Interview mit Andreas Kröll

Andreas Kröll ist Bürgermeister von Finkenberg. Ich konnte mit ihm ein Interview führen.

(C): Andreas Kröll

Dann möchte ich Sie zunächst herzlichst zum Interview begrüßen und gern ein bisschen was über Sie als Person erfahren: Warum haben Sie sich entschieden in die Politik zu gehen und was wären Sie geworden, wenn nicht Politiker?

Ich bin ja Landwirt und Hotelier in meinem Brotberuf und hab mich immer schon sehr für Politik interessiert, weil wir immer schon in diesem Hause seit 400 Jahren und vielen Generationen in Finkenberg wohnen. Und natürlich ist mir das wichtig, dass es in Finkenberg Zukunft gibt. Wir haben Kinder, wir haben dann Enkelkinder und somit ist das für uns wichtig, dass es in Finkenberg weiter geht und sich der Ort entwickelt. Das war für uns wichtig, das war die Intension damals als ich noch jung war. So ist das dann immer weiter gegangen. Ich hab mich dann früh schon sehr interessiert für Kommunalpolitik und Tourismuspolitik und die Entwicklung des Ortes. Und dann 2010 hat es mehr oder weniger Sachen gegeben, wo man im Ort nicht zufrieden war, als Bestand der Gemeindepolitik. Und wenn man nicht zufrieden ist in der Gemeindepolitik, dann ist das das beste, das man sich selbst einbringt. Und dann haben wir uns als Gruppierung, die hat frischer Wind geheißen, haben wir uns dann der Gemeinderatswahl gestellt und sind dann gleich mit 3 Mandaten gestartet, der andere war Olympiasieger in meiner Gruppierung, und der Tobias Fankhauser. Dann haben wir auf Anhieb mit 3 Mandaten gestartet und daraufhin auch den Vizebürgermeister 2010 gestellt und bin dann 6 Jahre Bürgermeister-Stellvertreter gewesen und dann hab ich mit der gleichen Gruppierung 2016 gestartet und bin dann auch mit einer großen Mehrheit zum Bürgermeister gewählt worden und mit 6 Mandaten im Gemeinderat. 

Wenn Sie eine Superkraft haben könnten, die Ihnen im politischen Alltag hilft, welche wäre es?

Im Prinzip ist das die ganze Bürokratie, die wir haben im ganzen Baugeschehen bisher, speziell in der Gemeinde aufgrund der Knappheit und der Teuerung des Grundes  abgehandelt werden muss. Da muss man sich auch auf Expertisen einlassen, weil sonst hat man da wirklich Probleme. Selbst ist man nicht Fachmann, was das Baugeschäft anbelangt, und da muss man sich ganz, ganz wichtig verlassen können auf die Aussage des Bausachverständigen und der Raumordnung und so weiter, die dann vom Land geprüft wird. Das sind die wichtigsten Personen, denke ich als Bürgermeister. Daher wäre meine Superkraft Experte im Baugeschäft zu sein. Denn die ganze rechtliche Baugeschichte abzuwickeln ist in der Gemeinde das wichtigste, weil der in unserer Gemeinde der größte Part ist. 

Was würden Sie als Ihren bisher größten Erfolg bezeichnen?

Wir haben ja einen tollen Gemeinderat gehabt in der ersten Periode, da haben wir sehr viele Objekte umsetzen können, weil wir einfach zu 95% einstimmig Beschlüsse gefasst haben. Das ist glaube ich das wichtigste. Dass man einstimmig Beschlüsse fasst und was weiter bringt in der Gemeinde. Das Gegenteil ist, dass man um jedes Objekt nur um Biegen und Brechen durchbringt, weil es verschiedene Meinungen gibt. Natürlich nicht sehr ideal. In unserem Fall war es sehr zufriedenstellend und erfolgreich, weil wir da sehr viele Projekte, die auch in die Millionen gegangen sind, in den letzten 6 Jahren umgesetzt haben. 

Als nächstes würde ich gerne über ein paar politischere Themen sprechen: Ich habe gelesen, dass es 4 Elektrobusse von Tux nach Finkenberg gibt. Wie kann man aber jetzt für Finkenberg einen frischen Wind in den Verkehrssektor bringen?

Wir sind ja, wir haben vor Corona, beschlossen, dass dieses Wasserstoffkonzept im Zillertal kommen muss, kommen soll. Und dass aus umwelttechnischen Gründen es eine Veränderung geben soll bei der Zillertalbahn, vorausgesetzt ist der Bahnhof in Mayrhofen. Von dort ausgehend sollte das ganze Zillertal mit einem Wasserstoffzug betrieben werden und die Idee war entstanden das relativ schnell umzusetzen. Da hat es auch im Tourismusverband eine Einigkeit darüber gehabt, dass wir in den 4 Verbänden das auch finanzieren könnte. Mittlerweile ist dann Corona inzwischen gekommen und da hat es dann verschiedene Meinungen gegeben, ob das der richtige Weg ist oder nicht. Meiner Meinung nach ist das schon der richtige Weg, auch wenn Wasserstoff ein bisschen neu ist im Tal ist alles gescheiter als Oberleitung und und und. Und wenn das dann stattgefunden hätte mit dem Bahnhof und des vielleicht dann kommt dann ist das Verkehrskonzept so, dass es Halbstundentakte von Mayrhofen bis Tux geben würde, und wir müssen schauen, dass wir nicht noch mehr Autos ins Tal hinten rein bringen. Wir haben die Parkflächen zu Genüge, wir müssen schauen für die Zukunft, dass wir die öffentlichen Verkehrsmittel ordentlich ausbauen und dann das hinbringen, dass der Gast vielleicht sogar vom hohen Norden mit dem Zug anreist und nicht mit dem Auto. Auch wenn wir eine zweite Straße bauen würden, ist das meiner Meinung nach, nicht der richtige Weg, weil wir im Tal drin einfach die Fläche nicht mehr haben und im Verkehr ersticken würden. Daher müssen wir die Öffentlichen ausbauen und da haben wir die Möglichkeit mit Zug und Bus und die Seitentäler vielleicht noch autofrei zu machen und die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu befahren. Das ist meiner Meinung nach der richtige Weg.

Was haben Sie da bisher umsetzen können?

Ja das ist das. Diese Projekte gehen ja nur gemeindeübergreifend, die kann man nicht als einzelner Ort oder Bürgermeister für sich allein entscheiden - Gemeindeübergreifend, teilweise über den Planungsverband, übers Tal, werden diese dann beschlossen. Man kann nur die eigenen Probleme im Ort einbringen. Wenn wir nur die Linie von Mayrhofen bis Tux hernimmt, dass man die ordentlich taktet und die an den Zug in Mayrhofen ordentlich angeschlossen ist und die wiederum in Jenbach dann an die ÖBB. Da kann man einfach die Meinungen einbringen und auf eine Schiene bringen, dass das für die Zukunft einfach passt. 

Wie kann man frischen Wind in die Digitalisierung in Finkenberg bringen?

Digitalisierung ist seit Jahren bei uns ein großes Thema. Und wir sind schon vor Jahren mit dem Glasfasernetz im Zillertal auf diesen Zug aufgesprungen, das der Planungsverband betreibt. Wir haben in Finkenberg schon fast alle Projekte am Netz hängen, aber es ist bei allen schon baulich möglich. Und das ist für Hotelbetriebe, Gewerbebetriebe, Betriebe, die die Digitalisierung brauchen, das einzige Thema. Die Notwendigkeit ist einfach da.

Wie sehen Sie die Zukunft vom Tourismus? Glauben Sie an ein weiter so oder sollte man radikal umsteuern?

Also ich denke radikal umsteuern muss man nicht, aber die Coronazeit hätte eine Wende möglicherweise einleiten können. Dass wir ein bisschen vom Massentourismus weggehen und einfach auf Qualität setzen und nur mit Qualität werden wir das Tal ordentlich verkaufen können. Denn mit der Masse stehen wir irgendwo an. Wir haben ein enges Tal, wir haben 34.000 Einwohner und 60 Gästebetten. Da gibt es nach oben hin nicht mehr viel Luft. Wir haben aber eine tolle Infrastruktur, eine tolle Landschaft und tolle Betriebe. In Finkenberg haben wir einen Leitbetrieb als Aushängeschild, dass das nur mit Qualität geht. Und wenn man Qualität bietet, dann kann man auch zufriedenstellen, den Mitarbeiter ordentlich entlohnen, und dann wären wir besser aufgestellt als mit der Masse, die billig verkauft wird. Das ist meines Achtens nicht der richtige Weg.

Gibt es in Finkenberg eigentlich Korruption?

Nein, da muss ich sagen nein. *lacht*

Was kann man für mehr Transparenz tun?

Wir sind schon sehr transparent mit den heutigen Medien. Es gibt heute ganze social Media Kanäle, Newsletter und die Homepage. Wenn man heute was wissen will, hat man innerhalb von ein paar Minuten jede Information. Und einmal im Jahr haben wir eine Gemeindeversammlung, wo jeder die Möglichkeit hat sich zu äußern, Wünsche zu äußern, aber auch Kritik zu bringen und somit sind wir transparent nach außen. Durch die social Media Kanäle zu den Bürger*innen, zum Tal und zur ganzen Welt eigentlich. Direkt von der Gemeinde haben wir keine Vernetzung, aber alles andere wird durch uns und unsere Mitglieder weitergeleitet. Weil wir sind so transparent mit Newsletter, Homepage und Gem2Go und alles. Wenn man social Media richtig betreibt, muss man das intensiv betreiben. Des is Arbeit und nit ganz s wichtigste für eine Gemeinde.

Wir haben 1420 Einwohner, wo jeder jeden kennt. Die Bürger wissen, wo der Bürgermeister zu erreichen ist, ich bin täglich am Vormittag in der Gemeinde, ich bin auch fast 24h im Hotel erreichbar. Finkenberg ist eine Gemeinde, wo alles überschaubar ist und der persönliche Kontakt schon möglich ist. Was in einer großen Gemeinde wie Innsbruck schwieriger ist.

E-Fuel oder E-Auto? 

Ich bin schon offen für neues, ich muss das nur skeptisch angehen, die E-Autos, weil mir die Idee fehlt, wie das am Stromnetz weitergehen sollte, wenn bis 2035 alles auf E-Autos umstellt. Wo kriegen wir die Leistung her? Wie verteilen wir die Leistung?

Denn wir stehen jetzt, 2024, fast an der Wand mit dem Netz an der Verteilung in ganz Tirol.

Die Netzverteilung ist jetzt schon ein Problem. Wie kriegen wir das hin, wenn wir das alles umstellen, mit Photovoltaik? Netztechnisch ist das für mich eine riesige Herausforderung. Und ich frage mich wie das funktionieren soll. Und ich frage mich wie das funktionieren soll, wenn man Strom produzieren. Im Tal haben wir Wasserkraft, aber das hängt alles am großen europäischen Netz. Weil wir in der Gemeinde ein Kraftwerk haben, kann ich nicht sagen, dass wir genug Strom haben. Das ist nicht die richtige Aussage, das wird europaweit verteilt.

Ohne Verbrennungsmotor wird es 2035 nicht funktionieren, weil es laut heutigem Stand nicht möglich ist. Das ist für mich nicht nachzuvollziehen, da brauch ich wahrscheinlich noch viele, viele Informationen und Überzeugungen, dass ich sagen kann, dass es der richtige Weg ist.

Wie man das in 10,20 Jahren hinbringen, ist die Frage. Da müssen wir Wasserkraft in den Bergen zulassen, Strom zulassen, weil wir den Strom erzeugen. Sicher wird es zusätzlich Windkraft und Photovoltaik geben. Die Frage ist aber wie wir den Strom produzieren und wie wir dann die Batterien entsorgen. Denn die Entsorgung ist auch noch nicht ganz geklärt.

Beim Klimaschutz: Verbot oder Innovation? 

Innovation, Klimaschutz ist in Ordnung. Wie wir wissen, gibt es auf der Welt ein Problem. Wir haben ja die Beweise. Nur habe ich zu dem ganz kurz dazu noch ein Gespräch gehabt mit einem interessanten Glaziologen und der hat gesagt: Vor 5800 Jahren war es wärmer als jetzt. Da hat es weder Auto noch Flugzeug gegeben.

Sicher ist der Mensch auch ein kleines bisschen Schuld am CO2-Ausstoß.

Ein kleines bisschen. Nur 100%...

Der Mensch hat sicher Schuld am CO2-Ausstoß, aber es hat auch wärmere Temperaturen gegeben wie heute.  

Aber keine Frage, man muss dran arbeiten am Klima und was uns möglich ist, werden wir sicher dazu tun, um das einzudämmen.

Wiener Schnitzel oder Zillertaler Krapfen?

Ich denk, das Wiener Schnitzel ist für einen Gast aus Hamburg oder Bayern natürlich herzlich willkommen. Der freut sich, wenn er ein richtiges Wiener Schnitzel aus Kalbsfleisch genießen kann, der Gast. 

Der Einheimische freut sich über einen Krapfen fast jedes Wochenenede. Und das macht man daheim so wie früher. Da hats den Krapfen jede Woche gegeben, auf den Höfen. Durch das, dass die Leute heutzutage nicht mehr so intensiv kochen, ist der Krapfen, wenn man ihn irgendwo kaufen kann, sehr, sehr beliebt.

Mir persönlich ist der Krapfen genauso lieb wie das Wiener Schnitzel.

Künstliche Intelligenz oder ein Zusammenspiel von Mensch und Maschine?

Ja, das ist jetzt nicht ganz mein Thema, muss ich sagen. Aber die künstliche Intelligenz ist jetzt nicht ganz das entscheidungskräftigste, das liegt eine Stufe höher.

Es wird die Zeit nicht stehen bleiben, Gott sei Dank gibt es da intelligente Leute, die das entwickeln und wir werden da natürlich nicht irgendwo sträuben, wenn es eine Erleichterung ergibt und Menschen einspart, die man eh nicht mehr kriegt, ist das sicher zu forcieren, so gut es geht.

Wirtschaftsbund oder Bauernbund?

Also ich bin beides, ich könnt jetzt nicht sagen, was besser oder schlechter ist.

Der Wirtschaftsbund ist wichtig für die Entwicklung im Land Tirol. Ohne Wirtschaft wird es allgemein schwierig. Gehts der Wirtschaft gut, gehts uns allen gut. Das ist ein Motto, das hört man schon viele Jahre.  Wenn es der Wirtschaft nicht gut geht, hat der Arbeiter Probleme Arbeit zu kriegen.

Und der Bauernbund ist wichtig, denn die Landwirtschaft als solches ist schwierig allein zu bewirtschaften. Das muss man klipp und klar sagen. In den Seitentälern hat man es ganz, ganz schwierig. Aber natürlich ist der Bauer ein Landschaftsschützer, was dann auch für die Wirtschaft wichtig ist.

Beides in einem ist glaube ich die richtige Mischung, ich red mal vom Zillertal, für den Tourismus und das Wohnen, das lebenswerte Wohnen, das wir im Zillertal eigentlich haben.

Ihre Vision für Finkenberg 2028:

Es ist so, wir haben die letzten Coronajahre einen Dämpfer bekommen und gesehen, dass es auch anders ginge. Vorher jemandem zu erklären, dass das Tal für mehr als 1,5 Jahre gesperrt würde. Das ist mit Unterstützungen dann möglich gewesen die Betriebe und das ganze Wirtschaftsleben aufrechtzuerhalten. Ich wiederhole mich noch einmal: Es hätte eigentlich einen Ruck geben, dass man was das Wachstum anbelangt, etwas anders zu denken. Meine Vision ist das zu erhalten, was wir haben, die Familienbetriebe, dass ausländische Investoren nicht diese Betriebe kaufen. Denn die Familienbetriebe unterstützen und motivieren in der Familie, dass sie weitermachen. Denn man hat mit einer Familie, die man natürlich kennt, man weiß, wie die Arbeit im Betrieb läuft, mehr Sicherheit im Betrieb hat als wenn ausländische Investoren kommen. Dann weiß man nicht, wie der Geschäftsführer drauf ist und man weiß nicht was passiert. Der Wunsch ist, dass das so weitergeht und sich im Ort auch qualitätsmäßig entwickelt. Das ist eigentlich meine Vision.

Danke fürs Interview!

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