„Ein Mindestlohn ist an sich gut“ - Interview mit Christoph Schneider

Christoph Schneider ist Gemeinderat der NEOS in Breitenbrunn und Landessprecher der NEOS Burgenland. Ich konnte mit ihm ein Interview führen.

©: https://burgenland.neos.eu

Hiermit möchte ich Sie herzlichst zum Interview begrüßen und zunächst ein bisschen was über Sie als Person erfahren: Warum sind Sie zu NEOS gegangen?

Das ist schon lang gewachsen. Neos ist mir relativ gleich bei der Gründung aufgefallen, damals als es der Matthias 2012 gegründet hat. Ich habe es damals immer wieder verfolgt und mir damals schon vorstellen können aktivistentechnisch mitzuarbeiten. Ich bin dann auch 2016 nach Wien umgezogen, war dann mal kurz bei einem Stand mit dabei, hab ein bisserl mitgeholfen und mir gedacht, dass das sicher mehr der Fall wird. Es hat sich dann aber nicht wirklich ergeben und dann ist das politische Geschehen so passiert, wie es passiert ist. 2017: Kurz das erste Mal Kanzler – mit der FPÖ. Das hat mich schon sehr gestört, dahingehend war mein Unmut schon sehr groß, dagegen etwas zu tun. Und Ibiza hat das ganz erst so wirklich losgetreten. Ich habe dann wieder versucht Kontakt aufzunehmen, hat aber nicht wirklich funktioniert. Dann ist das ganze losgestoßen worden mit einer Stellenausschreibung von NEOS Burgenland für Regionalkoordinator. Und so bin ich dann effektiv zu NEOS gestoßen, hab mich dort beworben und es hat gepasst.

Es ist aber nicht nur der große Unmut jetzt auf der großen politischen Ebene, sondern auch in meiner Heimatgemeinde im Burgenland, wo die Gemeinde zwar gut dasteht, aber besser dastehen könnte und auch dort hat mich einiges immer gestört, weil die etablierten politischen Parteien nicht fähig waren das zu behandeln. Da wollte ich frischen Wind reinbringen. Und so ist das entstanden.

Was würden Sie als Ihren bisher größten Erfolg bezeichnen?

Definitiv letztes Jahr im Oktober, als wir in meiner Heimatgemeinde bei der Gemeinderatswahl erstmals antraten und auf Anhieb von 0 auf 16,6% hochgeschossen sind und 3 Mandate geholt haben. Davor hat es NEOS in Breitenbrunn nicht wirklich gegeben, das war so gegründet und ab in den Gemeinderat und den Gemeindevorstand. Das war definitiv der größte Erfolg bis jetzt.

Als nächstes möchte ich mit Ihnen über ein paar politischere Themen sprechen: Wie kann man außerparlamentarisch eine liberale Kraft sein? Denn im Burgenland ist ja der Fall, der dass die Grünen die einzige nicht-Altpartei im Parlament sind?

Wir haben sehr viel Herausforderungen. Denn wir als NEOS sind eine Partei, die im urbanen Raum stärker sind. Und das Burgenland ist das kleinste und am wenigsten urbanste, unsere Landeshauptstadt hat nicht einmal 15.000 Einwohner. Wie kann man dennoch arbeiten? Als liberale Partei mit den Medien und viel mit Petitionen. Nach jahrelanger Arbeit, mit einer Petition vor 2020, haben wir das Thema Wahlkampfkostenobergrenze begonnen in den Landtag aufzunehmen, nun wurde sie in die Tagesordnung einer Landtagssitzung aufgenommen. Sie ist schon sehr weit und wird wahrscheinlich dieses Jahr noch umgesetzt werden. Auch außerparlamentarisch kannst du gute Themen aufnehmen. Jedoch dauert das viel länger, wir haben das Thema schon vor 2020 aufgenommen. Es gibt aber im Burgenland dafür genug Themen, die vielen Landesgesellschaften, das schlechte Haushaltsbudget, der Neusiedlersee und der öffentliche Verkehr.

Als nächstes würde ich gerne mit Ihnen über ein paar politischere Themen sprechen: Wird der Neusiedler See austrocknen? Was kann man dagegen tun?

Riesenproblem, Riesenproblem. Ich weiß nicht was passiert, aber es gibt historisch sehr gute Aufzeichnungen, die belegen, dass er immer wieder ausgetrocknet war. Ich habe mir schon länger die Jahreszahlen nicht mehr angeschaut. Es ist aber auch nicht so lange her, dass er das letzte Mal ausgetrocknet war und da gab es gute Aufzeichnungen. Es ist ein natürliches Phänomen, dass er austrocknet, ein paar Jahre trocken bleibt und dann wiederkommt. Das ist scheinbar so eine Art Grundreinigung, die der See vornimmt. Dass jetzt sehr viele Existenzen vom See abhängen, finde ich schlimm. Und darum versucht man, das finde ich gut, diese Szenarien, dass das nicht passiert. Ich komme direkt vom Neusiedlersee und weiß wie viel dort der Tourismus wiegt, wie viel Familien dort Betriebe haben und was man auch bedenken muss, dass wenn er als einer der größten Steppenseen Europas austrocknet, dessen Struktur zu Schlamm wird. Es gibt von der letzten Austrocknung Aufzeichnungen, dass die Bevölkerung sehr darunter gelitten hat, schlimme Lungenkrankheiten bekommen haben, die schlimme Lungenkrankheiten bekommen haben von den Mikrofaserpartikeln hier in der Gegend durch die Winde aufgewirbelt wurde. Es ist nicht nur, dass der Tourismus in Mitleidenschaft gezogen wird, sondern auch die Bevölkerung, beispielsweise meine Familie, denn wir leben in Breitenbrunn sehr nahe am See und das gilt es auf jeden Fall zu vermeiden. Das Land tut einiges dafür bezüglich Zuflüsse. Man hat die Bewässerung im Seewinkel sehr stark reglementiert, da die Bauern viel Wasser vom Grundwasser aus dem See abgezogen haben und auch, es gibt da diesen 1er-Kanal Richtung Donau, der wurde sehr dichtgemacht. Da sind schon gute Schritte gesetzt worden, dass weniger Wasser rauskommt. Das Zuführen von Wasser ist nicht gut, denn entweder verändert sich die Natur, die Fischarten und die Vögelbestände, was wiederum andere Arten auf den Tisch ruft oder der See veralgt so stark, dass er nicht gut fürs Bootfahren ist. Der stärkste Hebel wird das Thema Klimaschutz sein, das ist langfristig auch für den See die beste Lösung.

Was kann man gegen die Teuerung im Allgemeinen und einen erhöhten Schokoladenpreis machen?

Hier ist ein Punkt der Mindestlohn, den der Dosko sehr gut aufgenommen hat. Jedoch muss man da immer ein bisschen vorsichtig sein, weil der Mindestlohn die Wirtschaft beschränkt. Derzeit ist es nämlich attraktiver beim Land als bei einer Privatfirma zu arbeiten, das Land zahlt einfach besser. Man sollte aber allgemein schauen dass die Leute viel mehr Geld haben. Man sollte beispielsweise im Hochsteuerland der Lohnnebenkosten, Burgenland, die kalte Progression abschaffen. Ein Mindestlohn ist an sich gut, sollte jedoch durchgängig durchgesetzt werden, um die Löhne nach oben zu setzen und der erhöhten Inflation entgegenwirken. Dass dann eine teurere Schokolade den Menschen nichts ausmacht, da die Löhne mitsteigen. Es ist auch sehr gut, weil die Menschen besser ihr Geld investieren können, bei Sparzinsen gibt es derzeit fast keine Erträge, die Kreditzinsen galoppieren davon. Man ist fast gezwungen in alternative Investmentmöglichkeiten zu wechseln, ist aber auch eine Chance. Es wird aber nicht wirklich viel daran vorbeiführen, dass man schaut, dass den Menschen mehr Geld überbleibt, statt dass es in zu hohen Abgaben landet.

Zu guter Letzt möchte ich Ihnen gerne noch ein paar Entweder-Oder-Fragen stellen:

Direktwahl der LSV und BSV oder System weiterführen? Direktwahl.

Cannabis oder Wein? Wein, bin a Burgenländer und wir lieben unsere Weine.

Fußball-WM nochmal in Qatar oder Olympische Winterspiele nochmal in China? Weder noch, beides nicht ok.

E-Fuel oder E-Auto? Aktuell tendiere ich eher zum E-Auto und wenn die Technologie, wenn die Batterie noch viel weiter erforscht wird.

Neoliberal oder der klassische Liberalismus? Klassischer Liberalismus.

SPÖ oder ÖVP, mit wem würden Sie lieber koalieren? Aktueller Stand, urschwierig, so wie es jetzt derzeit steht mit beiden nicht so gern, weil beide ihre Hausaufgaben machen müssen. Die ÖVP muss ihre Hausaufgaben machen und sich der Korruption entsagen und das Aufräumen, die SPÖ muss ihre Themen viel klarer positionieren und die Führungsdebatte beenden. Aber wenn ich mich entscheiden müsste, SPÖ, weil in der ÖVP die Korruption übergeht und das zum Sumpf wird.

Vielen Dank für das Interview!

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Schilling: "weil am Ende geht's um die Welt von morgen, die wir heute verhandeln und dort haben wir ein saying"

Interview mit Alexander Gamper: "das wichtigste ist dass es eine friedliche Zeit ist und die friedliche Zeit auch auf der ganzen Welt ist und nicht nur bei uns hier."

Kurzrezension Moriarty The Patriot #1