Markus Sint: "Die Landesregierung war nicht brav"

Markus Sint ist der Liste Fritz im Tiroler Landtag. Ich konnte mit ihm ein Interview führen.

(C): meineabgeordneten.at

Zunächst starten wir mal bisschen mit dem Rücktritt: Was sagen Sie zum Wechsel des Landeshauptmannstellvertreters? 

Zunächst einmal ist mir wichtig zu sagen, dass es ein politisch bewegtes Jahr war und der Wechsel war nicht freiwillig sondern durch eine riesengroße Dummheit vom Georg Dornauer selbst verursacht. Er hat auch lernen müssen, dass es nicht geht an keine Regeln zu halten. Auch für ihn gelten Regeln. Und dass ein Sozialdemokrat mit dem größten Milliardenpleite, der Leute ins Unglück gestürzt hat und in finanzielle Probleme gebracht hat, jagen geht und so tut als gäbe es alles andere nicht, ist eine Riesendummheit. Dafür hat ihm der eigene Landtagsklub auch die rote Karte gezeigt. Jetzt kommt mit Philipp Wohlgemut aus meiner Sicht eine integere Persönlichkeit. Aber muss man schauen, ob er insgesamt in der unterdurchschnittlichen Landesregierung viel bewegen kann.

Unterdurchschnittlich?

Würde ich sagen schon, wenn man sich die Bilanz aus den ersten zwei Jahren und bisserl mehr anschaut, ist es wahnsinnig dürftig. Die Landesregierung kündigt viel an, setzt viel an aber bringt nix auf die Reihe. Wir haben mal gehört, das leistbare Wohnen soll angegangen werden. Doch sind die Mieten und Baugründe so teuer wie noch nie.

Müssen Sie aber schon verstehen: Leistbares Wohnen, aber nur für die, die es sich leisten können.

Ganz offensichtlich ist das auch so gemeint, aber der Witz geht bei den Leuten, die ein Dach überm Kopf suchen, etwas das sie sich daleisten. Wir haben jetzt eine neue Studie, dass in den letzten Jahren 75.000 Wohnungen errichtet worden sind, wo gar keiner wohnt, die gar keiner braucht. Das ist natürlich ein Riesenproblem. So gesehen ist da wenig weitergegangen. 

Dann lassen wir das Thema ein bisschen stehen, denn die Regierung macht es ja schließlich auch. Dann kommen wir zum Thema EU-Wahl und Nationalratswahl. Warum loosen ihrer Meinung nach die etablierten Parteien ab und Parteien wie die KPÖ; FPÖ aber auch Ihre Liste Fritz sind derzeit am gewinnen?

Ich glaube nicht, dass wir als Liste Fritz eine reine Protestpartei sind, wir sind vor allem eine Bürgerpartei. Wir wollen im Bereich Kontrolle, leistbaren Wohnens. Wir sind intensiv dran, den Ausverkauf Tirols zu verhindern, wir sind in Pflege und Sozialem stark, aber um auf die Frage zu kommen: Ich glaube es ist in der Zwischenzeit schon eine Schwäche von SPÖ und ÖVP und eine Stärke der FPÖ gewisse Themen und Stimmungen in der Bevölkerung aufzunehmen und die zu bedienen. Je mehr die ehemals Großparteien die FPÖ ausschließen, umso leichter tut sich die FPÖ: "Wir sind das Opfer. Ihr seht eh, wie die mit uns tun." Das haben wir jetzt bei der Nationalratswahl auch wieder gesehen. Die FPÖ wird Nummer eins, aber bekommt trotzdem nicht den Auftrag zur Regierungsbildung. Denn wenn eh alle anderen Parteien nein gesagt haben zur Kickl-FPÖ, hätten die eh keinen Partner gefunden. Es wäre die dauernde Opfer-Rolle weggefallen, in der die FPÖ sich immer ganz gezielt hineinstellt.

Als langjähriger Fan vom Fußball wüsste ich gerne auch von Ihnen: Wie kann der ÖFB besser werden?

Puh, da bin ich weit weg. Ich bin Fan, schau mir gern Spiele an, mich interessiert der FC Wacker mehr als der ÖFB.

Glaubens dass er aufsteigen kann?

Absolut, macht Woche für Woche Spaß die Jugend vom FC Wacker spielen zu sehen und ich hoff, dass sie heuer aufsteigen und dann nochmal aufsteigen und das Comeback in Profifußball finden.

Dann kommen wir von "Was bisher geschah" zu "Was wünsch ich mir vom Christkind". Zunächst einmal: War die Landesregierung brav?

Nein, die Landesregierung war nicht brav, sie hat wenig weitergebracht, sie hat ganz, ganz viel angekündigt, ganz, ganz wenig in die Gänge gebracht und schon gar nix umgesetzt. Hat jetzt ein Budget vorgelegt, dass wir dieser Tage diskutieren, das mutlos ist, das ideenlos ist, wo kein Biss da ist. Wo man nicht das Gefühl hat, dass sie was für die Leit wollen. Und die Leute haben große Probleme. Wir haben in Tirol das teuerste Wohnen, das teuerste Leben von allen 9 Bundesländern, wir haben aber auch die niedrigsten Einkommen. Das ist ein ganz gefährlicher Cocktail, denn es geht sich für ganz viele nicht mehr aus und heißt letzten Ende nur, dass das Land nur immer noch mehr Maßnahmen auflegen muss. Aber das Geld für ist nicht mehr da, denn in 80 Jahren ÖVP und zuletzt auch mit dem Koalitionspartner SPÖ die Schulden auf Rekordniveau sind von 1,3 Milliarden Euro sind und 2019 hatten wir 200 Millionen. In der kurzen Zeit hatte die ÖVP geführte Landesregierung das Schuldenniveau versechsfacht. Das muss man einfach zammbringen.

Da hat der Schorsch wohl deutlich an Bock abgschossn?

Do hot nicht nur da Schorsch an Bock abgeschossen, sondern a da LH Mattle und die ganze Landesregierung an gewaltigen Bock abgschossen.

Was wünschen Sie sich eigentlich vom Christkind?

Zwei Wünsche:

1) Dass man zwischen Regierung und Opposition mehr gemeinsam macht. Inzwischen ist es ein ganz unrühmliches Spiel. Wir als Liste Fritz haben alleine für den Budgetlandtag 23 Abänderungsanträge. Vernünftige Maßnahmen, für die früher auch viele SPÖler selbst waren. Und die sind im ersten Bogen abgelehnt worden. Und das ist schad.

    Was glaubens warum die SPÖ nicht mehr dafür ist?

Weil sie jetzt am Schoß der ÖVP in der Landesregierung sitzt. Aber damit macht ma nid da Liste Fritz was sondern den Tirolerinnen und den Tirolern was.

2) Dass man das leidige Thema des sündteuren Wohnens endlich richtig angeht. Grund und Boden sind viel zu teuer und dann ist auch das Häusl oder die Wohnung, die da drauf steht sündteuer. Und da konn die Politik was tun, da gibts viele Ideen, auch Vorschläge von uns. Aber die ÖVP blockiert es und die jungen Leit, so wie di, stört des und vor allem nimmt des einem die Perspektive. Denn "Für was sollt ma dann arbeiten gehen, wenn man es sich eh nicht daleistet?".

Danke fürs Interview!


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