"wir tragen auch Mitschuld an den klimatischen Entwicklungen“ - Interview mit Dominik Mainusch
Dominik Mainusch ist Landtagsabgeordneter und Bürgermeister von Fügen. Ich konnte mit ihm ein Interview führen.
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| (C): https://dominik-mainusch.at/ |
Politischer Paul: Ich möchte Sie hiermit zum Interview
begrüßen und zunächst gerne etwa über Sie als Person erfahren: Was sind Ihre
Pläne für 2023 als Privatperson und Politiker?
Dominik Mainusch: Für dieses Jahr. Ja als Privatperson habe
ich vor kurzem mein zweites Kind, meine zweite Tochter bekommen, dem widme ich
mich jetzt mal privat, irgendwann auch dem Hausbau, der ansteht. Die Sorgen und
die Prioritäten, die Menschen in meinem Alter haben, habe ich auch: Familie,
Freunde und irgendwann auch das Ziel Eigentum zu schaffen und ein Haus zu
bauen. Als Bürgermeister bin ich kommunal verwurzelt und verankert und arbeite
tagtäglich daran, die kommunale Infrastruktur zu verbessern, aber auch die
Bildungseinrichtungen auf der untersten Ebene in den Gemeinden den Bedürfnissen
der Bevölkerung anzupassen. Und auf Landesebene beschäftigt mich insbesondere
das Thema leistbares Wohnen und die Perspektiven für die künftige Generation.
Politischer Paul: Wie kann man das Amt eines
Landtagsabgeordneten mit dem Amt eines Bürgermeisters vereinbaren? Ist das
nicht zu stressig?
Dominik Mainusch: Natürlich sehr gut, es ist vom
Arbeitspensum deutlich mehr, als wenn man nur eine der beiden Posten bekleidet.
40 Stunden Wochen sind mir fremd, allerdings gibt es schon auch eine tolle
Synergie durch die beiden Funktionen, weil man als Landtagsabgeordneter schon
auch immer die Regionen und Gemeinden mitdenkt und vieles von dem, was man als
Abgeordneter zu entscheiden hat, direkte Ausflüsse auf die Gemeindepolitik hat
und insofern grenzt sich das sehr gut, weil man beide Perspektiven kennt. Vom
Arbeitspensum her ist es schon zugegebenermaßen redlich mehr.
Politischer Paul: Was ist Ihr größter Erfolg im Amt eines
Landtagsabgeordneten als auch als Bürgermeisters?
Dominik Mainusch: Beim Thema Verkehr ist uns einiges
gelungen, wir haben gerade im Zillertal einen Finanzierungsbeschluss für eine
Umfahrungsstraße fixieren können für die Verkehrsinfrastruktur. Wir haben für
die Zillertalbahn die Umstellung auf Wasserstoff so gut wie auf Schiene. Gerade
was das gesamte Kapitel Mobilität angeht, haben wir einiges auf Schiene, leider
noch nicht umgesetzt. Allerdings ist es auch eines der größten Schwierigkeiten
am politischen Bankett, Infrastrukturprojekte umzusetzen, weil sie sehr
zeitintensiv sind und einen langen Atem brauchen.
Politischer Paul: Als nächstes möchte ich mit Ihnen über
ein paar politischere Themen sprechen: Wie schaut die Zukunft von Fügen im
Bereich Digitales aus?
Dominik Mainusch: Wir haben sehr vieles in dieser Frage
schon erledigt, ich habe die gesamte Gemeindeverwaltung digitalisiert. Früher
hat eine Gemeinde alle Akten in physischer Form aufbewahren und verwalten
müssen. Bei uns läuft das mittlerweile komplett digital, das ist eine gewaltige
Erleichterung für die Mitarbeiter im Amt, aber gleichzeitig auch eine
Verbesserung der Serviceeinrichtung Gemeinde, weil die Bürger gleichermaßen von
dieser Einrichtung profitieren. In Summe kommt aber das ganze Thema Smart City,
Smart Village immer stärker daher, es wird auch in den nächsten Jahren eines unsere
größten Herausforderungen sein. Über die Verwaltung hinaus das kommunale Leben
zu digitalisieren. Wir haben begonnen von unserer Wasserversorgung einen
digitalen Zwilling zu erstellen, wir wissen in Echtzeit zu jeder Sekunde wo die
Wasserstände wie hoch sind, was für eine Durchflussgeschwindigkeit unsere
Wasserrohre haben. Das ist mittlerweile zur Gänze digitalisiert. Wir haben das
Fernwärmenetz digitalisiert. Wir sind sukzessive dran unsere Infrastrukturen
und unsere Infrastruktur in digitaler Form anzubieten und abzurufen. Da sind
die Potentiale enorm. Das geht über die Schneeräumung, über die
Abfallwirtschaft und noch mehr hinaus. Da gibt es Möglichkeiten, was man da
noch digitalisieren kann.
Politischer Paul: Was ist der derzeitige Stand vom
Untersuchungsausschussgesetz auf Landesebene?
Dominik Mainusch: Untersuchungsausschüsse sind in aller
Munde. Der Bund pflegt immer wieder Untersuchungsausschüsse einzurichten. An
und für sich ist das auch ein unterstützenswertes Anliegen, weil Untersuchungsausschüsse
natürlich auch sehr viel Transparenz mitbringen und Transparenz in Zeiten wie
diesen von der Bevölkerung auch zunehmend stärker eingefordert wird. Ich bin
ein großer Fan von transparenter Verwaltung und transparenten Entscheidungsprozessen
in der Politik. Insofern ist Transparenz in jeder Hinsicht angebracht und das
Instrument des Untersuchungsausschusses ein sehr taugliches Mittel, um mehr
Transparenz in die Politik zu bringen. Wir haben in Tirol auch einen
Untersuchungsausschuss hinter uns zum Thema TSD. Dieser Ausschuss hat schon
auch die Defizite des Gesetzes gezeigt, weil die Möglichkeiten der
Einsichtnahme durchaus gering sind. Daher gilt es das
Untersuchungsausschussgesetz dermaßen zu überarbeiten, dass der Ausschuss auch
mehr Einsicht in die Verwaltung bekommen kann. Das ist im Moment im Gange. Die
Ausarbeitung der Gesetzesnovelle ist im Gange und es wird noch vor dem Sommer
verabschiedet und soll auch ein modernes Gesetz werden, das auch alle
Möglichkeiten beinhaltet, um in Akten Einsicht zu erlangen.
Politischer Paul: Gibt es in Fügen eigentlich auch
Korruption? Was kann man gegen Korruption machen?
Dominik Mainusch: Unter meiner Führung sicher nicht. Es wird
aber auch niemand sagen, dass er korrupt oder bestechlich ist. Aber wer mich
kennt, weiß, dass ich korruptive Vorgehen wie selten ein Politiker verabscheue.
Unter meiner Führung gibt es immer transparente Entscheidungsprozesse, jeder
Bürger kann sich jede Entscheidung im Detail anschauen und nachvollziehen
können. Es gibt nichts zu verheimlichen. Einer der Gründe, warum ich überhaupt
Bürgermeister geworden bin, ist das Versprechen an die Bevölkerung mit allen
Dingen, die politisch angehen, ehrlich umzugehen. Insofern zu 100% ausschließen,
dass es in meinem Einflussbereich Korruption gibt. In den vergangenen
Jahrzehnten wurde nicht immer nach diesen Maßstäben gearbeitet, doch es liegt
an meiner Generation einen neuen politischen Stil zu implementieren und
sicherzustellen, dass in Zukunft transparent und ehrlich gearbeitet wird.
Politischer Paul: Wie kann man in Tirol das leistbare
Wohnen sicherstellen?
Dominik Mainusch: Wir müssen schauen, dass der Grund und
Boden leistbar ist. Da sind vor allem die Gemeinden gefordert. Wir müssen
schauen, dass das Bauland billig wird. Da geht’s darum, dass wir
standardisierter bauen und dadurch finanziell einiges einsparen können. Wir
müssen dafür sorgen, dass das Angebot am Markt auch wirklich jenen zur Verfügung
stehen, die das wirklich brauchen. Was meine ich damit? In den vergangenen
Jahren ist mit Immobilien wie mit Aktien an der Börse gezockt worden, weil ich
vom Geld in der Finanzwirtschaft aufgrund der niedrigen Rendite keine Gewinne
mehr erzielte. Das Großkapital in Europa ist dann in die Immobilien geflüchtet
und somit wurde Wohnraum zweckentfremdet. Wohnraum, den eigentlich Leute für
Familiengründung brauchen, für die Befriedigung des eigenen Grundbedürfnisses.
Das ist zweckentfremdet worden und von Spekulanten entrissen worden, die dort
nur Geld anlegen wollen. Das hat die Preise unglaublich in die Höhe getrieben,
weitaus mehr als verdoppelt. Das ist ein Zustand, der völlig unerträglich ist
und wahrscheinlich auch das erste Handlungsfeld. Wir müssen schauen, dass
Spekulation mit Wohnraum verboten wird und Wohnraum wirklich jenen zur
Verfügung steht, die ihn brauchen. Grund und Boden zu vernünftigen Preisen,
Baukosten zu reduzieren, wo wir nur können, Stichwort Standardisierung in der
Bauwirtschaft und Verbot von Spekulation.
Politischer Paul: Wie schauts in Fügen mit leistbarem
Wohnen aus?
Dominik Mainusch: Gleich wie im restlichen Land auch, nur
sind wir als Zillertal besonders betroffen, weil wir Tourismushotspot sind und
damit hier nochmals mehr Wertschöpfung erzielbar ist. Bei uns ist die
Spekulation nochmal höher als in anderen Teilen Tirols. Insofern sind wir von
der Zweckentfremdung besonders betroffen. Wir als Gemeinde versuchen immer in
regelmäßigen Abständen mit gemeinnützigen Wohnbauträgern Wohnbauprojekte zu
realisieren. Vor ein paar Jahr haben wir eines realisiert mit 20 Wohneinheiten,
wo dann wirklich für die Gemeindebürger von Fügen Wohnraum zu vernünftigen
Preisen angeboten wird. Ansonsten versuchen wir im 2-3 Jahre Rhythmus günstige
Baugrundstücke für die Fügener Familien anzubieten. Das gelingt uns auch gut
und ansonsten sind wir auf den Markt angewiesen, der Angebot schafft und dem
ordentlichen Wohnraum zuführt. Bei uns sind die Grundpreise wie die
Immobilienpreise viel zu hoch, wobei da die Gemeinde nur einen kleinen Teil
macht. Gemeinnützige Bauträger unterstützen wir, wo es nur geht, und
organisieren immer wieder Grundstücke, die zu einem vernünftigen Preis
angeboten sind. Aber das alleine wird auch nicht reichen, da braucht es Land und
Bund auch dazu, damit man wirklich einen Effekt erzielt.
Politischer Paul: Bräuchte es da beispielsweise eine
Mietpreisbremse oder einen Mietendeckel?
Dominik Mainusch: Eine Mietpreisbremse wäre ein taugliches
Mittel. Die Eigentümer unterstützt man damit nicht, sondern da geht es darum akut
denjenigen zu helfen, die die Mieten nicht mehr zahlen können. Wobei die
Mietpreisbremse missverständlich in der Bevölkerung wahrgenommen wird, sie gilt
nur für jene Mieter, die in den Vollanwendungsbereich des Mietrechts fallen und
das sind in der Regel nur Gemeindewohnungen und die gibt es im gesamten Land
sehr selten. Wo es sie im großen Stil gibt, ist in der Bundeshauptstadt Wien.
Dort würden viele profitieren davon. Bei uns in Tirol am Land gibt es wenig
Gemeindewohnungen, der Großteil der Mieter würde nicht profitieren. Daher haben
wir als Land Tirol ein Entlastungsprogramm für unsere Region geschnürt, das ist
ganz jung. 60 Millionen Euro Entlastung im Rahmen der Wohnbauförderung, wo man
im Rahmen der Mietzinszuschüssen und Wohnbeihilfen versucht, die monatlichen
Gebühren abzufedern. Da haben wir die monatlichen Miet- und Wohnbeihilfe
erhöht. Sozial sehr treffsicher und für alle gleichermaßen. Wir machen keinen
Unterschied, ob jemand in einer Gemeindewohnung ist oder nicht. Und deshalb
sehe ich es als tauglicheres Mittel, wenn auch die Mietpreisbremse durchaus
unterstützenswert wäre.
Politischer Paul: Was ist das größte Projekt, das Sie in
Ihrer Amtszeit als Landtagsabgeordneter und Bürgermeister angehen wollen?
Dominik Mainusch: Auf landespolitischer Eben ist das das
angesprochene Verbot für Spekulation bei Immobilien. Das ist mein größtes
politisches Ziel auf landespolitischer Ebene. Als Bürgermeister versuche ich in
den nächsten 6 Jahren in Infrastruktur zu investieren, die vor allem der jungen
Bevölkerung dient. Das heißt, wir sind dabei die Mittelschule neu zu bauen, die
Feuerwehr neu, wir versuchen, ein regionales Sportzentrum zu realisieren und
einiges mehr. Auch im Bildungsbereich der Umbau des Horts, bessere, schönere
Räumlichkeiten, dass auch pädagogische Konzepte besser funktionieren. Meine
Agenda sieht vor für die nächsten Generationen Grundlagen zu schaffen, die auch
langfristig ausreichen. Da geht es hauptsächlich um Bildungseinrichtungen, um
Betreuungseinrichtungen, um Sozialeinrichtungen und letztlich auch um
Freizeiteinrichtungen.
Politischer Paul: Wenn Sie schon von langfristig für die
nächsten Generationen investieren reden, wüsste ich gerne, was Sie als Mitglied
im Energieausschuss und Bürgermeister in der Klimafrage leisten können?
Dominik Mainusch: Das ist ein sehr gutes Thema, das gerade
junge Leute täglich diskutieren sollten, weil es von enormer Wichtigkeit ist.
Das Klima ist unumstritten im Wandel, das nehmen wir wahr und wir tragen auch
Mitschuld an den klimatischen Entwicklungen. Die Ukrainekrise und die
Energiekrise haben schon gezeigt, dass wir in der Energiepolitik zu viel
Abhängigkeiten haben von autokratisch geführten Ländern wie Russland und uns da
durch Investitionen in erneuerbare Energien unabhängiger machen. Das ist am
Ende der Schlüssel. Bei der Energiegewinnung müssen wir auf Erneuerbare setzen
und beim Energieverbrauch müssen wir auf Technologien setzen, auf die
Wissenschaft setzen, dass Technologien entwickelt werden, die auch
energiesparender sind. Die zwei müssen wir aber auseinanderhalten. Das eine ist
Wissenschaft, die wir unterstützen und fördern müssen, das andere ist
Energiepolitik, wo man sorgen muss, dass man mit aktiver Energiegewinnung unabhängig
werden. Da muss man aber auch entsprechend nüchtern sein und beurteilen, welche
Möglichkeiten und Potentiale man hat. In einem Land der Berge, wo wir große
Höhenunterschiede haben, ist das größte Potential in der Energiegewinnung Wasserkraft.
Das wird auch die Strategie des Landes sein müssen, erneuerbare Energien
ausbauen, wo nur immer möglich. Ich mache das in Fügen am kleinen, wir
errichten gerade 2 Trinkwasserkraftwerke und bauen auf unsere öffentlichen
Gebäude Photovoltaikanlagen. Damit leisten wir auch unseren Beitrag für ein
energieunabhängiges Tirol. So muss das auch passieren. Es müssen alle
Anstrengungen unternommen werden, um einen Beitrag zu leisten und
energieautonom zu werden. Die Gemeinden, die Unternehmer und die Privaten. Es
braucht alle in unserer Gemeinschaft, die an einem Strang ziehen. Dann kann das
gelingen.
Politischer Paul: Da würde ich in diesem Zusammenhang
gerne noch ein bundespolitisches Thema erwähnen: Wie stehen Sie zum Rückkauf
der Lithiummine in Kärnten für erneuerbare Energie made in Austria?
Dominik Mainusch: Lithium wäre im Grunde nur eine
Möglichkeit Energie zu speichern. Ob die klassische Lithium-Ionen-Batterie die
Zukunft ist, weil sie in ihrem Abbau und der Entsorgung umweltschädlich ist.
Von batteriebetriebenen Lösungen halte ich wenig, das gilt auch für die
Mobilität. Ich glaube nicht, dass die Batterie im Elektroauto die Zukunft ist,
sondern eher alternative Energien wie Wasserstoff zum Beispiel oder auch E-Fusels
sind genauso hilfreich in der Mobilität. Aber die Batterie glaube ich nicht,
dass das die langfristige Lösung ist.
Politischer Paul: Warum sehen Sie E-Fuels als Möglichkeit
für die Zukunft, obwohl ein E-Auto wesentlich leistungsstärker ist?
Dominik Mainusch: Es gibt unterschiedliche Studien über
Elektroautos. Eine, die ich dazu gelesen habe, ist, dass ich, wenn ich die
Gesamtbilanz von der Herstellung bis zur Verwendung und Entsorgung mir anschaue,
brauch ich unter der Prämisse, dass ich die Batterie nie wechsle, eine
Laufleistung von mindestens 130.000 km energiebilanziell sparsamer zu sein als
ein dieselbetriebenes Fahrzeug unter der Annahme, dass die Batterie bei 130.000
km nie gewechselt wird. Und die Hersteller von Lithium-Ionen-Batterien geben
eine Gewährleistung für 100.000 km. Das heißt ich muss 30.000 km Laufleistung
ohne Herstellergarantie absolvieren und das wird im Schnitt nicht möglich sein.
Die Gesamtenergiebilanz von Elektroautos ist schlechter als von sparsamen
Dieselfahrzeugen. Und wenn man es dann sogar noch schaffen, wenn man vom
klassischen Fossilen weg zu E-Fuels kommen, dann bilanzieren wir besser als mit
batteriebetriebenen Elektroautos. Es ist in Summe nicht zur Gänze
wissenschaftlich belegt, es gibt unterschiedliche Meinungen dazu in der
Wissenschaft. Da wird es auch noch Forschung brauchen, um es abschließend zu
klären. E-Autos sind sicher eine Übergangstechnologie, die besser ist als rein
fossile Antriebsformen, aber ich glaube nicht, dass es langfristig das Problem
nicht löst, weil wir langfristig den Strom nicht zur Verfügung haben, um alle
mit Strom zu betanken. Wir müssen langfristig Energieträger finden, die wir im
großen Stil herstellen, wo wir auch die Energie dafür dahaben. Mein Bauchgefühl,
ohne das wissenschaftlich zu untermauern ist, dass Wasserstoff der
Energieträger der Zukunft sein wird.
Politischer Paul: Bei E-Fuels müsste man noch viel mehr
im Vergleich zu E-Autos ausbauen, um ein gutes Level zu erreichen
Dominik Mainusch: Ja, das ist richtig, man müsste auch
Wasserstoff noch viel mehr ausbauen. Bei Wasserstoff haben wir jedoch die
Kritik, dass der Wirkungsgrad zu gering ist. Wir verlieren etwa 2/3 der Energie
bis zur Verwendung. Auch der Wasserstoff hat seine Defizite. Aber da muss man
wirklich vertrauen auf die Wissenschaft, die im Moment auf Hochtouren an
solchen Fragestellungen arbeitet. Aber ich bin überzeugt, dass alle Bereiche,
auch die Batterie, aufgrund der Wissenschaft deutliches Verbesserungspotential
haben und in 15 Jahren über ganz andere Dinge diskutieren und in einem ganz
anderen Niveau diese Fragen diskutieren. Wenn wir es von der industriellen
Revolution bis jetzt betrachten, sind wir noch in den Kinderschuhen, was diese
Energiewende betrifft. Wissenschaftlich, genauso wie politisch.
Politischer Paul: Wie will man bei E-Fuels billiges
Tanken ermöglichen? Denn zurzeit bei einem aktuelles Forschungsprojekt kostet
der Liter 50 Euro. Und ich glaube, ein normaler Bürger kann sich da Volltanken
nicht mehr so einfach leisten.
Dominik Mainusch: Wenn der Liter 50 Euro kostet und
gleichviel Energiedichte hat, wie ein Diesel realisiert, ist es völlig unwirtschaftlich.
Im Moment ist der E-Fuel nicht konkurrenzfähig mit anderen Antriebsformen, aber
ich vertraue auf die Wissenschaft, dass in diesen Bereichen Besserung möglich
sein wird. Aber wenn man von Wissenschaft redet, kann man überhaupt groß
spinnen und sagen, dass uns in vielleicht 30,40,50 Jahren die Kernfusion
gelingt. Grundsätzlich haben alle Motoren viele Vor- und Nachteile. Unser Motor
ist die Wissenschaft und da braucht es auch wenig Politik. Politik ist dazu da,
um das Beste zu ermöglichen. Doch das Beste definiert die Wissenschaft als
solches und wir müssen als Politik schauen, dass wir ein Commitment schaffen,
quer durch alle politischen Parteien hindurch, dass fossile Energien nicht mehr
zu unterstützen sind und erneuerbare Energien vor Ort viel besser sind.
Vielen Dank fürs Interview!

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