Tennessee Vorwahlen zum Senat und Gouverneur - wie sich der Staat für November ausrichtet

Im November werden in den USA in beiden Parlamentskammern, Haus und Senat Abgeordnete gewählt. Das komplette House of Representatives, also alle 435 Sitze werden alle 2 Jahre neu gewählt, ein Drittel des Senates, 35 von 100 Sitzen. 33 davon sind regulär, 2 sind Sonderwahlen "special elections". Senator:innen werden alle 6 Jahre neu gewählt.

Weiters werden Gouverneur:innen samt Stellvertretung, Attorney Generals/Justiziar:innen, Parlamente der Staaten, Richter:innen und noch hunderte bis tausende Mandate auf föderaler Ebene gewählt. Auch Bürgermeister:innen wie in Los Angeles bspw. 

Bei diesen midterms sind jedenfalls die Wahlen zum Bundeshaus und Bundessenat die wichtigsten. Denn würden die Demokraten in beiden Häusern die Mehrheit bekommen können, so könnten sie Trumps Policies blockieren oder ihn sogar des Amtes entheben, wenn sie eine Mehrheit im Haus haben und eine 2/3 Mehrheit im Senat. Die Mehrheit alleine im Senat könnte zu Probleme für Trump bei Außenpolitik und Personalbesetzung in Kabinetten und Richterämtern führen, eine Mehrheit im Haus zu Problemen bei der Budgetgestaltung .

Und für jedes Mandat im Haus, jedes Mandat im Senat gibt es Vorwahlen, sogenannte Primaries. Die Demokraten und Republikaner veranstalteten jetzt neulich Vorwahlen in Tennessee, wo es um das geht.

(C): Wikipedia.com

Folgende Personen wurden gewählt für die Senatswahl und für den Gouverneur; Haus ist der nächste Post!

Mandat: Gouverneur:

Amtsinhaber: Bill Lee (Republikaner) darf nicht mehr antreten, daher sind auf beiden Seiten einige Politiker in den primaries angetreten

Die Demokrat:innen schickten ins Rennen: Jerri Green, Carnita Atwater, Kevin Lee McCants, Tim Cyr, Ditch Kurtz

Bei den Demokrat:innen gewann: Jerri Green

(C): x.com

Jerri Green ist ehemalige Anwältin, Mitglied im Stadtrat von Memphis und setzte sich gegen etabliertere Kandidatinnen durch, wie Carnita Atwater, die ehemalige Gouverneurskandidatin von 2022 Tennessee, und Bürgermeisterkandidatin in Memphis 2023. Ditch Kurtz hatte auch bereits ein eigenes politisches Profil. Tim Cyr, Kevin McLee und Jerri Green sind drei ohne Kandidat:innen große Bekanntheit. Jerri Green konnte gewinnen und die Mehrheit der Demokraten hinter sich vereinen. Sie war auch die erste Frau als Gouverneurskandidatin der Demokraten und hat alleine damit schon Geschichte geschrieben.

Die Republikaner:innen schickten ins Rennen: Marsha Blackburn, John Rose, Monty Fritz

Bei den Republikaner:innen gewann: Marsha Blackburn

(C): wikipedia.com

Marsha Blackburn hatte von 1998-2002 einen Sitz im Senat, von 2003 bis 2019 im Haus, 2018 kehrte sie in den Senat zurück. Nun kehrt sie zurück in ihren Heimatstaat und möchte Gouverneurin werden. Sie gilt als sehr trump-nah.

Jerri konnte die Mehrheit der Demokraten hinter sich vereinen, Marsha schaffte nur 43%. Laut Umfragen könnten die gewinnen. Ob es wirklich so sein wird? Wir werden im November sehen!

Mandat: 1. Senatssitz 
Amtsinhaberin: Marsha Blackburn (Republikaner)
Marsha Blackburn ist offiziell bis 2031 im Amt. Sie tritt aber als Gouverneurin von Tennessee an. Sollte sie Gouverneurin werden, wird eine Übergangsperson ernannt und danach findet eine Special Election offen. Wir werden sehen, wie das weitergeht, ich werde Bericht erstatten, sobald die Gouverneurswahl entschieden ist.

Mandat: 2. Senatssitz
Amtsinhaber: Bill Hagerty (Republikaner)
Die Demokrat:innen schickten ins Rennen: Marquita Bradshaw, Maria Brewer, Kevin Lee McCants, Civil Miller-Watkins, Diana Onyejiaka
Die Wahlbeteiligung betrug
Bei den Demokrat:innen gewann: Marquita Bradshaw

(C): Tennessee lookout

Marquita Bradshaw ist Umweltaktivistin und war bereits 2020 auf dem Wahlzettel. Sie gründete Sowing Justice danach, um Bürgerliches Engagement zu fördern. 2024 verlor sie die primaries, 2026 hatte sie wieder gewonnen, obwohl sie die Kandidatin war, die am wenigsten Spenden gesammelt hatte.

Bei den Republikaner:innen gewann: Bill Hagerty

(C): wikipedia.com

Die Republikaner:innen schickten ins Rennen: Bill Hagerty, Amtsinhaber
Der Kandidat gilt als trump-nah, weil er von Trump als Botschafter in Japan von 2017 bis 2019 ernannt wurde, in den Primaries von Trump unterstützt wurde und sich auch für Trump in der Präsidentschaftswahl ausgesprochen hat. Die Wahlbeteiligung betrug

Marquita Bradshaw und Bill Hagerty waren beide bereits 2020 am Wahlzettel. Damals konnte Bill Marquita besiegen. Jedoch konnten die Republikaner bereits seit 1994 beide Sitze halten. Ob Trump es schafft mindestens einen Sitz zu verlieren? Laut Umfragen ist der Sitz im Mai von Safe R zu Likely R gewechselt. Also die Chance wäre da, aber ob es wirklich passiert? Wir werden es im November sehen!

Politische Einordnung

Tennesse, der Volunteer State, zeigt uns eines: Die Republikaner setzen aufs Establishment, ihre bisherigen Amtsinhaber als Senator und Gouverneurin, beide auch sehr trump-nah. Die Demokraten hingegen nehmen im Senat Marquita Bradshaw, eine Person, die es schon lang versucht und als Gouverneurin Jerri Green. 

In einer Zeit, wo Trump bundesweit unten ist, wo es sogar aussieht als könnte Texas demokratisch werden, ist interessant, wie sich Tennessee im Angesicht der Trump-Nähe der Kandidat:innen zeigt. 

Doch die Demokraten haben ein Problem: Nicht mal 2008 konnten sie was reißen. Damals, als sie den bisher besten Erfolg in der jüngsten Geschichte verschrieben haben, war Tennessee rot. Aber die Republikaner verlieren. Sie verlieren in Umfragen Texas, Alaska und Ohio. Daher wird spannend ob sie Tennessee halten.

Aber die Demokraten haben auch eine Chance mit Marquita Bradshaw: Sie konnte bereits zweimal die Demokratischen Primaries gewinnen, obwohl sie am wenigsten Geld aufgewendet hat. Und in Zeiten wo das Establishment immer mehr an Popularität verliert, könnte das ihre Chance werden. Wir werden jedenfalls sehen, ob sie die Chance auch nutzen kann oder Bill Hagerty nochmals im Senat bleibt.

Die Gouverneurswahl wird auch recht spannend: Marsha Blackburn, lange in Washington in beiden Kammern aktiv, kehrt heim und möchte Gouverneurin werden. Jerri Green, Stadträtin aus Memphis stellt sich mit einem neuen politischen Profil ihr entgegen. Und ich persönlich mag diese Establishment gegen Anti-Establishment-Kämpfe recht gerne in den USA, weil sie dort zeigen, dass alles möglich ist. So auch in New York als ein Sozialist Bürgermeister werden konnte. Und wenn die Demokraten diese Art von Momentum in Tennesse erzeugen können, wenn sie über ihre Stammwählerschaft hinauskommen können, dann könnte das Marsha Blackburns Niederlage bedeuten. Denn wenn jemand über die Stammwähler:innen hinausgeht, dann jemand der nicht aus dem typisch demokratischen Establishment kommt.

Ausblick

Die Wahlen im November werden zeigen, ob Tennessee seinen bisherigen politischen Kurs fortsetzt oder ob sich erste Veränderungen zeigen.

Bei den Senatswahlen wäre bereits ein demokratischer Erfolg eine große Überraschung. Besonders der zweite Senatssitz, bei dem Marquita Bradshaw erneut gegen Bill Hagerty antritt, könnte interessant werden. Aktuell gilt der Sitz weiterhin als klar republikanisch, doch eine Verschiebung der Einschätzungen von „Safe Republican“ zu „Likely Republican“ zeigt, dass die Demokraten zumindest eine kleine Chance sehen.

Auch die Gouverneurswahl wird ein wichtiger Test für beide Parteien. Für die Republikaner geht es darum, ihre jahrzehntelange Dominanz in Tennessee zu bestätigen. Für die Demokrat:innen wäre ein Sieg ein politisches Comeback in einem Bundesstaat, in dem sie zuletzt kaum Erfolge feiern konnten.

Ob Tennessee auch nach November eine sichere Hochburg der Republikaner bleibt oder ob sich erste Risse zeigen, entscheidet letztendlich der Wahltag.


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