Die Gründung der Sowjetunion
Was?
Die Sowjetunion wurde offiziell im Dezember 1922 gegründet, als Ergebnis der russischen Revolution von 1917, die das zaristische Regime stürzte. Angeführt von den Bolschewiki unter Wladimir Lenin, folgte die Revolution einer Periode intensiver politischer und sozialer Umwälzungen, gekennzeichnet durch Bürgerkrieg zwischen den Roten (Bolschewiki) und den Weißen (antibolschewistische Kräfte). Der neue Staat strebte an, auf den Prinzipien des Marxismus-Leninismus eine klassenlose, kommunistische Gesellschaft zu errichten. Die Gründung der Sowjetunion markierte den Beginn einer neuen Ära der sowjetischen Dominanz in Osteuropa, die bis zum Zerfall des Staates im Jahr 1991 andauerte.
Wer?
- Wladimir Lenin - Der führende Kopf der Oktoberrevolution und der erste Führer der Sowjetunion.
- Leon Trotzki - Ein Hauptführer der Oktoberrevolution und der erste Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten.
- Josef Stalin - Späterer Generalsekretär der Kommunistischen Partei, spielte eine entscheidende Rolle in der Konsolidierung der Macht.
- Alexander Koltschak - Admiral und einer der führenden Köpfe der Weißen Armee. Er erklärte sich selbst zum Obersten Regenten Russlands und kämpfte gegen die Bolschewiki.
- Anton Denikin - General der Weißen Armee, der im Süden Russlands gegen die Bolschewiki kämpfte.
- Julius Martow - Führer der Menschewiki, einer sozialistischen Gruppierung, die die Bolschewiki für ihre autoritären Methoden und die Missachtung der sozialistischen Demokratie kritisierte.
- Wiktor Tschernow - Führer der Sozialrevolutionäre (SRs), einer sozialistischen Partei, die vor allem bei Bauern populär war und eine Agrarreform anstrebte, die im Gegensatz zu den bolschewistischen Kollektivierungsplänen stand.
- Alexander Kerenski - Führer der Provisorischen Regierung, die nach der Abdankung des Zaren im März 1917 an die Macht kam, aber von den Bolschewiki im Oktober desselben Jahres gestürzt wurde.
- Nestor Machno - Anführer der anarchistischen Bewegung in der Ukraine, bekannt als „Machnowschtschina“, die für eine unabhängige und staatlose ukrainische Gesellschaft kämpfte und zeitweise gegen sowohl die Weißen als auch die Roten Armee stand.
Sozialrevolutionäre (SRs):
Die Sozialrevolutionäre waren eine wichtige politische Kraft im vorrevolutionären Russland, die vor allem unter Bauern großen Rückhalt hatte. Ihre politische Plattform basierte auf Agrarreformen, die Land an die arbeitenden Bauern verteilen wollten. Die SRs waren in der Provisorischen Regierung stark vertreten und spalteten sich 1917 in rechte und linke Fraktionen. Während die rechten SRs die Bolschewiki bekämpften, arbeiteten die linken SRs zeitweise mit ihnen zusammen, distanzierten sich aber später wegen Meinungsverschiedenheiten über den Frieden von Brest-Litowsk und andere politische Fragen.
Machnowschtschina:
Die Machnowschtschina war eine anarchistische Bewegung in der Ukraine, geführt von Nestor Machno. Sie kämpfte während des russischen Bürgerkriegs gegen sowohl die Weiße als auch die Rote Armee und verfolgte das Ziel, eine anarchistische Gesellschaft ohne staatliche Strukturen aufzubauen. Ihre soziale Basis bestand hauptsächlich aus Bauern, und die Bewegung implementierte selbstverwaltete landwirtschaftliche Kooperativen und lokale Räte (Sowjets). Die Machnowschtschina war bekannt für ihre Guerillataktiken und ihr Streben nach einer egalitären Gesellschaft, wurde aber 1921 von der Roten Armee brutal unterdrückt.
Menschewiki:
Die Menschewiki, abgespalten von den Bolschewiki während eines Parteitags der Russischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei 1903, befürworteten einen graduellen und parlamentarischen Weg zum Sozialismus und betonten die Wichtigkeit einer breiten Arbeiterkoalition. Im Gegensatz zu den Bolschewiki unterstützten die Menschewiki die Provisorische Regierung und lehnten den bolschewistischen Aufstand im Oktober 1917 ab. Sie vertraten die Ansicht, dass Russland noch nicht reif für eine sozialistische Revolution sei und dass Demokratie und Kapitalismus sich erst voll entwickeln müssten.
Weiße Armee:
Die Weiße Armee, auch bekannt als die Truppen der Weißen Bewegung, war eine Sammlung von anti-bolschewistischen Kräften, die während des russischen Bürgerkriegs (1918-1921) gegen die Rote Armee kämpften. Sie bestand aus monarchistischen Gruppierungen, republikanischen Milizen, ausländischen Interventionskräften und enttäuschten sozialistischen Fraktionen. Die Weiße Armee war in mehrere geografisch verstreute und strategisch unkoordinierte Gruppen aufgeteilt, was ihre Effektivität minderte. Ihr Mangel an einem klaren politischen Programm und interne Uneinigkeiten trugen zu ihrer letztendlichen Niederlage bei. Ihre Mitglieder wurden oft als "Weiße" bezeichnet, in Abgrenzung zu den "Roten" Bolschewiki.
Sozioökonomischer Kontext:
Russland war am Vorabend des 20. Jahrhunderts eine überwiegend agrarische Gesellschaft, in der Bauern unter feudalen Bedingungen lebten. Die Industrialisierung hatte spät begonnen und führte zu einer rasanten Urbanisierung und dem Wachstum einer industriellen Arbeiterklasse, die unter schlechten Arbeitsbedingungen litt. Diese sozialen Spannungen wurden durch die Niederlagen im Russisch-Japanischen Krieg 1904-1905 und im Ersten Weltkrieg verschärft, die die Schwäche des zaristischen Regimes offenbarten und zu einer weit verbreiteten Unzufriedenheit führten.
Politische Unruhen und die Februarrevolution 1917:
Die Februarrevolution 1917 war ein direktes Ergebnis der Misserfolge des Zaren im Ersten Weltkrieg und der Unfähigkeit des Regimes, auf die Bedürfnisse der Bevölkerung einzugehen. Der Zar wurde gezwungen abzudanken, und es entstand eine doppelte Machtstruktur aus einer provisorischen Regierung und den Sowjets (Arbeiter- und Soldatenräte), die tiefgreifende Reformen forderten.
Die Oktoberrevolution und die Bolschewiki:
Die Bolschewiki, unter der Führung von Wladimir Lenin, nutzten die Schwäche der Provisorischen Regierung und die wachsende Unterstützung in den Sowjets, um im Oktober 1917 die Macht zu ergreifen. Sie versprachen "Frieden, Brot und Land" und zogen damit breite Unterstützung von Kriegsmüden, Hungernden und landlosen Bauern an. Nach der Machtergreifung zogen die Bolschewiki Russland aus dem Ersten Weltkrieg zurück und begannen mit der Nationalisierung der Industrie und der Umverteilung des Landes.
Bürgerkrieg und die Konsolidierung der Macht:
Der darauffolgende Bürgerkrieg von 1918 bis 1921 zwischen den Roten (Bolschewiki) und den Weißen (anti-bolschewistische Kräfte) war eine brutale Auseinandersetzung, die das Land weiter verwüstete. Die Bolschewiki setzten eine Kombination aus militärischer Gewalt und sozialpolitischen Programmen ein, um ihre Herrschaft zu festigen. Der Sieg im Bürgerkrieg ermöglichte es den Bolschewiki, ihre Kontrolle zu konsolidieren und das gesamte Russische Reich in eine föderative Struktur umzuwandeln, die als Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken bekannt wurde.
Gründung der Sowjetunion 1922:
Die Sowjetunion wurde offiziell am 30. Dezember 1922 gegründet, als der erste Sowjetkongress der UdSSR eine Verfassung annahm, die verschiedene Sowjetrepubliken unter einer zentralen Regierung vereinte. Diese neue nationale Struktur sollte die ideologischen Ziele des Kommunismus fördern und eine Basis für den sozialistischen Aufbau bieten.
zur weiteren Nachlese:
- https://www.tt.com/artikel/30841738/gruendung-der-sowjetunion-eine-100-jahre-alte-klausel-erzuernt-putin
- https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/das-junge-politik-lexikon/333047/sowjetunion-udssr/
- https://www.deutschlandfunk.de/kalenderblatt-30-dezember-1922-gruendung-der-udssr-sowjetunion-100.html

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