich schon vor Count Binface in der britischen Politik unterwegs.

2017 trat er als Lord Buckethead bei der britischen Parlamentswahl an.

Die Figur war eine Anspielung auf eine lange Tradition britischer politischer Satire. Lord Buckethead war ursprünglich eine Science-Fiction-Figur aus dem Film Gremloids bzw. Hyperspace.

Harvey verwendete den Namen zunächst für seinen Wahlkampf.

Doch später gab es einen Streit um die Rechte an der Figur.

Deshalb musste ein neuer Charakter her.

Und dieser Charakter wurde:

Count Binface. 🗑️👑

Seit 2018 tritt Harvey unter diesem Namen bei Wahlen an. 

Und dann ging es gegen Boris Johnson

Count Binface ist also keineswegs erst jetzt plötzlich aufgetaucht.

2019 trat er beispielsweise gegen den damaligen Premierminister Boris Johnson im Wahlkreis Uxbridge and South Ruislip an.

Und das ist eigentlich ein ziemlich gutes Beispiel dafür, wie seine politische Strategie funktioniert.

Er stellt sich bewusst gegen sehr bekannte Politiker und sorgt durch seine völlig absurde Erscheinung dafür, dass plötzlich über den Wahlkreis gesprochen wird.

Später kandidierte er unter anderem bei den Londoner Bürgermeisterwahlen 2021 und 2024.

2024 trat er außerdem gegen den damaligen Premierminister Rishi Sunak an.

Er hat also bereits eine kleine Sammlung an ziemlich prominenten politischen Gegnern.

Boris Johnson.
Rishi Sunak.
Sadiq Khan.
Und jetzt Nigel Farage.

Nicht schlecht für einen Mann mit einem Mülleimer auf dem Kopf. 😭

Aber wofür steht Count Binface eigentlich?

Jetzt wird es interessant.

Denn Count Binface hat tatsächlich Wahlprogramme.

Und die sind natürlich komplett absurd – aber häufig steckt hinter dem absurden Vorschlag ein ziemlich konkreter politischer Punkt.

In seinem aktuellen Wahlprogramm für Clacton finden sich beispielsweise Forderungen wie:

  • funktionierendes WLAN

  • bessere Züge

  • fairere Regeln für Greifautomaten in Spielhallen

  • eine Volksabstimmung darüber, ob Pluto wieder als Planet gelten soll

  • eine Steuer auf besonders erfolgreiche „Cozy Crime“-Romane von Prominenten

  • weniger Paläste für die königliche Familie

  • Wallace und Gromit sollen zu Rittern geschlagen werden

  • laut knisternde Snacks sollen in Kinos verboten werden

Und ja.

Das steht tatsächlich so in seinem Programm. 😭

Man könnte jetzt natürlich sagen:

„Das ist doch komplett bescheuert.“

Und genau da beginnt die eigentliche Idee hinter Count Binface.

Satire als politische Waffe

Count Binface nimmt politische Kommunikation und dreht sie komplett um.

Ein normaler Politiker sagt:

„Wir müssen die Infrastruktur verbessern.“

Count Binface sagt:

„Ich will funktionierendes WLAN.“

Ein normaler Politiker diskutiert über das Verhältnis von Großbritannien und Europa.

Count Binface macht daraus eine komplett absurde politische Forderung.

Und dadurch werden manchmal politische Themen sichtbar, über die man sonst einfach hinwegliest.

Sein Humor funktioniert also nach dem Prinzip:

Wenn Politik ohnehin absurd klingt, warum nicht einfach absurd darauf reagieren?

Dabei ist Binface keineswegs ausschließlich gegen das politische Establishment gerichtet.

Sein grundlegender Slogan lautet:

„Make Your Vote Count.“

Also:

Mach deine Stimme zu einer gültigen politischen Entscheidung.

Seine Kandidaturen sollen Menschen auch dazu bringen, überhaupt wählen zu gehen und sich mit Politik auseinanderzusetzen. 

Und jetzt: Nigel Farage

Und damit sind wir bei der wohl absurdesten Wahl in Count Binfaces bisheriger Karriere.

Nigel Farage trat am 7. Juli 2026 als Abgeordneter für Clacton zurück, um anschließend erneut zu kandidieren.

Damit wurde eine Nachwahl ausgelöst.

Die großen Parteien entschieden sich allerdings dagegen, überhaupt einen Kandidaten aufzustellen.

Labour, Conservatives, Liberal Democrats und Greens treten nicht an.

Damit wurde Count Binface plötzlich zu einem der prominentesten Gegenkandidaten Farages.

Und das hat eine ziemlich besondere Dynamik geschaffen.

Denn auf dem Papier ist das eine Wahl zwischen:

Nigel Farage – ehemaliger Brexit-Anführer und Vorsitzender von Reform UK

und

Count Binface – intergalaktischer Recyclon mit Mülleimer auf dem Kopf.

Natürlich treten noch zahlreiche weitere Kandidatinnen und Kandidaten an.

Insgesamt gibt es bei dieser Nachwahl sogar 34 Kandidaten – ein Rekord für eine britische Parlamentswahl. 

Aber medial konzentriert sich sehr viel auf Farage und Binface.

Kann Count Binface tatsächlich gewinnen?

Realistisch betrachtet:

Nein, zumindest nach den aktuellen Umfragen wäre das eine absolute Sensation.

Eine aktuelle Survation-Umfrage sieht Farage bei 73 % und Count Binface bei 20 % der entschiedenen Stimmen.

Das wäre zwar ein gewaltiger Erfolg für eine satirische Kandidatur, aber noch lange kein Sieg. 

Und trotzdem sind 20 % für einen Kandidaten, der mit einem Mülleimer auf dem Kopf durch einen Wahlkampf läuft, ziemlich wild.

Vor allem, weil die etablierten Parteien gar nicht antreten.

Dadurch kann Binface für Menschen interessant werden, die eigentlich gegen Farage stimmen möchten, aber keine klassische Parteialternative auf dem Wahlzettel haben.

Genau darauf setzt er.

Warum nimmt Binface die Wahl überhaupt ernst?

Das ist wahrscheinlich der wichtigste Punkt.

Man könnte Count Binface einfach als „Clown“ abtun.

Aber das würde seine politische Funktion etwas zu kurz greifen.

Denn politische Satire hat in Großbritannien eine ziemlich lange Tradition.

Binface nutzt Humor, um Aufmerksamkeit zu bekommen – aber gleichzeitig fordert er die Menschen dazu auf, über politische Themen nachzudenken.

Er kann beispielsweise einen komplett absurden Vorschlag machen und gleichzeitig ein echtes Problem dahinter ansprechen.

Und genau deshalb ist die Figur politisch interessanter, als sie auf den ersten Blick aussieht.

Der Witz ist die Verpackung.

Die politische Botschaft steckt darunter.

Und dann gibt es noch eine kleine Ironie

Nigel Farage präsentiert sich selbst sehr gerne als Außenseiter.

Als jemand, der gegen das Establishment kämpft.

Gegen die politischen Eliten.

Gegen Westminster.

Gegen das politische System.

Und jetzt steht er in Clacton ausgerechnet einem Kandidaten gegenüber, der das politische Establishment auf eine völlig andere Weise verspottet.

Farage sagt sinngemäß:

„Ich bin der Außenseiter gegen die Elite.“

Binface sagt:

„Okay. Ich bin ein 5.900 Jahre alter Außerirdischer mit einem Mülleimer auf dem Kopf.“

😭

Das macht diese Nachwahl so faszinierend.

Fazit

Wer ist Count Binface?

Er ist eine satirische politische Kunstfigur, hinter der der britische Comedian Jon Harvey steckt.

Er kommt vom Planeten Sigma IX, trägt einen Mülleimer als Helm und behauptet, ein intergalaktischer Krieger zu sein.

Aber gleichzeitig kandidiert er tatsächlich bei britischen Wahlen.

Er trat bereits gegen Boris Johnson, Rishi Sunak und andere bekannte Politiker an.

Und nun steht er in Clacton-on-Sea Nigel Farage gegenüber.

Sein Ziel ist wahrscheinlich nicht nur, möglichst viele Stimmen zu bekommen.

Er will zeigen, dass Politik auch anders funktionieren kann:

laut, absurd, kreativ und trotzdem politisch.

Und vielleicht ist genau das die größte Stärke von Count Binface.

Denn während sich Politikerinnen und Politiker gegenseitig mit 40-seitigen Wahlprogrammen bewerfen, schafft es ein Mann mit einem Mülleimer auf dem Kopf, dass plötzlich ganz Großbritannien über eine Nachwahl in Clacton spricht.

Und irgendwie ist das schon ziemlich britisch. 🇬🇧🗑️👑

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