"Bildung beginnt weit vor der ersten Schulglocke" - Interview mit Niko Swatek

Niko Swatek ist Landessprecher und Klubobmann der NEOS Steiermark. Ich konnte mit ihm ein Interview führen.

Foto: NEOS Steiermark

 

Politischer Paul: Wenn Sie eine Superkraft hätten, die Ihnen im politischen Alltag hilft, was wäre es?

        Niko Swatek: Oft steht die Politik sich selbst im Weg. Ideologie steht im Vordergrund und nicht die besten            Ideen. Ich würde manchen politischen Mitbewerber:innen gerne die ideologische Brille abnehmen können,            um eine sach- und lösungsorientiertere Politik in den Vordergrund zu stellen. Sinnloses streiten und                        Politikverdrossenheit gehören damit der Vergangenheit an.

 

Politischer Paul: Was würden Sie als Ihren bisher größten Erfolg bezeichnen?

Niko Swatek: Politisch ist es mir gelungen Technik und Programmierkurse für Kinder und Jugendliche in den Sommermonaten in Graz zu etablieren. Der technologische Fortschritt ist unaufhaltbar und viele Jugendliche, so wie ich, interessieren sich dafür. Wollen programmieren lernen und verstehen wie die Welt um uns funktioniert. Das gelingt dank meiner Initiative jetzt in Graz.


Politischer Paul: Wenn Sie nicht Politiker geworden wären, was wären Sie?

Niko Swatek: Ich habe in Graz Technische Physik studiert, hab in einem technischen Büro und in der Automobilbranche gearbeitet. Ich wollte immer aufs Cern in der Schweiz gehen und dort forschen, um später etwas Innovatives erfinden zu können, das unsere Gesellschaft voranbringt. Jetzt darf ich in der Politik die Rahmenbedingungen für Innovation und Fortschritt mitgestalten. Genau darum liegt mein Fokus auch auf der Bildungspolitik.

 

Politischer Paul: Wie können wir sicherstellen, dass Bildung für alle zugänglich ist, ohne dass wir uns alle wie Harry Potter fühlen müssen und durch eine versteckte Winkelgasse zu einer Schule gehen müssen?

Niko Swatek: Bildung beginnt weit vor der ersten Schulglocke. Beginnt schon in den Kindergärten und -
krippen. Doch nach wie vor werden diese wichtigen ersten Bildungsinstitutionen stiefmütterlich behandelt. Es braucht eine Qualitätsoffensive und bessere Rahmenbedingungen für Kinder und Personal vor Ort, um die beste Bildung endlich sicher zu stellen. Die Kompetenz dafür liegt bei den Ländern. Darum kämpfe ich im Landtag auch permanent für dieses Thema. Für die Schulen müssen die Lehrpläne dringend modernisiert werden und eine zeitgemäße Infrastruktur muss her. Ich bin jedes Jahr in derselben Schule zu einer Diskussion eingeladen. Seit 5 Jahren ist der Raum in dem wir als Politiker:innen diskutieren dürfen nicht vollständig ausgemalt. Schulbücher mussten von Schüler:Innen eingesammelt werden, damit neue Schüler überhaupt Lehrmaterialen haben. Wie kann das sein? Wie kann man bei dem wichtigsten Thema unserer Zukunft, der Bildung, so zukunftsvergessen sein. Für ein besseres Bildungssystem braucht es keinen Zauberstab, sondern endlich eine Politik, die das Thema wieder in den Mittelpunkt stellt.

 

Politischer Paul: Was denken Sie, ist das beste Geschenk, das die Gesellschaft Kindern machen kann, um sie auf eine bessere Zukunft vorzubereiten?

Niko Swatek: Früher hieß es: „Unseren Kindern soll es später mal besser gehen als uns selbst.“ Heute sind viele schon froh, wenn es unseren Kindern gleich gut geht wie uns. Das ist nicht mein Ansatz. Ich will, dass es meinem Sohn später besser geht als mir selbst. Dafür müssen wir endlich das Heft in die Hand nehmen uns die Probleme unserer Zeit lösen. Lösungswege gibt es viele. Ich habe nur leider teilweise das Gefühl der Regierung fehlt der Mut Entscheidungen zu treffen.

Politischer Paul: Wie würden Sie die Gesundheitspolitik in Österreich verbessern, ohne den medizinischen Fachkräftemangel durch Dr. Google zu ersetzen?

Niko Swatek: Telemedizin wird uns so oder so nicht ganz erspart bleiben und kann in einigen Bereichen durchaus sinnvoll sein. Aber natürlich muss uns klar sein, dass die Gesundheitsversorgung leidet, wenn wir unsere Ärzt:innen oder Pfleger:innen nicht endlich besser behandeln und vor allem bezahlen. Aktuell kämpfen wir gerade darum, dass zum Beispiel das Personal bei der unseren Landeskrankenhäusern besser entlohnt wird oder Vordienstzeiten voll angerechnet werden. Wir können unsere Pfleger:innen und Mediziner:innen nicht mit dem enormen Arbeitspensum und der Verantwortung alleine lassen und uns dann wundern, dass diese Menschen in andere Länder oder Bereiche abwandern. Leider scheint man das bei der Landesregierung noch immer nicht ganz verstanden zu haben.

Politischer Paul: Wie können wir sicherstellen, dass die Europäische Union fairer und inklusiver wird, ohne unsere Identität zu verlieren?

Niko Swatek: Wenn wir neben den USA, China, Indien, der arabischen Welt oder auch Russland künftig eine Rolle im globalen Wettbewerb spielen wollen, ist das nur gemeinsam möglich. Nur als vereinte europäische Staatenfamilie werden wir in Zukunft ein friedliches Miteinander und unseren Wohlstand sichern können. Jene, die sich von dieser Idee entfernen wollen, gefährden das. Dazu muss man nur nach Großbritannien blicken. Dabei muss auch deutlich festgehalten werden, dass das unsere Identität als Österreicherinnen und Österreicher nicht berührt. Wir sind und bleiben ein souveräner Staat in dieser Familie – mit gleichwertigem Mitspracherecht. Und die europäische Vielfalt ist bereichernd, nicht bedrohend. Also keine Angst, unser Schnitzel, unsere Tracht und unsere Kultur nimmt uns niemand weg, doch unser Einfluss in der Welt, der steigt dank EU.


Politischer Paul: Was kann die Politik gegen die Teuerung im Allgemeinen und den erhöhten Bierpreis im Speziellen unternehmen, um besonders den armen Menschen zu helfen? Denn beispielsweise mit Steuererleichterungen profitieren besonders die, die schon einiges haben. Aber was macht man mit denjenigen, die nichts haben?

Niko Swatek: Richtig, die türkis-grüne Bundesregierung hat bisher nur mit der Gießkanne Steuergeld verschleudert – das darf nicht sein. Wir müssen also vor allem die unterstützen, die nicht so viel haben - durch finanzielle Zuwendungen wie Heizkostenzuschüsse etc. Für die Mitte der Gesellschaft, die die Teuerung leider auch erreicht, sollte man durch Entlastung bei Steuern und Abgaben endlich mehr finanzielle Spielräume schaffen.

Politischer Paul: Was sollte man alles privatisieren? Gibt es Dinge, die der Staat regeln sollte?

Niko Swatek: Bei den NEOS sind uns starke soziale Sicherheitsnetze sehr wichtig – für all jene, die darauf angewiesen sind. Ein Vollkasko-Staat, wie ihn sich manche Mitbewerber:innen ausmalen, ist aber weder sinnvoll, noch leistbar. Wir wollen die Menschen schon in jungen Jahren so unterstützen und ausbilden, dass sie soziale Sicherheitsnetze im Normalfall gar nicht brauchen, sondern aus eigener Kraft ein erfülltes Leben führen können. Das ist ein stabiles Fundament für das Individuum und zugleich auch für den Sozialstaat.

 

Politischer Paul: Wie können wir die öffentlichen Finanzen besser verwalten, ohne die Schwächsten der Gesellschaft zu vernachlässigen?

Niko Swatek: Einsparungspotenziale gibt es zuhauf. Das beginnt bei einer schlankeren Verwaltung und endet bei einer völlig überzogenen Parteienförderung und Luxuspensionen in der Politik. Es vergehen kaum Sitzungen, in denen wir NEOS nicht auf diese Missstände hinweisen und Verbesserungen fordern. Ich kann garantieren: Wo NEOS in Regierungsverantwortung kommen, profitieren die Bürger:innen direkt, weil nachhaltiges Wirtschaften eines unserer größten Anliegen ist.

Politischer Paul: Wie können wir sicherstellen, dass die Verfassung die Freiheit und die Rechte aller Menschen schützt, ohne dass sie von den Mächtigen ausgenutzt wird?

Niko Swatek: Die kurze Antwort: NEOS wählen. Weder stolpern wir von einem Korruptionsskandal zum nächsten, noch wollen wir Verfassung oder Menschenrechtskonvention ändern und aushöhlen, noch stehen wir für rigorose Verbotspolitik und ideologische Verblendung, noch überdecken bei uns interne Machtkämpfe jegliche Inhalte. 


Politischer Paul: Wie können wir sicherstellen, dass die Kontrolle in der Politik und Wirtschaft in Österreich besser funktioniert, ohne dass es zu Machtmissbrauch kommt?

Niko Swatek: Wir haben in Österreich schon ganz gute Gesetze, um Machtmissbrauch zu bekämpfen. Wir müssen eher darauf schauen, dass diese auch eingehalten werden. Leider gibt es unter den Altparteien immer wieder Versuche, die Ermittlungsbehörden und Gerichte in ihrer Arbeit zu behindern. Die mittlerweile berühmten Schmid-Chats zeigen, wie man Ermittlungen „daschlogn“ wollte. Eine weisungsfreie und unabhängige Bundesstaatsanwaltschaft ist aber eine gute Idee.

Politischer Paul: Wie können wir die Digitalisierung nutzen, um die Gesellschaft zu verbessern, ohne dass sie zu einem Werkzeug der Unterdrückung wird?

Niko Swatek: Indem die Gesetzgebung mit dem technologischen Fortschritt Schritt hält und sich Regierungen bei neuen Technologien von Experten beraten lassen und nicht etwa von Lobbyisten.

Politischer Paul: Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Schritte, um den Stillstand in der Politik anzugehen und die Dinge voranzutreiben?

Niko Swatek: Ich verweise auf Frage Nummer 12:  NEOS wählen. Und das Wichtigste immer kritisch bleiben. Denn nur wer kritisch hinterfragt und kommt auf neue Ideen!
😊

 

Politischer Paul: Gösser Bier oder Marihuana?

Niko Swatek: Ich persönlich kann mit Bier definitiv eher etwas anfangen. Doch einer Legalisierung stehe ich nicht im Weg. Den Dealer arbeitslos zu machen ist eine gute Idee.

Politischer Paul: Wen unterstützen: Mieter*innen oder Vermieter*innen?

Niko Swatek: Wir sind grundsätzlich der Meinung, dass das Prinzip von Angebot und Nachfrage vieles im Gleichgewicht halten kann. Menschen, die in diesen Zeiten aber auf Hilfe angewiesen sind, müssen natürlich unterstützt werden. Allerdings zielgerichtet. Dass der Staat Menschen finanziert, die das eigentlich gar nicht benötigen, kann nicht das Ziel sein. Denn diese Schulden bürden wir unseren Kindern und Enkelkindern auf. Das finde ich unfair!


Politischer Paul: E-Fuel oder E-Auto?

Niko Swatek: E-Auto für den privaten Gebrauch. Lkw und Einsatzkräfte, wie die Feuerwehr, werden in Zukunft aber wohl mit E-Fuels fahren. Wichtig bei der Diskussion ist für mich aber ohnehin die Technologieoffenheit. Als Politiker weiß man nie welcher technologische Fortschritt noch kommt.

 

Politischer Paul: BVB oder Bayern?

Niko Swatek: Ganz klar BVB

 

Politischer Paul: Star Wars oder Star-Trek?

Niko Swatek: Der Wahlspruch der Vulkanier „Live long and prosper“ könnte auch von den NEOS kommen. Trotzdem gefällt mir persönlich das Lucas-Universum etwas besser.

Vielen Dank für das Interview!

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