"dass jene Menschen zu bestrafen sind, die wegen der Kindesbetreuung, nur Teilzeit arbeiten gehen können" - Interview mit Astrid Mair

Astrid Mair ist Landesrätin für Sicherheit, Generationen, Arbeit und Zivil- und Katastrophenschutz. Ich konnte mit ihr ein Interview führen.

(C): Land Tirol / Die Fotografen

Was würden Sie als Ihren bisher größten Erfolg werten?

Das ist eine interessante Frage, zumal ich ja jetzt erst ein bisschen über ein halbes Jahr im Amt bin. Aber was ich auf jeden Fall heute schon verbuchen kann, ist, dass es einen digitalen Familienpass gibt, den in der ersten Woche 40.000 Familien heruntergeladen haben, mittlerweile sind es 50.000. Dieses Angebot für die Familien ist entsprechend gut, das sieht man mit den 50.000 Downloads besonders. Das kann man einen Erfolg nennen.

Was sind Ihre Pläne als Politikerin und Privatperson für 2023?

Meine Pläne als Politikerin und Privatperson 2023. Pläne als Politikerin würde ich sagen viel Kontakt mit den Menschen, auf die Menschen zugehen, den Menschen zuhören. Nur so können wir die Stimmungslage von draußen auffangen. Ich glaube, dass das extrem wichtig für eine Politikerin ist zum einen. Dann gibt’s auch noch das Regierungsprogramm, das ich schon beackere und wir da Punkte herausnehmen, die sich gerade in der jetzigen Situation einfach umsetzten lassen können und die es auch sehr dringend braucht. Da sind wir sehr stark dabei.

Die persönliche Komponente für mich ist gesund zu bleiben. Denn nur wenn ich gesund und glücklich bin kann ich eine gute Arbeit machen. Das kommt nicht nur mir zugute, sondern den ganzen Menschen in Tirol.

Wie sind Sie in die Politik gekommen?

In die Politik gekommen bin ich eigentlich durch den Landtagswahlkampf 2022, wo man mich gefragt hat, ob ich als Spitzenkandidatin für den Bezirk Kufstein ins Rennen geh. Das hab ich dann gemacht und bin in weiterer Folge dann vom Anton Mattle, unserem jetzigen Landeshauptmann, gefragt worden, ob ich für diese Ressorts, die ich jetzt inne habe, Landesrätin werden möchte. Und nach einer längeren Überlegungsfrist habe ich zugesagt.

Sie sind ohne vorherige politische Aktivitäten Spitzenkandidatin des Bezirks Kufstein geworden?

Genau, das würde ich auch so sagen. Ich war immer politisch interessiert. Aber durch meinen Beruf als Polizistin vollzog ich die Gesetze und da braucht man nicht politisch tätig zu sein, weil man einen ganz klaren Auftrag als Polizistin oder Polizist hat. Damit war ich ausgefüllt. Ein bisschen politische Aktivität habe ich schnuppern können, als ich 2020 für ein Jahr im Kabinett Nehammer war. Darüber hinaus bin ich Expertin in Sachen Sicherheit. Da kann ich auf 22 Jahre Berufserfahrung zurückgreifen. Und zuvor bin ich beim Land Tirol gewesen, dieses Haus ist mir auch nicht ganz fremd.

Was sagen Sie zu den Klimaklebern?

Ich verstehe die Beweggründe der Klimakleber, aber stelle schon sehr stark in Frage, ob man sich auf die Straße kleben muss, um Aufmerksamkeit zu erreichen, weil ich als Sicherheitslandesrätin schon auch darauf schauen muss, dass die Straßen für Einsatzfahrzeuge im Notfall frei sein müssen. Da muss man abwägen, ob das dafürsteht und ich meine nein. Aber wenn die heute da unten vorm Landhaus demonstrieren, erreiche ich die gleichen Zweck als wenn ich mich auf die Straße klebe. Aber was ich auslöse ist Unmut in der Bevölkerung.

Als Landesrätin für Arbeitnehmer:innen würde ich gerne von Ihnen wissen, wie Sie in Tirol die Situation der arbeitenden Bevölkerung verbessern würden und ob hier ein Mindestlohn, wie es bereits in Burgenland und in Kärnten eingeführt wurde.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, egal was für ein Geschlecht ist etwas, wofür ich auf jeden Fall steh und etwas, das ich einfordere. Gehen tut es darum die Kollektivverträge her zu ändern. Aber ich bin der Meinung, dass wir von der landespolitischen Seite her nicht zu sehr in diese Angelegenheiten einmischen brauchen, weil die selbst so weit sind dass sie das selbst regeln können, wie viel sie zahlen. Der Dienstnehmer und der Dienstgeber sitzen an einem Tisch, verhandeln da und die Politik muss sich nicht überall einmischen. Es wäre aber längst an der Zeit, dass man sich das Leben leisten können und Männer und Frauen für die Arbeit gleich gut verdienen.

Gibt es hier auch politische Schritte, die Sie treffen können?

Nun liegt es an der Wirtschaft entsprechende Maßnahmen zu setzen. Sie müssen sich selbst an einen Tisch setzen und verhandeln, um genau das zu erreichen.

Wie sehen Sie den Vorstoß des Bundesminister Kochers, dass man Teilzeitarbeitenden Sozialleistungen streicht und dadurch quasi zu Vollzeitarbeit verpflichtet?

Naja, man muss Äpfel von Birnen unterscheiden, der Minister Kocher hat immer darüber gesprochen, die Menschen, was freiwillig Teilzeit arbeiten und dann Sozialleistungen beziehen. Wenn Sie das meinen. Die Freiwilligkeit 20 Stunden zu arbeiten und dann aber die Einkommensgrenze zu unterschreiten und Sozialleistungen zu bekommen. Das glaube ich hat er gemeint. 

Er wollte mit Sicherheit nie und nimmer sagen, dass jene Menschen "zu bestrafen sind", die wegen der Kindesbetreuung, nur Teilzeit arbeiten gehen können. Das muss man auseinanderhalten, da es etwas ist, das ganz, ganz wichtig ist, nicht immer alles über einen Kamm zu scheren. Und wir sind auch von der Landesseite in der Pflicht, Kinderbetreuungseinrichtungen zu schaffen, um den Müttern oder Vätern die Möglichkeit einzuräumen Vollzeit arbeiten zu gehen. Weil wenn ich die Möglichkeit hab, die Kinder bestens betreuen zu lassen, dann besteht auch die Möglichkeit, dass ich mehr arbeiten kann. Hab ich die Möglichkeit nicht, muss ich mehr daheim bleiben. Das eine schließt praktisch das andere aus.

Dann nochmals zurück zum Punkt Generationen: Als Landesrätin für Generationen sind Sie nicht nur für die Alten zuständig, sondern auch für die Jungen. Was sind vom Land Tirol zurzeit gegen das Problem, das besonders Jugendliche betrifft, psychische Probleme vorzugehen?

Also Jugendliche haben logischerweise durch die Pandemie schon etwas gelitten, ich weiß nicht, ob Sie das kennen. Das wird von meiner Seite, wir haben neulich die Jugendstaatssekretärin dagehabt, sehr gut angenommen. Ich glaube, dass Tirol mitunter sogar eines der Bundesländer ist, das das Projekt am meisten nutzt. Das ist sicher die eine Seite, wo man Jugendliche unterstützen kann. Mit dem Projekt gesundausderkrise.

Von der anderen Seite gibts auch von der Landesseite viele Möglichkeiten sich zu informieren wenn man Probleme hat. Jugendzentren ist etwas, das wir anbieten. Wir haben das Infoeck der Generationen. Das sind doch einige Angebote, die wir von der Landesseite her fördern. Wir haben auch einige Vereine, Aranäa zum Beispiel. Es gibt sehr viele Möglichkeiten um sich entsprechend die Angebote wie man sie braucht zu holen. Da gibts schon wirklich sehr viele.

Was ist Ihr größtes Projekt als Landesrätin?

Politische Ziele für die Periode. Ich habe ein Regierungsprogramm und an das werde ich mich halten und muss mich auch halten. Denn das haben sich durchaus Menschen ausgedacht, die etwas von der Sache verstehen. Und da werden wir versuchen das umzusetzen. 

Die zusätzlichen Initiativen sind in der Pipeline, aber über ungelegte Eier redet man nicht. Wir sind ja innovativ, wir sind ein junges Team, wir haben auch abseits vom Regierungsprogramm Ideen, was grad passt und was die Leute draußen grad brauchen. 

Und da gibts schon einige, ganz egal ob das im Bereich Arbeit, im Bereich Generationen oder bei Lawinen ist. Da gibts schon sehr gute Ideen, die wir bearbeiten und umsetzen wollen. Sie sind ja aufmerksam und dann müssen sie mit mir reden.

Wegen dem Weltfrauentag wollte ich fragen wie es ist als Frau in der Politik zu arbeiten.

Es ist für mich schon gut gewesen als Frau bei der Polizei zu arbeiten. Es ist auch gut in der Politik zu arbeiten, es braucht ein bisschen einen weiblichen Touch, es braucht an andere Ansichtsweise. Frauen denken oftmals bissi anders als Männer und diese Mischung machts schlussendlich auch aus. Ein bisschen jung, ein bisschen älter. Das ist eine ganz super Mischung das es braucht. Und wenn sie dann reinschreiben in ihren Blog, dass es extrem interessant ist für die Politik zu engagieren und aktiv zu werden. Denn wir brauchen viele junge, kluge Köpfe und viele junge Leute, die sich, wie Sie, politisch engagieren und interessieren. Das ist zu befürworten und sehr zu begrüßen.

Wie kann man Jugendliche mehr für Politik begeistern? 

Generell ist es so dass junge Leute vielleicht schon generell durch das Reden untereinander und durch die Schulen und ihr konsumierts ja sehr viel Instagram, Snapchat und Tiktok. Da gibts ja auch sehr viel zu lesen. Diese Möglichkeiten sollte man nutzen, um sich gemeindepolitisch, landespolitisch zu engagieren, zu informieren und zu interessieren. Dann kommt man drauf, der Bereich interessiert mich mehr und der Bereich interessiert mich weniger. So kommt man immer wieder, Step für Step, ein bisschen weiter im Leben und in die Politik hinein.

Ich mache generelle Sprechstunden jeden zweiten Montag und mit mir über Dinge zu sprechen, die ihn oder sie interessieren. Und ich mache sogar eine Jugendsprechstunde. Da machen wir jetzt ein Projekt, wo wir mit Jugendlichen ein Frühstück machen, wo es darum geht, dass man sich vernetzt und zu erfahren was einen interessiert. Wir machen zum Beispiel eine Aktion Müllsammeln mit Jugendlichen. Ich glaube die direkte Nähe, die Scheu verlieren einen Politiker anzusprechen, ist ein weiterführender Punkt um sich zu engagieren und zu interessieren.

Sehen Sie soziale Medien eher als Stütze oder als Segen der Demokratie?

Fluch und Segen ist das social Media. Weil social Media ist immer auch mit Anonymität verbunden und da spricht man sich viel leichter als von Angesicht zu Angesicht und wenns um Mobbinggeschichten geht, tut man sich da viel leichter als wenn ich jetzt dir gegenübersitze. Auf der einen Seite ist es gut weil sich junge Leute viel informieren und auch viel gescheites erfahren, aber auf der anderen Seite ist es auch bedenklich weil man als Jugendlicher extrem viel am Handy hängt. Fake News poppt da auch immer wieder auf. Da muss man abwägen können was wahr ist und was nicht und wie weit ich mich da einlassen kann um das nicht in die andere Richtung ausschlagen zu lassen.

Als Landesrätin für Jugend können Sie es sicher beurteilen: Was ist das größte Problem der Jugendlichen in Tirol? Und was können Sie oder auch die gesamte Landesregierung dagegen tun?

Also in erster Linie ist es wichtig: Jugendliche prägt man ja und die wachsen auf. Und in erster Linie ist es ganz wichtig diese soziale Prägung eine gute ist. Da bin ich mir ganz sicher. Was mir ganz wichtig ist, dass man Jugendliche für ein Ehrenamt motiviert, auch von der Landesseite. Dass wir versuchen bspw. für die Jugendfeuerwehr, die Schützen oder die Musik Jugendliche lukrieren und das Ehrenamt hochheben lassen. Da pflegt man viele soziale Kontakte, da ist man gut aufgehoben, da lernt man ein bisschen die Umgebung kennen. Ich glaube dass das ein riesiges Potenzial ist, was wir da haben. Wir müssen es schaffen dass wir viele, viele Jugendliche dafür motiviert. Weil das ist für die Gesellschaft ganz wichtig aufrecht zu erhalten und es ist die beste Prävention um das abgleiten auf die falsche Bahn zu verhindern. Das ist mein größter Wunsch für die Ehrenämter zu motivieren. Das ist ganz wichtig, die Tiroler Tradition.

Danke fürs Interview!

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