"Wir haben für uns auch die Losung helfen statt reden, unser Anliegen ist es nützliche Politik zu machen" - Interview mit Robert Krotzer
Robert Krotzer ist Gesundheitsstadrat in Graz für die KPÖ. Ich konnte mit ihm ein Interview führen. Doch wer er ist, kann er am besten selbst erklären:
Dann möchte
ich Sie herzlichst zum Interview begrüßen und zunächst ein bisschen was über Sie
als Prviatperson erfahren: Was sind Ihre Pläne für 2023 als Politiker und
Privatperson erfahren?
Ich bedanke mich
für das Interesse und die Einladung. Mein Name ist Robert Krotzer, ich darf in
der Stadt Graz seit 2017 Stadtrat sein für Gesundheit und Pflege, für die KPÖ –
Bin als solcher auch Kollege von Elke Kahr, die seit 2021 Bürgermeisterin ist
und seither darf ich auch noch zuständig sein für die Themenbereiche
geriatrische Gesundheitszentren, Kinderintegration. Ich bin 35 Jahre,
eigentlich gelernter Lehrer für Deutsch und Geschichte und bin seit 2013 Grazer
Gemeinderat. Das Jahr 2023 ist eh schon voll im Laufen und wir haben eine ganze
Reihe von Aktivitäten, wir haben viele Planungen vor, der große Schwerpunkt ist
der Aufbau einer Gesundheitsdrehscheibe als niederschwellige Anlaufstelle für alle
Fragen rund um Gesundheit, wo es um Weitervermittlung geht, wo es um
gesundheitsvermittelnde Angebote geht, das ist aktuell ein ganz großer
Schwerpunkt, der uns sehr beschäftigt und bei dem noch vor dem Sommer die Tore
geöffnet werden sollen und das der Bevölkerung zur Verfügung stehen sollte.
Warum haben
Sie sich entschieden, politisch aktiv zu werden und warum genau für die KPÖ?
Bei mir war die
Politisierung sehr früh, begonnen hat es im Jahr 2000 bei der ersten
Schwarz-Blauen Koalition. Als 13-14 jähriger war das für mich ein großer
Einschnitt und es hat damals auch eine große Protestbewegung gegeben, die ich
auch Interesse verfolg habe und wo ich auch zum Schluss gekommen bin, dass ich
eigentlich nicht tatenlos in einem Land leben will, wo eine Partei mit an der
Macht ist, die rassistische Kampagnen für Wahlen und für Politik führt. Gegen
eine rechte Regierung zu sein hat mich von Kopf und Bauch nach links gebracht.
Und da war es eben auch die geschichtliche Auseinandersetzung mit der Zeit des
antifaschistischen Widerstandes und dann auch das Kennenlernen von
Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfern, die in der KPÖ tätig gewesen
sind und auch für mich große Vorbilder gewesen sind. Das hat mich zur
kommunistischen Jugend geführt, damals noch in Braunau am Inn, wo ich selbst
herkomme und war dort in einer Jugendgruppe aktiv und bin 2007 nach Graz zum
Studieren gekommen, dort bin ich weiterhin politisich tätig gewesen und dann
2012 – überraschend – im Gemeinderat gewesen. Es war weder beabsichtigt Gemeinderat
zu werden noch Stadtrat sondern hat sich einfach aus Engagement ergeben, sehr
stark auch sozialpolitisch in diversen Bewegungen und Auseinandersertzungen.
Was würden Sie
als Ihren bisher größten Erfolg bezeichnen?
Der größte
Erfolg, sozusagen die größte Errungenschaft, die den Menschen das Leben
wirklich leichter macht, ist, dass wir 2012/18? in Graz ein Modell eingeführt
haben für die Hauskrankenpflege, für pflegebedürftige Kranke, die daheim
wohnen, dass wir seither in Graz absichern, dass ihnen zumindest die
Mindestpension verbleibt, dass sonst auch Pflegekosten auch von der Stadt
übernommen werden, damit sich Menschen Wohnen, Lebensmittel und alles weitere
leisten können. Mit 1. Juli konnten wir mit Drängen erreichen, dass das auch
steiermarkweit ausgerollt wird und das ist sicher das was in all den Jahren und
weiterhin für viele Menschen am meisten bringt.
Wie kann man
als Stadtrat in Graz für die Befreiung
des Proletariats aktiv mitwirken und sie ein Stück näher bringen?
Was wir ganz
konkret machen ist, dass wir Menschen in vielen Lebenssituationen unterstützen,
beraten und begleiten. Wir haben bei uns im Büro offene Türen und
Sprechstunden, wo Menschen unterschiedlichster Berufsgruppen mit
unterschiedlichsten Problemlagen zu uns kommen und wo es ganz konkret darum
geht, Menschen in schwierigen Situationen zu helfen. Wir haben für uns auch die
Losung helfen statt reden, unser Anliegen ist es nützliche Politik zu machen,
wo wir Beratungstätigkeit machen und unterstützen und helfen und ihnen eine
finanzielle Unterstützung geben. Wir haben als KPÖ eine Gehaltsobergrenze wo
wir als KPÖ-Politiker*innen 2/3 unseres Einkommens weitergeben und damit
Menschen in Notlagen unterstützen. Gleichzeitig ist es uns ein Anliegen die
sozialen Anliegen der breiten Mehrheitsbevölkerung einen Ausdruck zu verleihen,
eine Stimme zu sein und politisch Druck zu machen. Sei es bei allem rund um die
Wohnungsfrage, was für viele herkömmliche Parteien kaum eine Rolle in der
politischen Arbeit spielen, bis hin zur Pflege, wo wir auch sehr stark mit
Beschäftigten zusammen für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege eintreten.
Wie kann man
leistbares Wohnen schaffen?
Da ist eh schon
mal ein Stichwort gefallen: städtische Gemeindewohnungen. Das ist etwas, das
die KPÖ Graz seit vielen Jahren begleitet, dass diese städtischen
Gemeindewohnungen stark saniert wurden und der Substandard im Gemeindebau
beseitigt worden ist und die Stadt seit etlichen Jahren wieder
Gemeindewohnungen baut. Denn es braucht es ganz dringend, dass die Stadt es Personen
in schwierigen ökonomischen Situationen ermöglicht, günstigen Wohnraum zu
finden, dass auch gewissen Druck aus dem privaten Wohnungsraum rausnimmt, dass
Menschen eben eine Alternative dazu haben. Gleichzeitig gibt es eine Reihe von
Maßnahmen, die in der Stadt Graz eingeführt wurden, federführend von und mit
der KPÖ, wie ein Kautionsfond, ein Mietzinszahlung, dass niemand mehr als ein
Drittel seines Einkommens in Gemeindewohnanlagen zahlt und zuletzt auch der
Mietpreisdeckel. Es sind alleine in dieser Periode schon über 300.000 neue
Gemeindewohnungen gebaut worden. Es braucht ganz dringend, dass Menschen
günstig mit Wohnraum versorgt werden. Über das hinaus gibt es viele Forderungen
unsererseits auch an die steirische
Landesregierung. Beispielsweise ist die Wohnunterstützung des Landes seit 12
Jahren nicht erhöht worden während gleichzeitig im Zeitraum die Mieten über 40%
gestiegen sind. Das ist für uns jetzt auch über die nächsten Wochen und Monate
ein großer Schwerpunkt hier auch politisch Druck aufzubauen, um gemeinsam mit
Mieterinnen und Mietern hier deutliche Verbesserungen herbeizuführen.
Ist Graz
eigentlich rollstuhlgerecht?
Graz ist durchaus
in vielen Bereichen rollstuhlgerecht, gerade was die Innenstadt betrifft. Das
ist etwas, wo seit vielen Jahren viel Wert darauf gelegt wird. Es gibt auch ein
eigenes Referat für barrierefreies Bauen, was entsprechende Beratung und
Angebote macht und wir sind sicher noch nicht perfekt, es ist aber schon sehr
viel passiert und es geht darum es immer noch weiter zu stärken.
Wie sehen Sie
den Ukraine-Russlandkonflikt?
In erster Linie
einmal als etwas ganz schreckliches und fürchterliches, dass es Krieg gibt. Den
Krieg in der Ukraine sowie in Jemen und nachwievor in Syrien. Krieg macht so
viel hin, Krieg verursacht so viel Leid, Krieg zerstört einfach so vieles. Der
oberste Weg muss sein diesen Krieg so schnell wie möglich zu beenden, um einen
Waffenstillstand und Friedensverhandlungen. Das ist etwas, was wir eigentlich
schmerzlich vermissen, dass wir viel zu viel in der Kriegslogik drin sind und
nur schauen, wer den Krieg gewinnen kann und dass nicht gedacht wird, dass es
in einem Krieg nur Verlierer gibt. Das ist in erster Linie die Zivilbevölkerung
und hier insbesondere in der Ukraine. Das wichtigste wäre, dass die Waffen dort
zum Schweigen kommen und eine langfristige Perspektive gegeben wird.
Wie sollte
dieser Frieden aussehen? Sollte die Ukraine Gebiete abtreten?
Was im Februar
2022 passiert ist war ein Angriff auf die Souveränität der Ukraine und damit
völkerrechtswidrig. Die Souverinität sollte entsprechend des Völkerrechts
unantastbar sein und nichts was wir als Verhandlungspunkt sehen. Natürlich wird
es auch Formen brauchen, die ein friedliches Zusammenleben zwischen ukrainisch
und russischsprachigen Menschen in der Ostukraine ermöglicht. Da wird es,
fürchte ich, viele Generationen brauchen bis die Wunden, die in den letzten
Jahren aufgerissen wurden, heilen können wie auch zivile Lösung ausschauen
kann. Den Frieden in der Region sichern gibt’s sicher berufenere Menschen, aber
Fakt ist und das hat die KPÖ von Anfang an klar gestellt: Dass der russische
Einmarsch in die Ukraine völkerrechtswidrig war und auf der Basis eines
Völkerrechtsbruch sollten nicht Tatsachen geschaffen.
Ich wüsste
gerne Ihre Meinung zum Thema E-Fuels und wie Sie generell zur EU stehen. Ob Sie
es wie um den Funke zu zitieren „eine imperialistische Festung des
Kapitalismus“ sehen oder eher als eine Organisation der Zusammenarbeit.
Zu den neuen
Gesetzen traue ich mich nicht zu äußern, wir beschäftigen uns viel auf
lokalpolitischer Ebene. Da fehlen schlichtweg die Kapazitäten jeden
Gesetzesbeschluss zu verarbeiten um kundig dazu Stellung zu nehmen. Allgemein
sehen wir in der EU eine große Problematik, wie es oft auf nationaler Ebene
ist, dass sich finanzstarke Interessensgruppen gegenüber der
Mehrheitsbevölkerung durchsetzen. So verdichtet sich das in der EU-Bürokratie
nochmal mehr, es ist offenkundig und bekannt, dass in Brüssel tausende
Lobbyisten für die Industrie Einfluss nehmen. Das haben auch die letzten
Skandale gezeigt. Und dass es hier vielfach an demokratischer Kontrolle
mangelt. Da sieht man auf EU-Ebene viele Gesetze und weitreichende Entscheidungen
gerade in der Fiskalpolitik gesetzt wurden die einer neoliberalen Orientierung
folgen. Wir sehen dort vielfach die Interessen der arbeitenden Menschen aber
auch ökologische Interessen nicht als gegeben an. Von daher haben wir auch eine
grundlegende Kritik an den Strukturen der europäischen Union zumal dort auch
eine echte Demokratie nicht gegeben ist, weil das EU-Parlament nicht auf eigene
Initiative Gesetze beschließen kann.
Vielen Dank
fürs Interview!

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