"Tirol bzw. als zuständiger Landesrat insbesondere die Tiroler Wirtschaft und den Tiroler Tourismus im Einklang mit den Tirolerinnen und Tirolern zu gestalten und nachhaltig weiterzuentwickeln" - Interview mit Mario Gerber
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| © Land Tirol / Die Fotografen |
Mario Gerber ist Landesrat für Digitalisierung, Wirtschaft und Tourismus in Tirol. Ich konnte mit ihm ein Interview führen.
Zuerst möchte ich Sie zum Interview herzlichst begrüßen und ein bisschen etwas über Sie als Person erfahren: Als Landesrat für Digitalisierung haben Sie sicherlich auch eine Meinung zur Killerspieldebatte: Sind Egoshooter förderlich für Gewalt in der realen Welt?
Die Unterhaltungsindustrie hat sich insbesondere durch die Digitalisierung – etwa durch technologische Innovationen wie Virtual oder Augmented Reality – stark verändert. Ob das Spielen von Ego-Shooter-Spielen einen direkten Einfluss auf die Ausübung von Gewalt in der realen Welt hat, kann ich so nicht pauschal beantworten. Vielmehr obliegt es der Wissenschaft, hier mögliche Zusammenhänge zu identifizieren. Jedenfalls plädiere ich dafür, Minderjährige hinsichtlich der Auswirkungen, die solche Spiele auf Menschen haben können, aufzuklären und wenn nötig, Unterstützung anzubieten. Dies gilt auch für die Eltern, die in diesem Zusammenhang beispielsweise auffällige Verhaltensweisen bei ihren Kindern beobachten.
Was ist Ihr bisher größter Erfolg?
Was ein Erfolg ist und was nicht, ist wohl eine individuelle Betrachtung. Ich persönlich denke, dass es sowohl in meinem Privat- als auch Berufsleben Erfolge gibt. Sehr stolz bin ich zum Beispiel auf meine Familie und meine drei Kinder. Stolz bin ich aber auch auf die Tatsache, dass ich gemeinsam mit meiner Familie mehrere Hotels aufbauen und diese bis zu meiner Tätigkeit als Landesrat führen durfte. Ein persönlicher Erfolg ist aber sicher auch der Einstieg in die Politik. Meiner nunmehrigen Tätigkeit als Landesrat für Tourismus, Wirtschaft und Digitalisierung gehe ich mit viel Freude nach.
Warum sind Sie in die Politik gegangen?
Ich will Verantwortung in unserem Land übernehmen und dazu beitragen, Tirol bzw. als zuständiger Landesrat insbesondere die Tiroler Wirtschaft und den Tiroler Tourismus im Einklang mit den Tirolerinnen und Tirolern zu gestalten und nachhaltig weiterzuentwickeln. Ich will den Menschen in unserem Land zuhören, ihre Sorgen ernst nehmen und täglich mein Bestes dafür geben, ideale Rahmenbedingungen für die Bevölkerung zu schaffen.
Was würden Sie sagen, zeichnet Sie für den Umgang mit Digitalisierung aus?
Die Digitalisierung hat unseren Alltag und insbesondere die Art und Weise, wie wir kommunizieren und produzieren maßgeblich verändert. Um mit den ständigen Veränderungen, die die fortschreitende Digitalisierung mit sich bringt, Schritt halten zu können, muss man sich mit diesem Thema maßgeblich beschäftigen und Kompetenzen für den Umgang mit der Digitalisierung entwickeln. Ich persönlich interessiere mich sehr für die Digitalisierung und ihre Möglichkeiten und habe mich auch bereits vor meiner Tätigkeit als Digitalisierungslandesrat mit diesem Thema vermehrt in meiner Freizeit beschäftigt und mich weitergebildet.
Als nächstes möchte ich mit Ihnen über ein paar politische Themen sprechen: Wann kommt ein Regulierungsgesetz für die Wettunternehmer?
Regelungen über die Tätigkeit von Wettunternehmerinnen und Wettunternehmer in Tirol sind im Tiroler Wettunternehmergesetz, das im August 2019 in Kraft getreten ist, festgeschrieben. In diesem Gesetz wurden neben allgemeinen Bestimmungen, wie dem Geltungsbereich oder dem Verbot von bestimmten Wetten, auch Voraussetzungen und Ausübungsvorschriften für die Tätigkeit als Wettunternehmer bzw. als Wettunternehmerin festgelegt. In Umsetzung der Geldwäscherichtlinie wurden Bestimmungen zur Verhinderung der Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung (unternehmensinterne Maßnahmen, Sorgfaltspflichten, Maßnahmen in Verdachtsfällen etc.) ins Gesetz übernommen. Ebenso sind Aufsichtsbestimmungen, welche die Organe der Bezirksverwaltungsbehörden und der Landesregierung ermächtigen, und Strafbestimmungen im Gesetz enthalten.
Als Landesrat für Preisangelegenheiten fällt auch der Umgang mit der Teuerung ihnen zu. Daher wüsste ich gerne, was Sie gegen die Teuerung unternehmen würden und was gegen den erhöhten Bierpreis?
Die Teuerung macht vor keiner Person und keinem Lebensbereich Halt. Doch manche – insbesondere einkommensschwächere Personen und Familien – leiden besonders unter den hohen Kosten. Der Tiroler Landesregierung ist es ein Anliegen, die Tiroler Bevölkerung, Familien aber auch die heimischen Betriebe zielgerichtet zu unterstützen, um Armut zu verhindern und die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zu stärken. Aus diesem Grund haben wir bereits zu Beginn unserer Legislaturperiode den Tiroler Anti-Teuerungsrat eingerichtet. Mit den zahlreichen Unterstützungs- und Fördermaßnahmen von Bund und Land sollen sowohl die Bevölkerung als auch die Unternehmerinnen und Unternehmer entlastet werden.
Weiters wüsste ich gerne, warum im Teuerungsrat vom Land Tirol die Geschlechterverteilung unverhältnismäßig ist und Frauen, die in der Gesellschaft über 50% ausmachen, im Teuerungsrat nur durch eine Person vertreten sind?
Hier gilt festzuhalten, dass die Mitglieder keine gewählten bzw. erwählten Personen sind, sondern diese aufgrund ihrer Funktionen den Anti-Teuerungsrat bilden. Dieser setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Sozialpartner – wie der Arbeiterkammer, der Industriellenvereinigung, der Landwirtschaftskammer, des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, der Wirtschaftskammer und dem Gemeindeverband – sowie den Mitgliedern der Tiroler Landesregierung zusammen. Dem Anti-Teuerungsrat wissenschaftlich und beratend zur Seite steht zudem der renommierte Wirtschaftswissenschafter Gottfried Tappeiner von der Universität Innsbruck. Da mit den Landesrätinnen Cornelia Hagele, Astrid Mair und Eva Pawlata drei Frauen im Anti-Teuerungsrat vertreten sind, darf ich die Zahl in Ihrer Frage hiermit berichtigen.
Würden Sie das E-Government auch nach einem finnischen Vorbild ausbauen und elektronische Wahlen einführen?
Die skandinavischen Länder sind uns in vielen Bereichen gewissermaßen ein paar Jahre voraus. So hat Finnland in der Vergangenheit – jedoch nur auf begrenzter Ebene – elektronische Wahlen durchgeführt. Eine flächendeckende Ausbreitung von elektronischen Wahlen gibt es in Finnland allerdings bis heute nicht. Europaweit Vorreiter ist in dieser Hinsicht jedoch Estland. Alles, was dazu beitragen kann, die Wahlbeteiligung zu erhöhen, ist grundsätzlich zu begrüßen. Bei einer möglichen Einführung von elektronischen Wahlen in Österreich – die Umsetzung liegt im Kompetenzbereich des Bundes – wäre die Sicherheit, die Zuverlässigkeit sowie die Transparenz des Wahlsystems jedoch klare Voraussetzung.
Wie kann man die Skischulen auf die durch den Klimawandel veränderte Bergsituation vorbereiten?
Aufgrund des Klimawandels und dessen Auswirkungen muss sich der Tourismus mit Sicherheit auf neue Herausforderungen bzw. Gegebenheiten einstellen. Allerdings gilt zu betonen, dass der Tourismus in Tirol schon immer innovativ war und ich bin mir sicher, dass er das auch künftig sein wird. Um sowohl Krisen als auch neuen Trends bereits frühzeitig zu begegnen, wurde von der Tirol Werbung vor einigen Monaten ein Future-Lab initiiert, wo mithilfe von verschiedenen Messgrößen erforscht werden soll, was für den Tourismus in zehn Jahren zentral ist. Dabei geht es mitunter auch um Klimaanpassungsstrategien.
Hat der Tourismus im derzeitigen Zustand überhaupt eine Zukunft? Wie könnte man ihn klimaverträglicher machen?
Da der Tourismus sehr vielfältig und wandelbar ist, hat er jedenfalls Zukunft. Unser Leitfaden, um auch künftig das Beste für unser Land, die Tirolerinnen und Tiroler sowie die Gäste hervorzubringen, ist das Strategiepapier „Tiroler Weg – Perspektiven für eine verantwortungsvolle Tourismusentwicklung“, das gemeinsam mit Expertinnen und Experten im Jahr 2021 entwickelt wurde. Insbesondere vor dem Hintergrund des Klimawandels ist es mir ein Anliegen, den Tiroler Tourismus nachhaltig und verantwortungsvoll weiterzuentwickeln und dabei sowohl den Bedürfnissen der Gäste als auch der Bevölkerung gerecht zu werden. Neben dem oben erwähnten Future-Lab haben wir auch ein Nachhaltigkeits-Kompetenzzentrum initiiert, das sich um Themen wie Mobilität, Klima, Tourismusgesinnung und den Arbeitskräftemangel kümmern wird.
Wie kann das Land Tirol mit künstlicher Intelligenz umgehen?
Unsere Welt bzw. unsere Gesellschaft sind in einem ständigen Wandel. Innovationen und Veränderungen hat es immer schon gegeben und die Menschheit hat stets versucht, bestmöglich damit umzugehen. Die Künstliche Intelligenz ist ein wesentlicher Treiber für die digitale Transformation unserer Gesellschaft und so verändert diese auch unseren Alltag in einer gewissen Art und Weise. Wichtig jedenfalls ist, dass es in diesem Zusammenhang sowohl gesellschaftliche als auch rechtliche Rahmenbedingungen gibt. Hier sehe ich vorrangig die Bundespolitik gefordert.
Wie kann das Land Tirol zu einer Hochburg des Gaming werden?
Ob am Laptop, am Tablet oder am Smartphone – viele Tirolerinnen und Tiroler spielen in ihrer Freizeit gerne Videospiele. Dank verschiedenster digitaler Innovationen lässt sich das Videospielen immer öfter auch mit Bewegung verbinden und kann dadurch in den Alltag integriert werden. Prinzipiell gibt es in Tirol bereits viele gute Initiativen in diesem Bereich und in Innsbruck auch zwei weltweit erfolgreiche Unternehmen, die sich auf Gaming spezialisieren. Ich kann mir zudem gut vorstellen, dass Tirol, aufgrund seiner landschaftlichen als auch kulturellen Vielseitigkeit, ein ideales Pflaster ist, um künftig beispielsweise auch Events rund um Gaming in Verbindung mit Sport und Erholung durchzuführen.
Zu guter Letzt möchte ich Ihnen ein paar Entweder-Oder-Fragen stellen: Schnelle Digitalisierung oder langsam, aber sicher?
Lieber eine langsame, aber dafür gut durchdachte und sichere Digitalisierung.
Investitionen in Breitbandausbau oder Tourismusangelegenheiten?
Investitionen in den Breitbandausbau, aber Förderungen für Tourismus und Breitband.
Skifahren oder Freeriding?
Ich bevorzuge das Skifahren in unseren wunderschönen Tiroler Skigebieten.
KI oder Fachkräfte?
Klare Antwort: Fachkräfte.
Apple oder Android?
Sowohl im privaten als auch beruflichen Bereich bevorzuge ich persönlich Apple-Produkte.
Vielen Dank fürs Interview!

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