"Eine Paradegeschichte des amerikanischen Traums," - Rezension "The Greatest Showman"

 Das Kino greift nicht nur neue Ideen auf, sondern arbeitet auch Geschichten aus der Geschichte in modernem Licht auf. Eine solche künstlerische Herausforderung nahm der Regisseur Michael Gracey an, als er sich dazu entschied das Leben von Zirkuspionier P. T. Barnum im 19. Jahrhunderts im Jahr 2017 zu veröffentlichen. Eine Paradegeschichte des amerikanischen Traums, die Suche nach Anerkennung und das Streben nach Spektakulärem und Neuem.

(C): IMDB

Im Musical-Thriller "The Greatest Showman" finden wir uns in einer Welt wieder, die von Gracey und seiner Crew, darunter Hugh Jackman, Zac Efron und Zendaya, mit großer Sorgfalt und Leidenschaft zum Leben erweckt wird. Der Film erzählt nicht nur wie P. T. Barnum seine Zirkusshow aufbaut, sondern taucht auch tief in die Persönlichkeiten ein.

In dieser fesselnden Darstellung des Lebens von P. T. Barnum erleben wir den Aufstieg eines Mannes aus bescheidenen Anfängen, der durch Naturkatastrophen in die Arbeitslosigkeit gedrängt wurde, zu einem Pionier des Unterhaltungsgeschäfts. Barnum, mit einer Vision für das Außergewöhnliche, gründet ein Museum voller Kuriositäten, das anfangs als zu wenig lebendig kritisiert wird. Daraufhin engagiert er besondere Menschen und organisiert eine Show, die so spektakulär ist, dass sie sogar die Aufmerksamkeit der englischen Königin auf sich zieht.

Die Geschichte ist eine beeindruckende Achterbahn der Emotionen, die die Zerbrechlichkeit des Erfolgs und die Kraft der Entschlossenheit thematisiert. Es ist eine Hommage an den kreativen Geist eines Mannes, der das Unterhaltungsgeschäft revolutionierte und zeigte, dass mit Mut, Innovation und dem Glauben an das eigene Schaffen, selbst die unwahrscheinlichsten Träume Wirklichkeit werden können.

Eine inspirierende und tiefgreifende Aufarbeitung der Biografie des echten P.T. Barnum ist ein unwahrscheinlicher Traum in diesem Film. Denn grundsätzlich ist Barnums Biografie schon inspirierend. Vom Sohn eines Teppichhändlers zum Zirkuspionier, "Vater der Shows", dem man den Teppich ausrollt. Eine Biografie, die man auch als Formel hernehmen könnte: Man sollte sich einfach mal was trauen und schauen, was passiert. Diese Erzählung könnte jedoch noch tiefer gehen. Denn der echte Barnum war ein rigoroser Geschäftsmann, der log, bis sich die Balken bogen, und sogar eine alte Dame als 161-jährige Krankenschwester George Washingtons zu vermarkten wusste. In die Geschichte ging er ein als ein Buch voller offener Fragen, auch hier wird er so gezeigt. Viele offene Fragen über ihn bis zum Ende. Möglicherweise war es daher aufgrund der historischen Figur auch die Idee ihn als den Menschen zu zeigen, an den man sich erinnert. Ein Mann voll Fragen. Eine interessante Brücke lässt sich hier zur Inszenierung schlagen. Wenn man schon beim Thema Geschichte ist, bleibt trotz aller Ungenauigkeiten und Schwammigkeiten der historische Flair erhalten. Und das aufwendig, mit Kostümen und einem Set, bei dem man meinte, man wäre durch die Zeit gereist. Dieser Aspekt fügt sich nahtlos in die Betrachtung der Zirkuswelt ein. Jedoch störte mich etwas, dass er nur aufgrund des Zirkusses berühmt wurde. Und über die Mitglieder;innen des besagten Zirkus erfährt man kaum etwas. Es ist viel zu Barnum samt Familie fokussiert. Und die Mitglieder:innen, die gesellschaftlich als Freaks gesellschaftlich gelten, werden bei Barnum auch als solche behandelt. Mir hätte da besser gefallen, wenn man einen vernünftigen Umgang gezeigt hätte und auch etwas mehr über die Zirkusmitglieder:innen erfahren hätte. 

Denn trotz mangelnder Story hat der Film einige starke Szenen. Eine Szene, die mir besonders in Erinnerung geblieben ist, ist die Eingangsszene. Denn der erste Satz ist wahnsinnig stark: "ladies and gentlemen this is the moment you have been waiting for" und anschließend gleich die Show. Oder dass Barnum seinen Assistenten ohne zu zögern aus dem brennenden Showgebäude holt und dann anschließend mit gesamter Crew vor dem niedergebrannten Gebäude zu stehen. 

Und da es ein Musical ist, hat es nicht nur Story und starke Szenen, sondern auch Musik. Für ein Musical ist die Musik eigentlich prinzipiell gut. Jedoch hat dieses Musical als Handlung das Anderstsein und Probieren. Das sehe ich bei der Musik leider überhaupt nicht erfüllt, denn es klingt zu sehr nach 0815-Musik.

Trotz aller historischer Ungenauigkeiten und co ist der Film dennoch empfehlenswert. Besonders wenn man die Story nicht zu sehr hinterfragt ist es ein gut gemachter Film mit vielen hervorragenden Szenen. Denn der Film überzeugt besonders durch seine Szenen und nicht durch seine Story. Für die Story eines aufstrebenden Showmachers, der besonders mit dem Stilmittel des Spektakulären und des Anderen arbeitet, ist nämlich die Story zu formelhaft. Er wird gekündigt, baut sich was auf. Dann ist er jedoch allein und fängt dann noch einmal, erfolgreicher, mit vielen anderen gemeinsam an. Aufgrund der Differenz zwischen der Qualität der Story und dem Thema, bekommt der Film von mir 3/5 Sterne. Denn die Effekte und die Musik sind an und für sich schon gut, jedoch für einen Film, der vom anders sein handelt, nicht geeignet.

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