Durchs irre Germanistan: Notizen aus der Ampelrepublik
Autoren: Henryk M. Broder, Reinhard Mohr
Erscheinungsjahr: 2023
Verlag: Europa Verlag
Rezensionsexemplar? Nein
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ACHTUNG!! IN DER NACHFOLGENDEN REZENSION KOMMEN SPOILER VOR! ACHTUNG!!
1. Die Masche der Anekdoten
„Durchs irre Germanistan“ von Henryk M. Broder und Reinhard Mohr folgt einer ähnlichen Strategie wie die berühmte Rede Helmut Schmidts gegen Franz-Josef Strauß aus dem Bundestagswahlkampf 1980. Statt einer rasant vorgetragenen Abfolge von verbalen Entgleisungen wird hier eine Sammlung von Anekdoten und Kuriositäten zusammengestellt. Diese Episoden, die die Autoren seit Beginn der Ampel-Koalition im Dezember 2021 aufgeschnappt haben, werden in humorvoller, bissiger und teils verzweifelter Manier kommentiert. Broder und Mohr fassen die Schwächen der Regierung zusammen und führen diese zu einem Bild zusammen, das „Deutschland im Irrsinn“, das irre Germanistan, kennzeichnet.
2. Widersprüchlichkeiten der Ampel-Koalition
Broder und Mohr zielen direkt auf die Widersprüche und Fehltritte der Ampel-Koalition ab. Der Kritikpunkt liegt in der Diskrepanz zwischen den hehren Ansprüchen und der praktischen Umsetzung. Die Autoren pointieren, wie Wirtschaftsminister Habeck einerseits die Atomkraft in der Ukraine als unverzichtbar lobt, andererseits jedoch das Festhalten am deutschen Atomausstieg als alternativlos propagiert. Diese Widersprüche und die Tendenz der Regierung, Probleme durch ideologische Floskeln zu verschleiern, kommen in den Anekdoten deutlich zur Geltung.
3. Fehlen von „Panzern und Psychotherapeuten"
Ein zentrales Manko, das Broder und Mohr an der Ampel-Regierung ausmachen, ist das Fehlen grundlegender Ressourcen und die Irreführung der Bevölkerung. Trotz der schwierigen Lage – Ukrainekrieg, Inflation, und wirtschaftlicher Unsicherheit – wird den Bürgern suggeriert, dass alles beim Alten bleiben könne und sich sogar verbessern werde. Cannabis wird legalisiert, Geschlechtswahl flexibilisiert, während gleichzeitig essenzielle Dinge wie Panzer und Psychotherapeuten fehlen. Hier wird der Eindruck vermittelt, dass Nischenregelungen nur dazu dienen, grundlegende Mängel zu kaschieren.
4. Die vergleichsweise „goldene Epoche“ der Merkel-Jahre
Broder und Mohr stellen die Merkel-Jahre als eine „goldene Epoche“ pragmatischer Staatsführung dar, in der wichtige Themen wie der Atomausstieg und die Flüchtlingspolitik zwar angegangen wurden, aber auch nicht immer optimal umgesetzt waren. Ihre Darstellung der vergangenen Ära dient als Kontrastfolie zur aktuellen Regierung und betont die Kontinuität und die bleibenden Probleme, die auch unter der Union vorhanden waren. Diese Perspektive verdeutlicht, dass viele der kritisierten Themen nicht neu sind, sondern in verschiedenen politischen Kontexten wiederkehren. Denn es wird zwar von einer goldenen Epoche der Zufriedenheit gesprochen, jedoch auch kritisiert, dass ihr Erbe ein Land in Scherben sei.
5. Klischees und weltanschauliche Worthülsen
Die Autoren nehmen insbesondere linksliberale Phrasen und moralische Überhöhungen aufs Korn. Sie zerlegen die vermeintlich fortschrittlichen Ansichten der Ampel-Parteien und die damit verbundene Gesellschaftskritik auf humorvolle und zugleich scharfsinnige Weise. Die Kritik richtet sich weniger gegen konkrete politische Maßnahmen, sondern mehr gegen die als überzogen empfundene moralische Rhetorik der Regierung, die in der Wahrnehmung der Autoren oft in Klischees und Worthülsen verfällt.
6. Der Kontrast zu Merkel und der Fortbestand der Probleme
Broder und Mohr zeichnen die Merkel-Jahre als pragmatische und stabilitätsorientierte Phase, die jedoch nicht alle Probleme lösen konnte. Diese „goldene Epoche“ wird durch die aktuelle Situation kontrastiert, in der die Probleme oft noch deutlicher zutage treten. Diese kritische Betrachtung soll verdeutlichen, dass viele der heutigen Schwierigkeiten tiefer verwurzelt sind und nicht allein der aktuellen Regierung anzulasten sind.
7. Fazit: Humorvoll und bissig – eine lehrreiche Lektüre
Ich habe zuerst gemeint, dass es ein sinnloses Ampelbashing ist. Doch Gott Sei Dank habe ich mich getäuscht. Denn "Durchs irre Germanistan" ist derartig witzig, dass ich als eher linksliberal eingestellter Mensch, auch darüber lachen konnte. Und zwar obwohl der Linksliberalismus selbst eines der zentralen Themen ist, die aufs Korn genommen wird.
Trotz der gelegentlichen Neigung zu Klischees und moralischer Überhöhung liefert das Buch wertvolle Einsichten in die gegenwärtige politische Landschaft und die Herausforderungen, vor denen Deutschland steht. Und das alles mit so viel Humor, das es schon fast zu gut gewürzt ist.

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