Aloha! - Die Hawaii Primaries 2026

 Am 8. August 2026 fanden in Hawaii die diesjährigen Primaries statt. Hawaii ist dabei ein bisschen anders als viele andere US-Bundesstaaten: Die Primary fand an einem Samstag statt und die meisten Stimmen werden per Briefwahl abgegeben. Gewählt wurden unter anderem die beiden Sitze im US-Repräsentantenhaus, Gouverneur:in, Lieutenant Governor, das Parlament des Bundesstaates und zahlreiche weitere Ämter. 

(C): wikipedia.com

Und eines muss man gleich vorweg sagen:

Einen Senatssitz gab es in Hawaii 2026 nicht zu wählen.

Die beiden Senatoren von Hawaii sind Mazie Hirono und Brian Schatz. Hironos Sitz steht erst 2030, Schatz' Sitz erst 2028 wieder zur Wahl. 

Damit konzentriert sich die Bundesebene in Hawaii dieses Jahr vor allem auf die zwei Sitze im House of Representatives.

Und dort gab es tatsächlich einen ziemlich interessanten Democratic Primary Fight.


Mandat: Gouverneur

Amtsinhaber: Josh Green (Demokratische Partei)

Josh Green ist seit 2022 Gouverneur von Hawaii und wollte 2026 für eine zweite Amtszeit antreten.

Die Demokrat:innen schickten ins Rennen:

  • Josh Green

  • Duke Bourgoin

  • George „Teva“ Lucas-Tadeo

  • Lauren Kapoliahi'iaka Shim

Bei den Demokrat:innen gewann: Josh Green

(C): wikipedia.com

Josh Green konnte sich damit seine erneute Kandidatur sichern. Er war allerdings von Anfang an der klare Favorit und hatte keine wirklich etablierte Konkurrenz gegen sich. 

Für die Republikaner:innen traten an:

  • Gary Cordery

  • Ken Fujiyama

Bei den Republikaner:innen gewann: Gary Cordery. 

(C): Ballotpedia.com

Gary Cordery ist nicht als besonders enger Trump-Loyalist bekannt. Er betont vielmehr eine pragmatische und respektvolle Zusammenarbeit mit der Trump-Regierung und nennt gemeinsame Interessen Hawaiis und Washingtons als wichtig. 
Einordnung: eher Trump-kompatibel, aber kein klarer MAGA-Kandidat.

Damit steht das Duell für November bereits fest:

Josh Green gegen Gary Cordery.

Hawaii ist dabei allerdings ein sehr demokratischer Bundesstaat. Ein republikanischer Sieg wäre deshalb eine ziemlich große Überraschung.


Mandat: Lieutenant Governor

Und hier wird es deutlich spannender.

Der bisherige Lieutenant Governor Sylvia Luke wollte eigentlich erneut antreten. Allerdings geriet sie in einen Korruptions- und Kampagnenfinanzierungsskandal und gab ihre Kandidatur schließlich auf. Sie befindet sich wegen Vorwürfen im Zusammenhang mit Bestechung und ihrer früheren Kampagnenfinanzierung unter erheblichem politischen Druck. 

Dadurch wurde die Wahl plötzlich ziemlich offen.

Bei den Demokrat:innen traten unter anderem an:

  • Derek Kawakami

  • Della Au Belatti

  • John Choi

  • Ku Lono „Bobby“ Cuadra

  • Sam Puletasi

Bei den Demokrat:innen gewann: Derek Kawakami

(C): Hawaii Public Radio

Kawakami ist Bürgermeister von Kauaʻi und galt bereits vor der Wahl als Favorit. In Umfragen lag er teilweise sehr deutlich vor seiner stärksten Konkurrentin Della Au Belatti. 

Bei den Republikaner:innen gewann Daniel Anthony.

(C): ballotpedia.com

Damit lautet das Ticket für November:

Josh Green / Derek Kawakami

gegen

Gary Cordery / Daniel Anthony

Die Lieutenant-Governor-Wahl ist deshalb interessant, weil dieses Amt in Hawaii historisch ein echtes Sprungbrett sein kann. Mehrere ehemalige Lieutenant Governors wurden später Gouverneur:innen, und auch spätere US-Senator:innen gingen diesen Weg.


Mandat: 1. Sitz im US-Repräsentantenhaus

Amtsinhaber: Ed Case (Demokrat)

Und hier wurde es wirklich interessant.

Die Demokrat:innen hatten einen echten Primary Fight:

  • Ed Case

  • Jarrett Keohokalole

  • Jennifer Booker

  • Nicholas Kiswanto

  • Ben Fatula

Bei den Demokrat:innen gewann: Ed Case

Und zwar ziemlich deutlich.

Case kam auf ungefähr 57 %, während sein stärkster Herausforderer Jarrett Keohokalole ungefähr 34 % erreichte. 

(C): wikipedia.com


Ed Case ist bereits 73 Jahre alt und gehört zum moderateren Flügel der Demokratischen Partei. Er sitzt seit 2019 wieder im House und argumentierte im Wahlkampf vor allem damit, dass seine Erfahrung und seine Position in einem wichtigen Ausgabenausschuss Hawaii mehr Bundesmittel bringen würden. 

Jarrett Keohokalole war dagegen der deutlich jüngere und progressivere Herausforderer.

Er kritisierte Case unter anderem wegen seiner Nähe zu Unternehmen und seiner politischen Positionierung. Besonders interessant war, dass Case wegen seiner Unterstützung des Trump-unterstützten SAVE Act von links angegriffen wurde.

Keohokalole stand damit für einen Generationenwechsel und einen stärker progressiven Kurs.

Aber:

Die Demokraten wollten offenbar doch lieber Ed Case.

Und das ist politisch durchaus interessant.

Denn in mehreren anderen Staaten konnten 2026 progressive Kandidat:innen etablierte Demokrat:innen schlagen. Hawaii zeigt mit Case dagegen, dass dieser Trend nicht überall funktioniert

Bei den Republikaner:innen gewann Adriel Lam ohne ernsthaften Primary-Gegner.

(C): ballotpedia.com

Politische Einordnung Adriel Lam: Bei Adriel Lam ist die persönliche Nähe zu Trump weniger eindeutig dokumentiert als bei Brenton Awa. Seine Positionen liegen bei mehreren Themen nahe an der Politik der Trump-Regierung, gleichzeitig tritt er nicht primär als persönlicher Trump-Loyalist auf. 
Einordnung: republikanisch und teilweise Trump-kompatibel, aber nicht klar MAGA.

Damit wird es im November:

Ed Case gegen Adriel Lam.

Der Wahlkreis gilt allerdings als sehr sicher demokratisch. Ein republikanischer Sieg wäre eine riesige Überraschung. 


Mandat: 2. Sitz im US-Repräsentantenhaus

Amtsinhaberin: Jill Tokuda (Demokratin)

Hier gab es dagegen überhaupt keinen vergleichbaren Kampf.

Die Demokrat:innen schickten unter anderem:

  • Jill Tokuda

  • Kirill Basin

  • Greg Guithues

  • Steven King

ins Rennen.

Bei den Demokrat:innen gewann: Jill Tokuda

Und zwar mit ungefähr 84 % der Stimmen. 


(C): wikipedia.com

Tokuda ist damit erneut demokratische Kandidatin für den zweiten Kongresswahlbezirk Hawaiis und tritt im November für ihre dritte Amtszeit im US-Repräsentantenhaus an. Sie gewann die Democratic Primary am 8. August mit rund 84 % der Stimmen deutlich gegen ihre Herausforderer Kirill Basin, Greg Guithues und Steven King. Tokuda vertritt den Wahlkreis bereits seit 2023; zuvor saß sie zwölf Jahre im Senat von Hawaii. Der zweite Kongresswahlbezirk umfasst große Teile des ländlichen und suburbanen Oʻahu sowie die Nachbarinseln Hawaii, Maui, Kauaʻi, Molokaʻi, Lānaʻi und weitere Inselgebiete. Bei der Wahl 2024 gewann Tokuda den Bezirk mit 66,5 %, weshalb sie auch 2026 als klare Favoritin in die General Election geht. 




Bei den Republikaner:innen setzte sich Brenton Awa durch. 

(C): ballotpedia.com
Politische Einordnung Brenton Awa: Brenton Awa ist von den drei republikanischen Kandidaten mit Abstand am deutlichsten Trump-nah. Er sagte selbst, dass er politische und stilistische Gemeinsamkeiten mit Donald Trump sehe und vieles unterstütze, was die Trump-Regierung macht. Einordnung: klar Trump-nah, wobei seine Politik gleichzeitig stark auf hawaiianische Lokalthemen ausgerichtet ist.

Der zweite Wahlkreis umfasst große Teile des ländlicheren und suburbaneren Hawaii sowie die anderen Inseln außerhalb von Oʻahu. 

Auch hier gilt aber:

Die Demokrat:innen sind klar favorisiert.

Jill Tokuda dürfte ihren Sitz ziemlich sicher behalten.



Politische Einordnung

Hawaii zeigt uns bei diesen Primaries etwas ziemlich Spannendes.

Denn auf den ersten Blick passiert eigentlich genau das, was man erwarten würde:

Die Demokrat:innen gewinnen praktisch alles. Und zwar die moderate Democrats. Der einzig progressive Democrat ist Jarrett Keohokalole. Und bei den Republikaner:innen gilt das klassische MAGA nicht, sondern sie sind noch typische moderate Republikaner, wie man es von Mitt Romney kennt. Es gibt auch hier wieder nur einen Kandidaten, der nicht ins moderate fällt: Brenton Awa, der mit Trump Gemeinsamkeiten sieht, aber sich vorrangig auf Hawaii und nicht auf MAGA oder MHGA (Make Hawaii Great Again) konzentriert.

Josh Green gewinnt seine Primary.

Derek Kawakami gewinnt die Lieutenant-Governor-Primary.

Jill Tokuda gewinnt mit großem Vorsprung.

Und selbst Ed Case, der von einem deutlich progressiveren Kandidaten herausgefordert wurde, bleibt im Rennen.

Aber gerade Ed Case gegen Jarrett Keohokalole ist für mich das Interessanteste an dieser Wahl.

Denn hier ging es eigentlich um eine Grundsatzfrage innerhalb der Demokratischen Partei:

Establishment oder Generationenwechsel?

Ed Case steht für Erfahrung, moderate Politik und Washington-Establishment.

Jarrett Keohokalole stand für einen jüngeren, progressiveren Kurs.

Und obwohl Keohokalole durchaus Aufmerksamkeit bekam, konnte er Case nicht schlagen.

Das zeigt: Nur weil progressive Kandidat:innen 2026 in anderen Bundesstaaten Erfolge feiern, bedeutet das nicht automatisch, dass sie überall etablierte Demokrat:innen aus dem Rennen werfen können.


Und dann ist da noch die Sache mit Sylvia Luke

Die Lieutenant-Governor-Wahl ist für mich fast genauso spannend.

Denn normalerweise wäre Sylvia Luke als amtierende Lieutenant Governor wahrscheinlich eine sehr starke Kandidatin gewesen.

Doch durch die Ermittlungen und den politischen Druck musste sie ihre Wiederwahl aufgeben. Dadurch entstand überhaupt erst die Möglichkeit für Derek Kawakami, in das Rennen einzusteigen. 

Und Kawakami könnte langfristig ziemlich interessant werden.

Denn das Amt des Lieutenant Governor ist in Hawaii historisch gesehen durchaus ein Karrieresprungbrett.

Wenn Kawakami gewinnt und Josh Green 2030 nicht mehr antreten darf, könnte er sich theoretisch bereits in Position für eine spätere Gouverneurskandidatur bringen.


Ausblick

Die Hawaii Primaries 2026 waren deshalb weniger eine Revolution als eine Bestätigung der demokratischen Dominanz.

Josh Green geht als klarer Favorit in die Gouverneurswahl.

Jill Tokuda dürfte ihren Sitz im House behalten.

Ed Case hat gezeigt, dass das demokratische Establishment auch 2026 noch nicht automatisch von progressiveren Herausforderern verdrängt wird.

Und Derek Kawakami könnte mit dem Amt des Lieutenant Governor eine neue politische Karriere starten.

Spannend wird deshalb vor allem die Frage, ob Hawaii seinen bisherigen Kurs einfach fortsetzt oder ob sich innerhalb der Demokratischen Partei langfristig etwas verändert.

Denn Hawaii ist zwar demokratisch – aber die eigentliche politische Auseinandersetzung findet inzwischen immer stärker innerhalb der Demokratischen Partei statt.

Ed Case gegen Jarrett Keohokalole war dafür ein ziemlich gutes Beispiel.

Und genau deshalb finde ich die Hawaii Primaries 2026 trotz der eigentlich ziemlich eindeutigen politischen Verhältnisse interessant. 🏝️🇺🇸

Ob die Demokrat:innen im November tatsächlich alle ihre wichtigen Ämter verteidigen können und ob sich aus dem Generationenkonflikt innerhalb der Partei weitere Konsequenzen ergeben, werden wir am 3. November sehen. 

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