„Es ist wesentlich, das was man in der Politik vertretet, privat zu leben.“ - Interview mit Andrea Haselwanter-Schneider
Andrea Haselwanter-Schneider ist Klubobfrau der LISTE FRITZ TIROL und Bürgermeisterkandidatin bei der Innsbrucker Bürgermeisterwahl 2024. Ich konnte mit ihr ein Interview führen.
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| (C): listefritz.at |
Andrea Haselwanter-Schneider: Da hat es schon einige
gegeben, aber wenn man das vergangene Landtagswahlergebnis anschauen, dann war
es ein großer Erfolg, dass wir die knapp 10 Prozent erreicht haben. Das war
nahezu eine Verdoppelung und das war ein schöner Erfolg.
Politischer Paul: Warum haben Sie sich entschlossen,
politisch aktiv zu werden?
Andrea Haselwanter-Schneider: Das ist relativ einfach. Weil
ich glaube, dass es zu wenig ist, wenn man aus der zweiten Reihe Dinge
kommentiert und meint, dass man etwas anders machen würde. Sondern auch bereit
ist sich nach weiter vorne zu stellen, politisch zu engagieren und versuchen
für die Zukunft, für die Menschen im Land was weiterzubringen und umzusetzen.
Politischer Paul: Was sind Ihre Pläne als Politikerin und
Privatperson für 2023?
Andrea Haselwanter-Schneider: Pläne für 2023, also politisch
hartnäckig hinter den wichtigen Themen zu bleiben. Weiterhin eine starke
Oppositionskraft in Tirol zu sein, die Finger in offene Wunden zu legen,
schauen, was man für die Tirolerinnen und Tiroler verbessern kann. Denn das
wichtigste Anliegen von mir oder von uns ist es, dass die Politik für die
Menschen in dem Land gemacht wird und nicht für einen selber.
Persönlich hab ich mir jetzt dezidiert nichts vorgenommen.
Es ist wesentlich, das was man in der Politik vertretet, privat zu leben.
Politischer Paul: Wie kann man mehr Menschen in die
Pflege bewegen?
Andrea Haselwanter-Schneider: Hätten sie mich das vor 10
Jahren gefragt, hätte es einen Stufenplan gebraucht. Für diesen war jedoch
niemand bereit und daher sind wir heute na dem Punkt, wo wir sind. Wir haben es
extrem schwer, Menschen für die Pflege zu begeistern.
Ich denke, es geht darum, Rahmenbedingungen zu schaffen,
damit man besser in der Pflege arbeiten kann. Neben einer adäquaten Bezahlung
braucht es auch mehr Wertschätzung im Sinne auch von Sozialleistungen. Wir sind
gerade bei den Gehältern österreichweit hinten. Wie kann man erklären, dass man
in einem anderen Bundesland 200€ im Monat mehr bekommt als in Tirol? Und
endlich auch das umzusetzen, was man versprochen hat. Bei den Gehältern sind
wir als Land ganz alleine zuständig, das Geld ist nicht alles. Aber wenn ich
hart körperlich und psychisch arbeite, muss ich das entsprechend entlohnen. Man
kann Menschen ansprechen, indem man über die Schule geht, die Schülerinnen und
Schüler aktiv anspricht und informiert. Doch jetzt sind wir an einem Punkt, wo
alles eng ist und wo überall wenige sind. Und das lesen die Leute jeden Tag in
der Zeitung und da wird es zunehmend schwierig in diesem Bereich zu arbeiten.
Aber ja, da gibt’s einige und viele Ideen. Das werden nicht alle die sein, die
der ganz große Wurf sind. Aber in der Situation in der wir sind, müssen wir
viele kleine Schritte setzen, um hier wieder Leute gewinnen zu können. Es kann
gelingen, ist aber jetzt ein Kraftakt.
Politischer Paul: Welchen Teil der Gesellschaft vertritt
die Liste Fritz im Parlament?
Andrea Haselwanter-Schneider: Wir vertreten alle Teile der
Gesellschaft. Wir machen es an Themen fest. Und die Themen die wir vorrangig
beackern sind: Kontrollthemen, das sind Sozialthemen in allererster Linien. Das
betrifft recht viele in der Gesellschaft, die Liste Fritz steht in der Mitte
der Gesellschaft.
Politischer Paul: Was sollte man explizit gegen
Korruption tun?
Andrea Haselwanter-Schneider: Explizit sind alle
aufgefordert, alles transparent und offen darzulegen. Da haben wir jetzt im
Tiroler Landtag neue Regeln gesetzt. Da müssen bis kommenden März die konkreten
Aufstellungen beim Landesrechnungshof eingelangt sein und wir haben auch ein
Spendenverbot im Tiroler Landtag festgelegt. Das ist ein erster wichtiger
Schritt dagegen, dass Politik käuflich ist.
Politischer Paul: Wie könnte das Wohnen in der Zukunft
aussehen?
Andrea Haselwanter-Schneider: Wohnen ist eines unserer ganz
großen Problemfelder. Ich mach mir Sorgen, wo unsere jungen wohnen sollen. Denn
wir alle kennen das Preisniveau, wenn man einen Quadratmeter Grund und Boden in
Tirol kaufen möchte. Da ist die öffentliche Hand schon sehr gefordert, für die
große Masse Wohnraum zu Verfügung zu stellen. Das Wohnen der Zukunft, da können
wir im Bereich studentischen Wohnen anfangen. Bei der Uni Innsbruck wird seit
Jahr und Tag ein Student:innencampus versprochen. Da rede ich jetzt nicht von
Studentenheimzimmern, das sind heute ganz andere Einrichtungen, wie ich sie von
meiner Studentenzeit noch kenne Auch das Wohnen im Alter in Senioren-WGs
beispielsweise wäre eine Idee für das Wohnen der Zukunft. Wir haben zu wenig
Personal, um die Menschen in den Altenwohn- und Pflegeheimen zu betreuen und
ich glaube auch, dass viele noch so rüstig und fit sind, dass sie sich
gegenseitig ergänzen. Auf der einen Seite würden wir für junge Menschen
Wohnraum frei bekommen, wenn ältere Menschen zusammenziehen. Aber da braucht es
Förderungen vom Land Tirol. Generell musss Wohnen ökologischer und grüner
werden. Wir haben den Klimawandel und da muss man Wohnhäuser begrünen. Das
machen uns schon andere Städte und Länder vor.
Politischer Paul: Wäre hier eine weitere Möglichkeit,
einen Mietpreisdeckel einzuführen?
Andrea Haselwanter-Schneider: Das ist eine denkbare
Variante, um Wohnen wieder leistbar und günstiger zu machen. Jedoch hängt das
auch ganz stark von der Ausgestaltung ab, wie man so einen Mietpreisdeckel
gestaltet und wieweit auch die privaten Vermieter unter diesen Mietpreisdeckel
fallen. Das ist eine Variante, weil wir sehen, dass Tirol ein Studentenstandort
ist. Das treibt die Wohnkosten wahnsinnig in die Höhe. Auch haben wir
Investorenmodelle und Freizeitwohnsitze, beides riesige Probleme. Hier Grund
und Boden zu horrenden Preisen zu verscherbeln und zu verkaufen, hat noch
keinen Quadratmeter Wohnen günstiger gemacht. Auch da orte ich derzeit auch,
dass man dahinter ist, das ganz stark einzudämmen und zu kontrollieren.
Politischer Paul: Sie haben schon den Klimawandel
angesprochen: Was sollte man konkret dagegen tun?
Andrea Haselwanter-Schneider: Naja beim Klimawandel, also
wie bei den anderen Themen auch, wird es mit vielen Maßnahmen gehen. Ich muss
öffentliche Verkehrsmittel attraktiver machen. Wenn es immer noch attraktiver
ist, mit dem eigenen PKW zu fahren, musss ich öffentliche Verkehrsmittel
attraktiver machen. Das fängt damit an, dass die Landeshauptstadt Innsbruck
keine Park & Flächen hat. Alle müssen mit dem Auto in die Innenstadt
hineinfahren. Das fängt auch damit an, dass es nicht außerhalb der Stadt einen Auffangplatz
für Busse gibt. Die Touristen werden bis in die Altstadt zu den
Sehenswürdigkeiten mit den Bussen nahezu vor die Haustür gekarrt. Das ist in
Zeiten des Klimawandels nicht vertretbar. Und dann, ich bleibe immer noch bei
einem Beispiel aus der Stadt Innsbruck, Plätze wie der Bozner Platz zum
Beispiel, zuzubetonieren und nicht zu begrünen, halte ich 2023 für eine
Katastrophe. Es gehören insbesondere in Städten vermehrt Grünflächen zu bauen,
Gebäude und Straßenplätze gehören begrünt, weil man aus Studien weiß, dass man
die Temperatur durch Begrünung stark senken kann. Dann muss man schauen, wie
man den touristischen Verkehr begrenzen kann. Es muss nicht jeder mit dem PKW
fahren, sondern mit alternativen Verkehrskonzepten. Wir müssen schauen, dass wir
auf alternative Energieträger setzen, da haben wir noch viel Luft nach oben.
Nicht einmal die öffentlichen Gebäude in Tirol sind mit einer
Photovoltaikanlage ausgestattet. Das wäre die allererste Hausaufgabe, die man
machen müsste. Man muss den Leuten beim Umstieg aus den fossilen Energien unter
die Arme greifen, indem man sie gescheit beratet, aufzeigt, was wir für
Möglichkeiten haben. Mir gefällt immer ganz gut, wenn man auf Fernheizsysteme
setzt, wo man möglichst viele Haushalte zusammenschließen kann. Das ist auch
ein Gebot der Stunde und dann halte ich es für einen Wahnsinn, wenn man über
ein Megakraftwerk Kaunertal nachdenkt. Heuer haben wir einen sehr milden Winter
mit wenig Niederschlägen gehabt, es kommt von oben recht wenig Wasser und
dieses Zukunftszenario gehört mitbedacht, wir in Tirol sind säumig.
Politischer Paul: Was kann man politisch gegen psychische
Probleme machen?
Andrea Haselwanter-Schneider: Wir sehen vor allem bei
Kindern, dass die Lockdowns und Schulschließungen zu massiven Problemen geführt
haben. Nicht nur bei Kindern und Jugendlichen, sondern auch bei Erwachsenen.
Was wir Jahr und Tag schon einfordern ist Psychotherapie auf Krankenschein.
Jetzt haben wir Teuerung, jetzt haben wir Inflation. Der Großteil kann sich
keine Psychotherapie leisten, das dazahlt fast niemand mehr. Psychotherapie auf
Krankenschein – endlich mal psychische Belastungen so behandeln wie es
körperliche Erkrankungen sind. Den Zugang und die Möglichkeiten körperlichen
Erkrankungen entsprechend gestalten wäre ein erster, wichtiger Schritt und auch
eine politische Entscheidung. Ansonsten könnten wir mehr Schulpsychologen
einsetzen und die Unterstützungsarbeit verstärken.
Politischer Paul: Wenn Sie ein Gesetz per Dekret
einsetzen könnten; Was wäre es?
Andrea Haselwanter-Schneider: Diese Forderungen fangen beim
Grundrecht auf Wohnen an und hören beim Recht auf einen Pflegeplatz auf,
Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung wäre auch etwas, Rechtsanspruch auf
Betreuung im Alter. Kann ja nicht sein, dass die selber rumrennen müssen von
Heim zu Heim.
Politischer Paul: Wie könnte man das Sozialsystem
allgemein verbessern?
Andrea Haselwanter-Schneider: Beim Sozialsystem ist nicht
des Rätsels Lösung, Teilzeitarbeitende zu bestrafen. Das Sozialsystem ist in
vielen Bereichen ein Bundessystem und man muss im Sozialsystem schauen, wie man
es auf die aktuelle Situation zusammenschneidern kann. Das Sozialressort ist
insgesamt ein riesiges, ein sehr großes und deswegen kann man nicht sagen, in
welchen Bereichen es besser aufstellt. Es gibt in vielen Bereichen
Nachbesserungsbedarf. Ich glaube, dass es nicht richtig war mit der Gießkanne
über alle gewisse Boni auszuschütten. Man muss genau hinschauen, wo es
verstärkt Förderungen braucht. Die Leute dürfen nicht zu Bittstellern werden.
Ich stell mir ein kundenfreundliches Sozialssystem in Österreich vor.
Vielen Dank fürs
Interview!

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