"wirklich wichtige Funktionen auch an Jugendliche auslagern, die wir zwangsverpflichten" - Interview mit Ralph Schallmeiner
Ralph Schallmeiner ist Gesundheitssprecher der Grünen und Nationalratsabgeordneter. Ich konnte mit ihm ein Interview führen.
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| (C): gruene.at |
Dann möchte ich Sie zunächst herzlichst zum Interview begrüßen und gerne wissen: Die deutsche Bundesregierung legalisiert jetzt Cannabis für Deutschland. Wie sehen Sie das für Österreich?
Kann durchaus ein Vorbild sein, schauen wir uns an, wie das Ganze jetzt in Deutschland ablaufen wird. Werde demnächst nach Berlin fahren und mir das ganze auch nochmals anschauen und erklären lassen. Ich glaube, das ist durchaus eine Chance und wir sollten einfach mal die Diskussion unverkrampfter in Österreich führen. Weil bis jetzt läuft die Diskussion in Österreich meistens immer noch mit den gleichen Argumenten wie vor 70 Jahren. Und vielleicht schafft man es, im Zuge der Legalisierung in Deutschland, auch hier in Österreich mit aktuellen und zeitgemäßen Argumenten auseinanderzusetzen.
Und auch probieren?
Aus dem Alter bin ich heraussen.
Dann wollte ich fragen was man beim Thema psychische Gesundheit machen kann?
Naja, wir akademisieren gerade die Psychotherapie, wir bringen jetzt die Ausbildung an die Universitäten. Das wird unter anderem dazu führen, dass die Ausbildung günstiger wird für diejenigen, die sich ausbilden lassen wollen. Damit man auch einfach in die Breite geht. Wir sichern auch die Ausbildung und was auch noch dazukommt im Zuge dessen, im Zuge des neuen Psychotherapiegesetzes, dass das ganze auch als telemedizinische Anwendung geht, dass in Zukunft Psychotherapie auch über Videokonferenz, so etwas wie Zoom, möglich sein wird. Da haben wir schon ein paar Dinge und auch das Leuchtturmprojekt gesundausderkrise.
Kann das Gesundheitssystem eigentlich mit Zivildienern so weiterlaufen und hat der Zivildienst für das Gesundheitssystem auch eine Zukunft?
Der Zivildienst ist leider Gottes, so ehrlich müssen wir schon sein, unabdingbar insbesondere im Rettungswesen. Das Rettungswesen würde momentan ohne Zivildienst nicht funktionieren. Die Frage ist halt, ob das gescheit ist. Die Frage ist, was das wirklich bedeutet. Denn in Wirklichkeit ist es so, dass wir schon hergehen und zum Teil wirklich wichtige Funktionen auch an Jugendliche auslagern, die wir zwangsverpflichten. So ehrlich müssen wir schon sein. Aber da brauchen wir uns nix vormachen, ohne Zivildienst würde ganz, ganz viel im Pflege- und Gesundheitsystem nicht laufen. Wichtiger wäre es sich zu überlegen, wie man in Zukunft mit weniger oder sogar ohne Zivildiener in diesen Bereichen auskommen kann. Zumindest darüber nachdenken sollte man.
Zu guter Letzt mache ich im Zuge des Superwahljahres auch immer eine Minute, wo Sie die Leser*innen überzeugen können, in diesem Falle die Grünen bei der Nationalratswahl zu wählen.
Als Gesundheitspolitiker sage ich ganz klar eines: Weil wir die ersten waren und die ersten sind seit mindestens 30 Jahren, die diese Dinge angegriffen haben, die 30 Jahre nicht angegriffen wurden. Wir haben eine Gesundheitsreform gemacht, wir haben mehrere Pflegereformen gemacht, wir greifen eigentlich genau dorthin, wo andere 20,30 Jahre nur zugeschaut haben und gesehen haben, dass das System irgendwann einmal kollabieren wird. Wir greifen ein und unser Ziel ist es Gesundheitspolitik und Pflegepolitik unabhängig vom Einkommen zu machen. Ich glaube da sind wir auf einem guten Weg.
Danke fürs Interview!

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