Interview mit Markus Koza: “Denn wir haben auch viel Potential auf Arbeitszeiterhöhung”

Markus Koza ist im Nationalrat Sprecher für Arbeit und Soziales für die Grünen und kandidert auf Bundesliste auf Platz 6.

(C): gruene.at


Warum sind Sie in die Politik gegangen?

I bin in die Politik gangen im Jahr 1989, politisch gedacht habe ich schon vorher.Denn 1986 ist Jörg Haider Parteichef in der FPÖ geworden und hat eine damals schon rechte Partei nach rechtsaußen geführt. 1986 sind die Grünen in den Nationalrat eingezogen, und es gab einen großen Schock für die zweite Republik: Die FPÖ knackte die 10% Hürde!


Denn mit der FPÖ seit Jörg Haider hat man eine Partei, die sich nicht vom Nationalsozialismus distanziert und Politik gegen das System und mit dem Ausländerthema macht. Heute sind die Stimmen der FPÖ sogar noch höher, immer wieder ein Viertel der Stimmen.


Und Österreich zu verteidigen gegen Ausländerhass und sich einzusetzen für ein soziales, offenes Österreich, war dann der Startschuss für mein politisches Engagement. Ich bin bei der Wirtschaftsunion bei der ÖH zu den GRAS gegeben.Denn mein größter Beweggrund war der Antifaschismus und der Kampf gegen Rechts



Was ist Ihre Meinung zur 30 h Woche?

Die 30 h Woche ist für mich schon eine Vision, da muss man nicht besonders drüber reden. Wir haben Fachkräftemangel an allen Ecken und Enden. Zu aller erst können wir mal Richtung 36 h Woche gehen. Denn das letzte Mal war 50 Jahre her, als man Arbeitszeit kürzte. Und in den letzten 50 Jahren ist die Produktivität stark gestiegen, aber das Einkommen ist nicht in gleichem Maße mitgestiegen, es ist viel auf der Seite der Unternehmen geblieben.


Weiters haben wir eine ganz stark weiblich geprägte Teilzeit und eine männlich geprägte Vollzeit, was viele Auswirkungen auf Pensionssystem, Arbeitslosigkeit, und so weiter und so fort hat.


Unser Vorschlag ist hier eine schrittweise Arbeitszeitverkürzung zu machen.

Und wenn es schon heißt: Verkürzen:


Denn wir haben auch viel Potential auf Arbeitszeiterhöhung, da sich viele Frauen in der Teilzeit befinden. Und da wäre eine 30 h Woche eine Annäherung der Teilzeit und der Vollzeitquote. Weiters ist es ein Beitrag zur Attraktivierung von Österreich für Fachkräfte.


Was tun gegen Arbeitskräftemangel?

Natürlich ist da ein ganz wesentlicher Punkt in Ausbildung, Qualifizierung und Weiterbildung zu investieren. Dass man die Lehre entschädigt, so wie es die ÖGB fordert, mit einem Mindestlehrgeld von 1000€ im ersten Lehrjahr. Doch man sollte sich auch klar sein, dass es mit der Gesellenprüfung nicht vorbei ist und es auch weitere Ausbildung auf Fachhochschulen und Unis gibt.


Weiters verändern sich die Berufsbilder, nicht nur aufgrund der ökologischen und digitalen Transformation. 


Auch müssen wir die Lehrpläne aktualisieren.

Auf der anderen Seite müssen wir den Menschen auch die Chance geben mehr in Richtung green Jobs gehen zu können.


Was haben wir auch im Bereich Bekämpfung des Arbeitskräftemangels gemacht?


  • Wir haben das Pflegestipendium eingeführt. Von Menschen die sich in Pflege umbilden wollen, sichern wir sozial ab. Denn sonst macht es keiner. Dank uns bekommt man bei einer Pflegeausbildung 1500€/Monat vom AMS als Förderung.

  • Umweltarbeitsstiftung: Leute die Arbeitslos geworden sind weil sie aus einer fossilen Branche gekommen sind, können sich in Richtung green jobs umorientieren 

  • Wir haben den Schulungszuschlag beim Arbeitslosengeld deutlich erhöht. Bei AMS Ausbildungen, die länger als 4 Monate gehen haben wir zusätzlich 220€, bei Ausbildungen bis zu 12 Monaten 370€/Monat. Denn gute Qualifikation braucht eine Zeit, das geht nicht in 2,3,4 Wochen. Denn je intensiver Menschen ausgebildet werden, desto besser und lieber verrichten sie die Arbeit und desto länger bleiben sie im Job. Denn alleine mit der Notstandshilfe geht sich das Leben nicht so leicht aus wie mit unserem Schulungszuschlag. Denn die Leute kriegen damit bei eienr Weiterbildung bessere Unterstützung und wir bilden die Menschen für eine moderne Arbeitswelt aus.

  • Auch kommen wir nicht um gezielte Migration drum rum. Doch wir wollen nicht als Land gelten, wo man Arbeitskräfte haben will, aber die Menschen mies behandelt. Denn je mehr wir gegen Rassismus vorgehen, kommen mehr Leute


Wie werden wir alle in Österrein in Zukunft arbeiten?

Das eine ist: Sicher selbstbestimmter und flexibler. Denn Unternehmen müssen entsprechende Arbeitszeitmodelle anbieten wo Freizeit, Aufgaben von zuhause und Arbeit vereinbart werden können. Denn die Zeiten, wo Arbeit Mittelpunkt des Lebens ist, ist vorbei. 


Weiters sind neue Fähigkeiten und Qualifikationen gefragt. Denn die Arbeit geht uns zwar nicht aus, verlagert sich vielleicht in andere Branchen. 


Auch wird Arbeit anders getaltet und anders organisiert, da weiters auch viel mehr Frauen auf den Arbeitsmarkt kommen werden.


Was ist eigentlich so wichtig daran, die kalte Progression abzuschaffen?


Die Abschaffung der kalten Progression war nicht das dringendste Anliegen der Grünen. 

Denn wenn man es nur mit der Inflation erhöht, kommt es den oberen zugunste. Doch ässen wir sagen, dass wir eine relativ intelligente Weise gewählt haben, die ÖVP, NEOS, Gewerkschaft und die AK zufrieden stellt:


Denn ⅔ werden automatisch abgegolten und ⅓ immer verhandelt. Damit ist die untere Einkommensschicht gesichert, auch das Kilometergeld wurde ökologisiert, und der Kinderzuschlag ins Dauerrecht für Alleinerzieherinnen und Alleinverdienerinnen 

übernommen. Diese sind auch mit einer fixen Einkommensgrenze gedeckelt, so bekommt man bei bis zu 2200€ Brutto im Monat 60€ monatlich ausgezahlt. Denn neben der Valorisierung der Sozialsysteme ist das ein Schritt in Richtung Kindergrundsicherung. 

Denn bei unseren Krisen haben wir Armutsentwicklung gemerkt, besonders Kinderarmut. Von Juli 2023 bis Ende 2023 war es Verhandlungssache, aber jetzt, auch durch Bitte von vielen NGOs und Sozialpartnern ist es nun fix im Einkommenssteuergesetz.


Mehr Geld im Umlauf, sorgt für Geldentwertung, praktisch Inflation. Warum braucht es den Klimabonus?


Der Klimabonus ist ja lustig, denn das sei ja Helikoptergeld. Doch Helikoptergeld ist bspw: Wenn die ÖNB jedem Haushalt einen gewissen Betrag gibt.


Doch wird von jedem Haushalt die CO2-Steuer gezahlt und über den Klimabonus gehts wieder zurück auf den Haushalt. Dieses System war für viele Länder ein Vorbild und es wurde auch von vielen Ökonomen gelobt. Es gilt auch zu erwähnen: Einkommensstarke Familien haben deutlich mehr CO2 Ausstoß und kriegen entsprechend einen geringeren Klimabonus rückerstattet


Was ist Ihre Vision vom Sozialsystem der Zukunft?


Das Sozialsystem unterscheidet sich gar nicht so viel vom jetzigen. Wir sind Fans von einem bedarfsorientierten Grundeinkommen, dass man nicht ins Bodenlose fällt und auch Beratungen anbietet. Eine Begleitung am Weg raus aus der Armut, denn Notstandshilfe, usw. sind nicht besonders armutsfest. 


Weiters sollte man alle Branchen kollektivertraglich abdeckeln und das Pensionssystem stärker sichern.


Zusätzlich zu unserem sozialen Netz der Sozialversicherung brauchen wir das letzte Netz. Denn die Sozialhilfe, die von Strache und Kurz zerschossen wurde, sollte Hilfe und Wege aus der Armut heraus anbieten, aber auch mit der nötigen Zeit, die jede:r braucht. Denn extreme ökonomische Sorgen sind vor allem ein Turbo für Rechtsrechte. Denn da kann man viel leichter mit Leid schüren als wenn es eine Gesellschaft ohne Angst vorm sozialen Absturz gäbe.


Diese ganzen Projekte kosten Geld, das wir eigentlich nicht haben. Wo sollte man Ihrer Meinung nach kürzen? Beim Sozialsystem?


Bevor wir ins Sozialsystem reinfahren, haben wir hohe Steuern bei den Reichen. Auch wenn wir die Einkommenssteuer reduziert haben und das Steuersystem ökologisiert haben, sollten die Reichen ihren Beitrag zahlen. Denn ihnen wurden während Corona teilweise die Umsätze gerettet. 


Auch kostet es die Gesellschaft mehr, dass wir gewisse Probleme haben als Lösungsschritte. So kostet die Kinderarmut im Jahr 17 Millionen Euro und man könnte mit deutlich geringeren Mitteln dagegen was machen. 


Doch: 2015,2016 hatten wir eine Schuldenquote von 80% gehabt, heute haben wir 75%.
Und diesen Konsolidierungsbedarf können wir auch angehen und müssen ihn auch angehen. 

Denn dieses Kaputtsparen ist eher eine Panikmache. Das Sparen ist sehr wohl machbar und bewältigbar, so kosten beispielsweise klimaschädliche Subventionen 5 Milliarden Euro. Und bei anderen Sachen haben wir kaum Einfluss, die sind europäische Sachen.


Warum sollte man Grün wählen? Warum sollte man Markus Koza die Vorzugsstimme geben?


Das eine ist, ich glaub es ist tatsächlich so, dass man auch in den letzten Wochen gesehen hat, dass eine Partei konsequenzen Klimaschutz fordert. Wir bleiben dran. Denn Klimaschutz mit sozialem ist grünes uniqum. 


Wir haben den Sozialabbau durch Schwarz-Blau, der auch schon zu Zeiten von SPÖ und ÖVP Koalitionen angefangen hat, gestoppt, die Orbanisierung des Rechtsstaates gestoppt. Doch das ist ist alles zwischenzeitlich gestoppt. 


Wenn es einen Garanten gibt, für Klima und Umwelt und Zukunftspoliitk gibt, ist es Grün.

Wenn man Schwarz-Blau verhindern will, sind es die Grünen.

Wir sind 2019 mit einer sehr schwierigen, sehr rechten ÖVP in die Koalition gangen und haben den Kurz gestürzt, nicht die SPÖ. 


Denn wir haben Klimaschutz zum Regierungsprogramm gemacht, für Transparenz gesorgt, Sozialabbau durch Schwarzblau gestoppt und umgekehrt.


Wenn man eine starke soziale Stimme hat und einen sozialen Kämpfer hat, der es im Parlament bewiesen hat, dass er es kann, dann kann man auch mir eine Stimme geben. 


Danke fürs Interview!


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