Steiner " jede Entscheidung, die diese Regierung getroffen hat, war verlässlich falsch."

Christoph Steiner kandidiert für die FPÖ Tirol auf Platz 2 bei der Nationalratswahl. Ich konnte mit ihm im Zuge seiner Tour durch Tirol ein Interview führen.

(C): christdemokratie.at

Dann möchte ich Sie herzlich willkommen heißen zum Interview und gerne erfahren, warum Sie in die Politik gegangen sind.

Das hat mehrere Gründe gehabt, das wäre jetzt zu lang. Aber ursprünglich, weil mein Vater ganz, ganz früh verstorben ist, und dann gab es ein paar Ungereimtheiten bei der Witwenpension meiner Mutter. Damals habe ich alle Landtagsparteien angeschrieben, und die Einzigen, die mir geholfen haben, waren die Freiheitlichen. Da war ich 15 Jahre alt, und mit 16 bin ich in die Partei eingestiegen.

Da Sie früher eine Lehre als Koch abgeschlossen haben, wollte ich fragen, wie man das duale Ausbildungssystem, das wir in Österreich haben, stärken kann?

Ich glaube: Das duale Ausbildungssystem ist eine Stärke für sich, die wir haben. Wir müssen aber den Leuten bewusst machen: Das Studieren ist gut und recht, soll jeder selbst entscheiden. Wir haben aber im letzten Jahrzehnt einen Fehler gemacht: Wir haben gesagt, man solle studieren, damit etwas aus einem wird. Daher haben wir jetzt viel zu viele in Studien und viel zu wenige, die eine Lehre machen. Wir müssen den Menschen wieder vermitteln: Wenn man eine Lehre macht, ist man danach ein gemachter Mensch – man ist gefragt. Und wenn man das schafft, kann man dem Arbeitskräftemangel entgegenwirken, damit sich wieder mehr für eine Lehre entscheiden. Denn ich selbst bin gelernter Koch, habe über den zweiten Bildungsweg Masseur und alternative Heilmethoden gemacht. Das sind alles handwerkliche Berufe, die einem auch Sicherheit im Leben geben. Egal ob Zimmerer, Tischler, Elektriker, Schlosser – völlig egal. Das wird gebraucht und händeringend gesucht am Markt.

Was sind die aktuellen Herausforderungen im Gesundheitssystem?

Ja, da kracht es an allen Ecken und Enden – da müssen wir nicht drumherum reden. In den letzten Jahren ist sehr viel schiefgelaufen. Auch durch Corona und die Impfpflicht sind 600 Pflegerinnen und Pfleger in einen anderen Beruf gewechselt. Auf die kann man nicht mehr zurückgreifen.

Grundsätzlich legen wir in Österreich speziell zu wenig Wert auf Vorsorge und schauen viel zu sehr auf die Nachsorge. Ich kann viel verhindern, wenn ich den Fokus auf die Vorsorge richte – mit Bewegungsangeboten, speziell auch in Altersheimen, indem man Therapeuten hineinholt. Das muss aber auch von der Krankenkasse finanziert werden – und da sträuben sie sich. Dass Menschen mobilisiert und bewegt werden, bevor sie im Krankenhaus Betten belegen müssen, wenn es zu spät ist. Man müsste eine Vorsorge-Offensive machen und nicht die Nachsorge nur hinten dranhängen.

Ein weiteres Problem ist, dass wir oben ganz viele Milliarden hineingeben, aber die versickern, bis beim Patienten nur mehr ein kleiner Teil ankommt. Das liegt am alten Parteiensystem – die Länder blockieren sich gegenseitig, die Parteien auch. Rot und Schwarz, und jetzt wollen auch die Grünen überall jemanden drinsitzen haben. Da versickert schon einiges – bei denen, die zu viel verdienen. Und da spreche ich noch gar nicht vom Pfleger, der zu wenig verdient. Da rede ich auch noch nicht davon, dass wir die Numerus-Clausus-Flüchtlinge aus Deutschland an der MedUni ausbilden. Mein Zugang ist folgender: Wenn ich einen Deutschen in Österreich kostenlos ausbilde, dann muss der mindestens zehn Jahre bei uns eine Kassenstelle übernehmen.

Sie sitzen ja auch in der Wirtschaftskammer: Wie kann man die lokalen Unternehmen stärken?

Das Hauptproblem liegt in der Anfangsphase. Bei Start-ups fördern wir als Staat Österreich die Unternehmen – aber danach lassen wir sie fallen. Wir machen auch sehr viel Bürokratie. Das nimmt so viel Zeit und Ressourcen in Anspruch, dass man oft gar keine Zeit mehr hat, sich um den Betrieb und die Kunden zu kümmern – weil man nur noch am Computer hängt. Das müsste man heutzutage auf ein Minimum reduzieren. Wenn man das einsparen kann, hätte man schon viel gewonnen. Für junge Kleinunternehmer finde ich auch wichtig, dass der Standort attraktiv bleibt. Dazu gehört Energiepolitik, Bürokratieabbau und auch gewisse Förderungen – aber nicht zu viele.

Es sollte auch möglich sein, dass man, wenn man ein Unternehmen gründet, nicht automatisch erfolgreich ist. Es muss erlaubt sein, zu scheitern und etwas Neues aufzubauen. Denn nicht alles, was man anfasst, wird perfekt im Leben. Unternehmungen sind immer mit einem gewissen Risiko verbunden, und da sollte auch die Politik mitspielen – und sagen: Schaut her, geht in die Wirtschaft, traut euch was! Bei uns wird man oft bestraft, wenn man fleißig ist. Aber da stehen wir Freiheitlichen – und besonders ich – dafür ein. Ich weiß schon, das klingt so abgedroschen: „Leistung soll sich lohnen“. Sagen tun's alle, umsetzen tut's keiner. Doch wir als Freiheitliche haben das Wort Freiheit im Namen. Was ich tue, was ich mache, wie ich es mache – und auch, wenn man dann scheitert. Wir brauchen nicht immer mehr neue Steuern, sondern mehr Leute, die sich etwas trauen. Denn je mehr Umsatz ich mache, desto mehr Steuern zahle ich.

Ich muss jetzt ganz blöd fragen: FPÖ und ÖVP haben ja schon mehrmals miteinander regiert, und auch die ÖVP ist eher in Richtung „Leistung muss sich lohnen“. Warum ist da nichts weitergegangen?

Also weitergegangen ist schon was. Ich kann nur von der letzten Regierung sprechen, wo ich dabei war – Kurz und Strache. Das hat aber nicht lange gedauert, nur 1,5 Jahre, und dann waren wir auf Ibiza. Und Ibiza war ein Problem – wie wir alle wissen, sind wir dann natürlich auch nicht fertig geworden. Viele Sachen haben wir fertig vorbereitet. Aber eines ist meine Vermutung – und auch die vieler anderer: Schlechter machen wir’s fix nicht. Und wenn wir’s doch schlechter machen, haben die Leute spätestens in fünf Jahren – wobei, uns lassen sie ja eh keine fünf Jahre regieren, wenn wir’s schlecht machen – aber spätestens dann haben die Leute die Chance, die Freiheitlichen abzuwählen und zu sagen: Die können’s auch nicht besser.

Sie als ehemaliger RFJler – wie bringt man mehr junge Leute in die Politik?

Wir haben das Problem zum Glück nicht – weil ich mit meinem Tun und Handeln die Jugend auch motiviere. Ich kriege das auch mit, wenn ich auf Festen bin: „He, Steiner! Mach ma ein Foto, trinken wir was?“ Ich glaube, das passt schon. Man muss nicht immer schreien, dass die Jugend politikverdrossen sei und dass es so wenig Junge gibt – das stimmt nicht. Man muss nur die richtige Politik machen, dann kommen die Jungen von ganz allein. Denn die Jungen sind nicht dumm – die wissen schon, es geht um ihre Zukunft, um ihr Land. Ich will mir irgendwann auch etwas leisten können, mir eine Familie aufbauen, und mein Leben so verbringen, dass ich in Ruhe und Sicherheit leben kann – aber auch auf einem halbwegs guten Standard, dass ich mal auf Urlaub fahren kann. Und mehr will man ja gar nicht. Man sollte nicht glauben, dass die Jungen nicht zur Politik gehen – ich mache da gegenteilige Erfahrungen. Wir haben allein in Tirol in den letzten 1,5 Jahren 420 neue Mitglieder aufgenommen.

Dann wollte ich noch fragen, warum man am Sonntag die FPÖ wählen soll – und warum man Ihnen die Vorzugsstimme geben sollte?

Ja, wem gefällt, wie ich Politik mache, der sollte mir die Vorzugsstimme geben. Und so wie die letzten fünf Jahre kann es nicht weitergehen: Von Corona-Wahnsinn, Teuerung, Energie, Kriegstreiberei – jede Entscheidung, die diese Regierung getroffen hat, war verlässlich falsch. Wer sagt: Ich will ein besseres Österreich, soll die FPÖ wählen. Wer sagt: Ich will, dass nichts weitergeht – der soll ÖVP, Grüne, NEOS oder Sozis wählen.

Danke fürs Interview!

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