Die napoleonischen Kriege (1803-1815)

 

Was?

Die napoleonischen Kriege, geführt zwischen 1803 und 1815, waren eine Reihe von Konflikten, die Napoleons Bestreben folgten, die europäische Hegemonie unter französischer Vorherrschaft zu etablieren. Diese Kriege involvierten nahezu jede europäische Großmacht der Zeit und führten zu weitreichenden territorialen Veränderungen auf dem Kontinent. Napoleons taktisches Genie, evident in Schlachten wie Austerlitz und seine Reformen, die den Code Civil umfassten, prägten diese Ära. Die Kriege endeten mit Napoleons Niederlage in der Schlacht bei Waterloo 1815 und hatten langfristige Auswirkungen auf die europäische Politik, einschließlich der Neuordnung der Grenzen auf dem Wiener Kongress.

Wichtige Personen:

  • Napoleon Bonaparte: Der französische General und spätere Kaiser, dessen militärisches Genie und politische Macht die Kriege dominierten.
  • Horatio Nelson: Britischer Admiral, bekannt für seinen Sieg gegen die französische Flotte in der Schlacht von Trafalgar 1805, der die britische Seeherrschaft sicherte.
  • Arthur Wellesley, Herzog von Wellington: Führte die britischen Truppen zum Sieg gegen Napoleon in der Schlacht bei Waterloo 1815.
  • Alexander I. von Russland: Sein Entschluss, sich Napoleon zu widersetzen, führte zum katastrophalen Russlandfeldzug Napoleons 1812.
  • Gebhard Leberecht von Blücher: Preußischer Feldmarschall, spielte eine entscheidende Rolle bei den Schlachten von Leipzig 1813 und Waterloo.

Strategien:

  • Blitzkrieg-ähnliche Taktiken: Napoleon setzte auf schnelle, überraschende und koordinierte Angriffe, um seine Feinde zu desorientieren.
  • Die Große Batterie: Einsatz massiver Artillerie, um den Feind zu schwächen, bevor die Infanterie und Kavallerie angreifen.
  • Innere Linien: Napoleon nutzte geografische und strategische Vorteile, um seine Truppen effizient zwischen verschiedenen Fronten zu bewegen.

Auslöser des Krieges:

Der unmittelbare Auslöser war Napoleons Staatsstreich des 18. Brumaire im Jahr 1799, durch den er die Macht in Frankreich übernahm und sich später zum Kaiser krönte, was die europäischen Monarchien bedrohte.

Abstimmung nach Ständen in den Generalständen (1789)

 Die Generalstände waren eine Versammlung, die aus Vertretern der drei traditionellen Stände der französischen Gesellschaft bestand: dem Ersten Stand (Klerus), dem Zweiten Stand (Adel) und dem Dritten Stand (Bürgertum und Bauern).

Zu Beginn der Französischen Revolution im Mai 1789 wurden die Generalstände einberufen, um die schweren finanziellen Probleme des Königreichs zu diskutieren. Bei der Abstimmung in den Generalständen wurde traditionell nach Ständen abgestimmt, was bedeutete, dass jeder Stand eine Stimme hatte. Dieses System benachteiligte den Dritten Stand, der zwar die Mehrheit der Bevölkerung darstellte, aber nur über eine Stimme verfügte – genau wie der wesentlich kleinere Erste und Zweite Stand.

Diese ungleiche Stimmverteilung führte zu erheblichen Spannungen und war einer der Auslöser, die schließlich dazu führten, dass der Dritte Stand die Generalstände verließ und sich am 17. Juni 1789 als Nationalversammlung konstituierte, um eine neue Verfassung für Frankreich zu entwerfen. Dieser Schritt markierte einen entscheidenden Wendepunkt in der Französischen Revolution.


Gründe für die Revolution:

  • Wirtschaftliche Krise: Frankreich litt unter einer schweren finanziellen Krise, die durch kostspielige Kriege (einschließlich des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges), verschwenderische Ausgaben des Königshofs und eine ineffiziente Steuerstruktur verschärft wurde. Die meisten Steuern wurden vom Dritten Stand gezahlt, während Adel und Klerus weitgehend steuerbefreit waren. Diese Ungleichheit belastete die Bauern und das Bürgertum schwer.
  • Soziale Ungleichheiten: Die französische Gesellschaft war in drei Stände aufgeteilt: Klerus, Adel und den Dritten Stand, der den Großteil der Bevölkerung ausmachte. Der Dritte Stand hatte kaum politische Macht und trug die Hauptlast der Steuern, während die Privilegien von Adel und Klerus sie von vielen Pflichten befreiten. Diese Ungerechtigkeit führte zu erheblichem Unmut.
  • Aufklärungsideen: Philosophen der Aufklärung wie Voltaire, Rousseau und Montesquieu kritisierten die bestehenden sozialen und politischen Strukturen und förderten Ideen wie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Diese Ideen verbreiteten sich unter den gebildeten Bürgern und verstärkten den Ruf nach Veränderung.
  • Politische Missstände und der Absolutismus: Unter König Ludwig XVI. wurde die königliche Macht zunehmend als despotisch angesehen. Die Unfähigkeit des Königs, effektive Reformen durchzuführen und auf die wirtschaftlichen Nöte zu reagieren, führte zu einer Legitimationskrise der Monarchie.
  • Nahrungsmittelknappheit und Hungersnöte: In den Jahren vor der Revolution führten Missernten zu Nahrungsmittelknappheiten, was die Preise für Brot und andere Grundnahrungsmittel in die Höhe trieb und Hungersnöte auslöste. Die Notlage der ärmeren Bevölkerungsschichten verschärfte den sozialen Unmut.
  • Einfluss externer Revolutionen: Der Erfolg der Amerikanischen Revolution bzw der amerikanischen Unabhängigkeit (1776-1783), ironischerweise von den französischen Kaisern, hatte auch einen inspirierenden Einfluss auf Frankreich, nicht zuletzt, weil viele französische Soldaten an der Seite der Kolonisten gekämpft hatten und mit revolutionären Idealen zurückkehrten.

Grund des Krieges:

Die Hauptursachen waren die Französische Revolution und die Expansion der revolutionären Ideale, die von anderen europäischen Monarchien als Bedrohung ihrer Herrschaft angesehen wurden.

Verlauf des Krieges:

  • Die Kriege begannen mit frühen französischen Erfolgen und der Expansion des französischen Territoriums.
  • Napoleon erlitt 1812 eine entscheidende Niederlage in Russland.
  • 1814 bildete gefühlt ganz Europa eine Koalition gegen Frankreich 
  • Napoleon kehrte 1815 für die Herrschaft der Hundert Tage zurück, bevor er endgültig in Waterloo besiegt wurde.

Sozioökonomische Auswirkungen:

  • Militärische Innovationen: Die Kriege förderten militärische Innovationen, darunter das Konzept der Nationalarmee.
  • Wirtschaftliche Belastung: Die Kriege waren extrem kostspielig, führten zu hoher Besteuerung und wirtschaftlicher Belastung in den beteiligten Ländern.
  • Politische Veränderungen: Die Verbreitung revolutionärer Ideale trug zur Entstehung moderner Nationalstaaten bei und beeinflusste die politische Landschaft Europas nachhaltig.
  • Soziale Veränderungen: Die Kriege verstärkten das Gefühl nationaler Identität und führten zu signifikanten sozialen Veränderungen in den beteiligten Ländern.


Die 7 Koalitionen:

  • Erste Koalition (1792-1797): Bestand aus Großbritannien, Österreich, Preußen, Spanien, Portugal, Neapel und anderen Staaten, die sich gegen das revolutionäre Frankreich zusammenschlossen.
  • Zweite Koalition (1798-1802): Bestand aus Großbritannien, Russland, dem Osmanischen Reich, Portugal, Österreich und anderen Staaten, die gegen das französische Kaiserreich kämpften.
  • Dritte Koalition (1805): Bestand aus Großbritannien, Russland, Österreich und Schweden, die sich gegen Napoleon formierten.
  • Vierte Koalition (1806-1807): Bestand aus Preußen, Russland, Sachsen, Schweden und Großbritannien.
  • Fünfte Koalition (1809): Bestand hauptsächlich aus Österreich und Großbritannien.
  • Sechste Koalition (1812-1814): Umfasste Russland, Preußen, Österreich, Schweden, Großbritannien, Spanien, Portugal und andere kleinere deutsche Staaten.
  • Siebte Koalition (1815): Auch bekannt als die Heilige Allianz, umfasste Großbritannien, Preußen, Österreich, Russland und andere kleinere Staaten, die sich für die Schlacht von Waterloo gegen Napoleon zusammenschlossen. 1815 endeten schließlich die napoleonischen Kriege.


Auswirkungen des Kriegsendes:

  • Wiener Kongress (1814-1815): Der Wiener Kongress wurde einberufen, um die politische Landkarte Europas nach dem Sturz Napoleons neu zu gestalten. Unter der Leitung von führenden Staatsmännern wie Metternich (Österreich), Talleyrand (Frankreich) und Castlereagh (Großbritannien) wurden die Grenzen neu gezogen und ein System der Balance of Power etabliert, um zukünftige große Kriege zu verhindern. Dieses System prägte die europäische Politik für das nächste Jahrhundert.
  • Restauration der Monarchien: Viele der durch Napoleon abgesetzten Herrscher wurden wieder in ihre Ämter eingesetzt. Dies führte zur Restauration der Bourbonen in Frankreich, Spanien und anderen Teilen Europas. Die Restauration zielte darauf ab, die politischen und gesellschaftlichen Ordnungen, die vor der Französischen Revolution existierten, wiederherzustellen.
  • Aufstieg des Nationalismus: Die napoleonischen Kriege förderten die Ideen des Nationalismus und Liberalismus. In vielen Teilen Europas, insbesondere in Deutschland und Italien, verstärkte die Erfahrung der Besetzung durch französische Truppen das Bewusstsein für nationale Identität und legte den Grundstein für spätere Unabhängigkeitsbewegungen und die Einigung der Nationen.
  • Militärische Innovationen: Die Kriege führten zu bedeutenden militärischen Innovationen, darunter die breitere Anwendung der Massenkonskription, die als "Levée en masse" bekannt ist. Diese Innovationen beeinflussten die militärische Taktik und Strategie in späteren Konflikten.
  • Wirtschaftliche Auswirkungen: Europa hatte mit erheblichen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen, die aus den langen Jahren der Kriegsführung resultierten. Große Staatsschulden, zerstörte Infrastruktur und unterbrochene Handelsbeziehungen mussten in den folgenden Jahrzehnten bewältigt werden.
  • Veränderung der internationalen Beziehungen: Die napoleonischen Kriege und der Wiener Kongress führten zur Etablierung von diplomatischen Normen und Praktiken und begründeten moderne internationale Beziehungen. Der Kongress von Wien etablierte auch das Konzept der "Konzert der Mächte", eine frühe Form internationaler Zusammenarbeit zur Aufrechterhaltung des Friedens.

zur weiteren Nachlese:

Der Absolutismus:

  • https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/das-junge-politik-lexikon/319787/absolutismus/#:~:text=Was%20bedeutet%20der%20Begriff%20%22Absolutismus,eingeschr%C3%A4nkt%20zu%20sein%2C%20die%20Politik.
  • https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Absolutismus
  • https://m.politik-lexikon.at/absolutismus/

Französische Revolution:

  • https://www.planet- wissen.de/geschichte/neuzeit/die_franzoesische_revolution/index.html
  • https://www.dhm.de/bildung/ida/revolutionen/1789/
  • Mr. Wissen2Go Erklärvideo: https://www.youtube.com/watch?v=WCiYpgmSwLw

Napoleonische Kriege:

  • https://www.habsburger.net/de/ereignisse/napoleonische-kriege-1792-1815
  • https://hdbg.eu/koenigreich/index.php/objekte/index/herrscher_id/4/id/320
  • https://www.mdr.de/geschichte/weitere-epochen/voelkerschlacht/napoleon-bonaparte-chronologie-leipzig-100.html
  • https://www.geschichte-abitur.de/restauration-und-vormarz/napoleons-vorherrschaft

Wiener Kongress:

  • https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Wiener_Kongress_(1814/1815)
  • https://www.bundeskanzleramt.gv.at/bundeskanzleramt/geschichte/geschichte-des-gebaeudes/wiener-kongress.html
  • https://www.planet-wissen.de/geschichte/neuzeit/wiener_kongress/index.html

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