Recherche: Woher die CDU Baden-Würtenberg die Forderung nimmt, das Ministerpräsidentenamt aufzuteilen - Rezension: Horst Schlämmer - Ich kandidiere
„Horst Schlämmer – Isch kandidiere!“ ist auf den ersten Blick einfach eine ziemlich absurde Politkomödie. Ein Ossi aus einer Bezirkszeitung nimmt es mit den großen der Politik auf. Der Herr Schlemmer will Bundeskanzler werden und schafft es sogar, die ganzen Voraussetzungen zu erfüllen und anzutreten. Er zieht durch Osten und Westen, auch in Berlin drehen sie. Dabei nimmt er alles aufs Korn, was man mit Politik verbindet: Wahlkampf, Parteien, die SPD, Politiker und die manchmal ziemlich verrückte politische Kommunikation.
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| (C): imdb.com |
Was den Film für mich aber interessanter macht, ist, dass er mir tatsächlich ein Stück weit einen anderen Zugang zu Politik gegeben hat. Politik muss nicht immer bierernst sein. Gerade weil im politischen Alltag so viel über Positionen, Koalitionen und ideologische Unterschiede diskutiert wird, kann es manchmal ziemlich befreiend sein, das Ganze auch einmal mit Humor zu betrachten. Denn es is not that deep, wie man in der Jugend zu sagen pflegt.
Da passt für mich heute erstaunlich gut zu einem Satz von Cem Özdemir: „Wir hätten ein Problem beim Kanzler. Wir müssten die Claudia Roth zur Kanzlerin machen. Wir könnten uns das aufteilen […] oder nach 2 Jahren wird gewechselt.“ Was damals wie ein ziemlich absurder Gedanke klingt, bekommt Jahre später fast schon eine politische Realitätsebene: Bei den Koalitionsverhandlungen in Baden-Württemberg griff die Union einen ähnlichen Gedanken tatsächlich auf – im Zusammenhang mit den Gesprächen zwischen Manuel Hagel und Özdemir.
Und genau solche Momente zeigen, warum ich den Film rückblickend spannend finde. Politik ist manchmal selbst so absurd, dass man sie kaum besser parodieren könnte. Und manchmal greift die Politik auch die Satire auf, manchmal die Satire die Politik.
Für mich steckt deshalb auch eine persönliche Botschaft in Horst Schlämmer – Isch kandidiere!: Man sollte Politik ernst nehmen, aber nicht jeden einzelnen politischen Vorgang todernst. Der Film hat mich ein Stück weit geprägt, mit Menschen aus unterschiedlichen Parteien ins Gespräch zu kommen, ohne sofort alles in Freund und Feind einzuteilen. Man kann mit jemandem politisch komplett anderer Meinung sein und trotzdem gemeinsam lachen, diskutieren oder ein interessantes Gespräch führen. Denn man kann auch als linker mit nem FPÖler reden, ohne dass man ihn gleich judget.
Natürlich ist der Film nicht gerade eine tiefgehende Analyse des deutschen Parteiensystems. Er will auch gar keine sein. Er ist laut, albern, teilweise komplett drüber – und genau dadurch funktioniert er. Hape Kerkeling macht aus dem deutschen Wahlkampf eine große politische Freakshow und zeigt dabei, wie leicht sich politische Inszenierung eigentlich parodieren lässt. Denn bei so viel Angsthasen auf der Koalitionsbank, macht er sich mit der Hasenpower ran und versucht es zu reißen. Was am Ende leider doch nicht so gelingt, wie man es zuerst gehofft hätte.
Fazit? Horst Schlämmer – Isch kandidiere! ist für mich mehr als nur eine alte deutsche Komödie. Er ist ein Film, der mir gezeigt hat, dass politische Begeisterung und Humor überhaupt kein Widerspruch sind. Vielleicht braucht Politik sogar manchmal genau diesen Blick von außen: ernst genug, um sich einzumischen – aber locker genug, um auch über sich selbst lachen zu können.

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