„Ich selbst schimpfe mich eigentlich nicht Politiker.“ - Interview mit Hans-Jörg Moigg

Hans-Jörg Moigg ist Bürgermeister von Mayrhofen. Ich konnte mit ihm ein Interview führen.

(c) https://www.mayrhofen.tirol.gv.at

Politischer Paul: Was sind Ihre Neujahrsvorsätze als Privatperson und als Politiker?

Hans-Jörg Moigg: Als Privatperson: mehr Sport machen, weil das erste Jahr als Bürgermeister sehr fordernd war. Ich muss mich natürlich um die ganzen Amtsgeschäfte kümmern. 

Als Politiker: einfach so weiter machen, mit der Bevölkerung im Kontakt stehen, offen sein, fleißig sein, Sachen umsetzen, einfach das Amt mit viel Freude und viel Tatendrang ausüben.


Politischer Paul: Was würden Sie als Ihren größten Erfolg bezeichnen?

Hans-Jörg Moigg: Dass wir im Gemeinderat ein gutes Klima haben, über alle Listen hinweg, dass wir eigentlich sehr viele Beschlüsse einstimmig fassen. Das freut mich, denn ich bin als Person ein Konsensmensch und es kostet zwar viel Zeit, aber es ist, wenn es dann durchgeht, sehr schön.


 Politischer Paul: Sie waren 12 Jahre im Gemeindevorstand, jetzt sind Sie Bürgermeister. Was hat Sie aber dazu bewegt in die Politik zu gehen und als Bürgermeister aktiv zu werden?

Hans-Jörg Moigg: Ich war eigentlich immer politisch interessiert, schon von Kindheit weg. Hab immer Nachrichten geschaut, das hat mich immer interessiert und etwas in meinem Heimatort tun zu können war immer ein Wunsch von mir. Mich einsetzen, weil einfach mir mein Ort am Herzen liegt. Ich bin hier aufgewachsen und einfach ein Mayrhofer und das ist für mich ganz, ganz wichtig, da einfach etwas umsetzen zu können.


Politischer Paul: Als nächstes möchte ich gerne mit Ihnen über ein paar politische Themen sprechen: Wie kann die Zukunft Mayrhofens mit dem Team Hans Jörg Moigg bei der Digitalisierung aussehen?

Hans-Jörg Moigg: Wir haben die letzten Jahre sehr viel Geld investiert ins Breitband und Glasfasernetzausbau. Das ist sicher jetzt nächstes Jahr wieder was zum Ausbauen, damit wir Mayrhofen großflächig abdecken können. Denn das ist das Um und Auf für die Digitalisierung.

Im Amt hat sich digital auch schon viel abgestimmt. Das Buchungssystem und die interne Kommunikation mit eigenen Programmen. Da sind wir dann auch gut aufgestellt.

Was heuer dann neu kommt: Es gibt bei den Mautstraßen keinen Schranken mehr, man muss über App zahlen. Der Bund betreibt ja die Mautstraßen und die Parkplätze werden online verkauft.

 

5.       Politischer Paul: Wie kann die Zukunft Mayrhofens mit dem Team Hans Jörg Moigg bei Klimaschutz aussehen?

Hans-Jörg Moigg: Ja, wir sind Klimabündnisgemeinde und als solche unterstützen wir auch den Klimaschutz ordentlich mit 400.000€ und hoffen, dass es fürs nächste einmal reicht. Auf Gemeindedächern PV ist mein Ziel. Da der Ökostrom so hoch ist, darf es auch ein bisschen Nutzen sein und eventuell Energiegemeinschaften bilden. Beim Bauhof ist es von der Sonne her nicht schlecht, aber da braucht man fast keinen Strom. Da könnte man eine Energiegemeinschaft mit dem Europahaus, das im Sommer viel Strom braucht, bilden. Doch was die Zukunft bringt, muss man noch überlegen. Aber für die Natur und Klimaschutz ist das wichtig. Wir haben auch die Beleuchtungszeiten der Straßenbeleuchtung zurückgedreht. Das ist zwar nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber wenn jeder was tut, ist dem Klima auch geholfen.

 

6.       Politischer Paul: Da man in der letzten Zeit immer wieder von Korruption in der Politik gehört hat, wollte ich fragen, ob es in Mayrhofen Korruption gibt und was man gegen besagte Korruption tun kann?

Hans-Jörg Moigg: Also ich glaube nicht, dass es bei uns Korruption gibt, weil wir so kleinstrukturiert sind, dass jeder auf jeden schaut. Dadurch gab es für mich da auch nie eine Berührung mit dem. Bei uns ist Korruption eigentlich nicht vorhanden.


Politischer Paul: Wie kann die Zukunft Mayrhofens mit dem Team Hans Jörg Moigg bei Tourismus aussehen? Hat der derzeitige Tourismus überhaupt eine Zukunft? 

Hans-Jörg Moigg: Ja, natürlich. Ich denke unser Tourismus ist gut aufgestellt, weil wir eine intakte Natur haben. Doch natürlich muss man aufpassen und man muss schon nachdenken, wie viel Verkehr und wie viel Betten man noch vertragt. Aber da gibt es vom Planungsverband Zillertal eine Strategie, dass man bei 50.000 Betten Schluss macht, keine großen Betriebe mehr Widmungen bekommen, nur bestehende Betriebe sich erweitern und ihre Infrastruktur ausbauen können. Statt immer mehr sollte man mehr auf Qualität setzen. Und es wird auch beispielsweise aus 3 Zimmer 2 Zimmer gemacht. Wenn man weniger Betten hat, braucht man auch weniger Mitarbeiter.


Politischer Paul: Was ist Ihrer Meinung nach das größte Problem von Mayrhofner Jugendliche? Wie entgegnen Sie dem politisch als Bürgermeister?

Hans-Jörg Moigg: Grundsätzlich bietet Mayrhofen viel Möglichkeiten für junge Leute, ob das jetzt die Vereine sind, oder der Jugendtreff zweimal die Woche ist, da gibt es einiges. Mein Wunsch ist, dass Jugendliche in Vereinen aktiv sind und sozial sind. Ob das jetzt Ortschronik ist, ob das jetzt der Fußballclub oder die Schützengilde ist. Da müssen wir schauen, dass die jugendliche da Platz haben und unterstützt werden. Denn dann kann man auch gewisse Probleme, die den Jugendlichen daheim entgegenwirken, sei es auch Alkohol- und Energykonsum, entgegenwirken.

 

9.       Politischer Paul: Was ist Ihr Rat für Schüler*innen nach der Matura?

Hans-Jörg Moigg: In die Welt rausgehen, Gedanken sammeln und wieder heim kommen und das umsetzen. Es gehen viel zu wenige für ein halbes Jahr ins Ausland. Es ist aber schon wichtig, da das den Horizont öffnet. Das ist ganz wichtig. Jetzt ist ja auch das Reisen kein Problem mehr, beispielsweise gibt es keine Reisebeschränkungen mehr, sondern das Reisen wird durch Interrail erleichtert. Und Leistung zu erbringen. Wenn man arbeitet, muss die Politik auch schauen, dass sich das Arbeiten lohnt. Denn wenn dir mit dem Arbeiten nicht mal eine Wohnung mieten kannst, fehlt dir die Motivation. Und da muss die Politik schauen, dass man auf einem guten Weg ist, dass man sich was schaffen kann.


Politischer Paul: Wie kann man Jugendliche mehr für Kommunalpolitik begeistern?

Hans-Jörg Moigg: Wenn ich das alles wüsste, dann müsste ich Jugendstaatssekretär werden. Also eine Maßnahme die ich gesetzt habe ist, dass die Poly-Schüler in die Gemeinde eingeladen werden und ein oder zwei Tage im öffentlichen Bereich mitarbeiten dürfen. Zuerst erfahren sie allgemeines über Mayrhofen und da hören sie eigentlich sehr gut zu. Bei der Jungbürgerfeier bleibe ich beispielsweise auch sitzen und rede mit ihnen. Und so kannst du natürlich ein bisschen das Politikinteresse wecken. Ich habe in meiner Liste auch einige junge Leute in die Ausschüssen eingeladen. Ich selbst schimpfe mich eigentlich nicht Politiker, sondern betreibe nur Einsatz für die Gemeinde. Eine sehr schöne Arbeit, die mir sehr viel Arbeit macht. Dies will ich auch an die jungen Leute weitergeben.

 

Vielen Dank fürs Interview!

 

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