"Sobald die Politik Dialog anbietet, beschäftigen sich die Leute auch damit" - Interview mit Florian Gartlacher
Florian Gartlacher ist Bürgermeister von Terfens. Ich konnte mit ihm ein Interview führen.
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| ©: www.terfens.at |
1. Zunächst möchte ich Sie herzlichst zum Interview begrüßen und etwas über Sie als Person erfahren: Was würden Sie als Ihren bisher größten Erfolg werten?
Gartlacher: Der großartigste Erfolg ist, wenn man akzeptiert wird von seinen Mitmenschen, die einen gut kennen.
2. Was sind Ihre Pläne als Politiker und Privatperson für 2023?
Gartlacher: 2023 ist mein zweites Jahr als Bürgermeister von Terfens. Da bauen wir das Bildungszentrum neu, erweitern die Fernwärme nach Neu-Terfens. Das sind sicher die zwei großen Dinge, die mich in diesem Jahr maßgeblich beschäftigen werden. Wir haben Ausgaben in zig Millionen Höhen für die nächsten 2 Jahre. Das sind Beträge, die für Terfens eine große Sache sind. So etwas hatten wir noch nie, aber wir haben große Sachen vor, für die Kindeserziehung, gegen das Klima. Denn das sind Themen, wo wir einen Schritt in die richtige Richtung machen.
3. Wie ist es als 1. Person aus dem Ortsteil Vomperbach Bürgermeister von Terfens zu sein?
Gartlacher: Vomperbach ist von diesen 8 Ortsteilen der größte und es ist auch klar, dass ich ohne das Ergebnis in Vomperbach nicht Bürgermeister geworden wäre. Das wäre sich sonst nicht ausgegangen. Der Vomperbacher-Wahlsprengel hat zu diesem Ergebnis maßgeblich beigetragen, auch wenn ich zuerst nicht damit gerechnet habe, da ich zuerst keine Bürgermeisterkandidatur angestrengt habe. Erst als der Altbürgermeister sagte, er werde nicht wiederkandidieren, ist bei uns in der Liste eine Dynamik entstanden. Aber die eigene Aussicht war nicht groß auf den Bürgermeistersitz. Denn man hat gedacht, dass man aus Vomperbach eher mit schlechten Chancen dasteht, dennoch aber immer damit kalkulieren sollte, dass für den Fall der Fälle alles vorbereitet ist. Und diese Weichen habe ich im Vorfeld gestellt und dann ist es auch gelungen und es macht Spaß.
4. Wie sind Sie in die Politik gekommen?
Gartlacher: Das hat schon angefangen in der Schule, in der HTL-Innsbruck. Damals gab es den Jugendlandtag und ich nahm auch am Jugendredewettbewerb teil und das war alles für mich dort schon interessant. Das hat mich schon in den frühen Jahren interessiert und das hat der Altbürgermeister Schallhart-Oswald mitgekriegt und daher hab ich hinter ihm am zweiten Listenplatz 1998 kandidiert.
5. Als nächstes möchte ich gerne mit Ihnen über ein paar politische Themen sprechen: Wie kann man Terfens fit für die Digitalisierung machen?
Gartlacher: Das hat Gott sei Dank schon mein Vorgänger angefangen. Die Digitalisierung in Terfens ist so, dass wir in den ganzen Ausbaugebieten selber den LWL verlegen. Wir haben schon großflächig verlegt, aber es fehlen noch kleine Lückenschlüsse. Aber im Großen und Ganzen haben wir die ganze Gemeinde mit LWL versorgt, da sind wir schon fortgeschritten, da fehlt nicht mehr viel. Wir graben alle Straßen auf, setzen den Lichtwellenleiter rein und jedes Haus, das einen Zugang möchte, bekommt auch einen ins Haus verlegt und kann einen von drei Betreibern wählen, die einem zur Verfügung stehen. High-Speed-Internet haben wir in den Häusern, wenn Sie es wollen.
6. Wie kann man Terfens fit für den Klimaschutz machen?
Gartlacher: Da machen wir momentan folgendes: Das Bildungszentrum wird klimaaktiv gebaut. Vor Baubeginn sind wir dabei die Zertifizierung klimaaktiv anzustreben und möglichst natürlich bauen. Dadurch hoffen wir den klimaaktiv Status zu erreichen. Das werden wir auch schaffen, die Frage ist nur, ob wir Bronze, Silber oder Gold schaffen. Silber sollte sich eigentlich ausgehen.
Das Gemeindeamt selbst hat schon eine PV-Anlage, wir werden heuer noch weitere auf Gemeindegebäude bauen.
Was wir noch machen werden: Einen zentralen Fahrdienst mit Terfens mobil einrichten, wo man sich untereinander Autos verleihen kann. Dementsprechend stricken wir auch das Nahverkehrsnetz um. Dadurch wollen wir, ich in Zusammenarbeit mit den Bürgermeistern der Nachbargemeinden, die Parkplätze an den Bahnhöfen entlasten.
Weiters wird ab 2025/26 der Öffentliche Nahverkehr in einem besseren Takt fahren.
Damit sollten wir da auch ein bisschen den Autoverkehr wegbringen und unseren Beitrag zum Klimaschutz leisten.
7. Wie kann man Terfens fit für die Teuerung machen?
Gartlacher: Was wir jetzt gemacht haben ist, dass wir die Gebühren von Müll und die Kinderbetreuungseinrichtungen nicht erhöht haben, um bei der Bevölkerung zumindest gewissen Druck rausnehmen. Wir haben bei allen Straßenbeleuchtungen und bei allen Gebäuden der Gemeinde für gewisse Zeiten das Licht abgeschaltet. Jetzt haben wir auch schon die ersten Abrechnungen für Gas von einem Stromversorger bekommen. Terfens hat 2 Strom- und Energieversorger. Der eine hat schon abgerechnet, der andere kommt noch. Wir haben durchwegs gar nicht wenig Geld zurückbekommen und Energie eingespart. Doch jetzt wird es uns diese Ersparnisse wieder auffressen, da alles so teuer wurde. Aber in absolutem Energieverbrauch sanken wir im Vergleich zum Vorjahr. Denn wir haben da auch sehr viel gemacht: Wir schalten die Straßenlaternen später ein, wir schalten sie früher aus. In den Gebäuden laufen die Lüftungen bedarfsgerechter als früher. Dadurch haben wir momentan eine Ersparnis von 10.000€, das wird aber noch mehr.
Als ich am Anfang die ersten Stromrechnungen abgesegnet habe, habe ich gesehen, dass die Gebäude so unterschiedlich im Verbrauch liegen. Da bin ich hingefahren und hab mir die Gründe dafür selbst angeschaut und der Verbrauch niedergedrückt. Beispielsweise die Volksschule Vomperbach hat einen hohen Energieverbrauch wegen der Lüftungsanlage. Geringerer Energieverbrauch ist nicht sowohl besser für den Klimaschutz als auch für die Teuerung.
8. Wie kann man Terfens fit für die Transparenz machen?
Gartlacher: Es gibt in unserer Gemeinde einen eigenen Transparenzausschuss, den wir jetzt eingerichtet haben. Schon lange sind wir nämlich auch bei der Gemeindedatenbank dabei. Das nennt sich offener Haushalt.
Zurzeit gestalten wir die Homepage neu und berücksichtigen alle Richtlinien zur Transparenz, wo man die Gleichbehandlung der Menschen rauslesen kann.
Da wir am Transparenzranking der Gemeinden aktiv werden wollen, haben wir auch die Gemeinderatsprotokolle online öffentlich verfügbar gestellt.
Problematisch ist hier kein Internetzugang. Denn mit Internet kann man schon viel Abrufen. Im Gemeindeamt bekommt man die gleichen Informationen auch, man muss jedoch gezielt fragen. Doch für einen einfachen Abruf der Dateien sind wir dabei eine Online-Dienst-Station zu erreichen.
Zuvor gehen wir den Weg Richtung Gemeindeapp Gem2Go, dass sich jeder die Gemeinde aufs Handy holen kann und installieren dann eine öffentliche Online-Dienst-Station.
9. Zu guter Letzt möchte ich gerne mit Ihnen über ein paar Themen sprechen, die besonders Jugendliche interessieren: Was ist Ihrer Meinung nach das größte Problem von Jugendlichen? Wie entgegnen Sie dem politisch?
Gartlacher: Das Jugendproblem wurde durch Corona vakanter. Bei uns in der Region mangelt es an Abendveranstaltungen. Die Sport- und Freizeitbeschäftigung sehe ich immer sehr positiv. Die Radstrecken werden jetzt immer wieder ausgebaut, in der Weißlahn treffen sich Jugendliche gern. Denn die Jugendlichen brauchen auch einen Platz, wo wir als Bürgermeister und Bürgermeisterinnen aus dem Bezirk gemeinsam schauen.
10. Was ist Ihr Rat für Schüler*innen nach der Matura?
Gartlacher: Wichtig ist, dass man das macht, wo man Spaß hat. Das ist wichtiger als mit irgendwelchen Statussymbolen rumzurennen. Wenn man an etwas Spaß hat, geht es leichter.
11. Wie kann man Jugendliche mehr für Kommunalpolitik begeistern?
Gartlacher: Die Frage ist, wie stark die Politikverdrossenheit allgemein ist. Oft bekommt man von Daheim auch Interesse und Lust mit. Vor Jahren gab es die Jungbürgerfeier, die man selbst organisierte und dadurch Einblick in die Kommunalpolitik bekam. Sobald die Politik Dialog anbietet, beschäftigen sich die Leute auch damit.
Vielen Dank fürs Gespräch!

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