"Ich bin eben auch der Ansicht, dass wir in unserem Land gewisse Meinungseliten haben" - Interview mit Laura Sachslehner
Laura Sachslehner war ÖVP Bundessekretärin und ist Gemeinderätin und Landtagsabgeordnete in Wien. Ich konnte mit ihr ein Interview führen.
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| © https://www.laurasachslehner.at/presse |
1.
Zunächst
möchte ich Sie zum Interview begrüßen und ein bisschen etwas über Sie als
Person erfahren: Was war Ihr bisher größter Erfolg?
Das ist gleich eine
schwierige Frage zum Starten, denn das ist schwer zu sagen. Ich glaube, es hat
viele unterschiedliche Erfolgsmomente für mich in den letzten Jahren gegeben,
wenn ich jetzt darüber sprechen würde, was mir am meisten bedeutet hat und was
für mich ein besonderer Moment war, wie wir das Grundmandat in der Landstraße
geschafft haben. Ich darf ja Landtagsabgeordnete sein und sitz auf einem
Wahlkreismandat in meinem Bezirk Landstraße. Dieses Mandat hatten wir davor
sehr, sehr lange nicht und es ist uns dann gelungen dieses Mandat
zurückzuerobern. Es war damals bei Corona, das heißt, es gab sehr viele
Briefwahlstimmen und das Auszählen hat sehr lange gedauert damals. Am Sonntag
war die Wahl und erst am Dienstagabend haben wir fix gewusst, dass wir das
Mandat haben. In diesen 2 Tagen habe ich alle emotionalen Zustände mitgemacht,
die es so gibt. Und als wir dann wussten, dass wir das Mandat wirklich haben,
war das wirklich besonders.
2.
Was
sind Ihre Pläne als Politikerin und Privatperson für 2023?
Also ich möchte mich
ganz bewusst auf meine Arbeit im Gemeinderat und Landtag konzentrieren. Ich hab
viele Themen, die mich beschäftigen, ich sitz im Ausschuss für Kultur und
Wissenschaft, Wohnen und Frauen, aber darüber hinaus noch ein breites
Themenportfolio. Ich bin auch Mediensprecherin der Volkspartei und hab da auch
einige Dinge geplant, auch einige Veranstaltungen und Aktionen. Es gibt
natürlich laufend Themen, mit denen man sich auseinander setzen muss. Ich bin
als Gemeinderätin in Wien in Opposition, das heißt, man hat als Opposition nur
beschränkten Handlungsspielraum. Trotzdem bin ich der Meinung, dass man immer
die Möglichkeit hat, den Scheinwerfer auf gewisse Themen zu lenken und eben
seine Rolle zu nutzen, um auf gewisse Missstände die Aufmerksamkeit zu lenken.
3.
Warum
sind Sie in die Politik gegangen?
Das war eigentlich
durch Zufall, ich hatte nie vor Politikerin zu werden. Ich hab mich damals in
der Studienzeit durch Zufall über Freunde in der Jungen ÖVP zu engagieren und
hab dann auch angefangen in der Jungen ÖVP hauptamtlich mitzuarbeiten.
Ursprünglich wollte ich in den Journalismus gehen, hab auch Publizistik
studiert, hatte nie vor Politik zu machen, hat sich dann aber so entwickelt.
Und ich bin gefragt worden, ob ich nicht für den Landtag kandidieren möchte und
hab das dann gemacht. Ich habe es nicht bereut, aber es war auch nie ein
richtiger Plan dahinter.
4.
Als
nächstes möchte ich gerne mit Ihnen über ein paar politische Themen sprechen:
Warum finden Sie, dass es für die Klimakleber einen härteren Strafbestand
bräuchte?
Ich halte es für unverantwortlich, dass man unter dem Deckmantel eines politischen Ziels jede Woche, mittlerweile jeden Tag, die öffentliche Sicherheit gefährdet. Ja, Klimaschutz ist ein wichtiges und hohes Anliegen, aber es gibt viele wichtige und ernste Themen in der Politik und Gesellschaft, wo man sich damit auseinandersetzen muss. Und wenn jeder der Meinung ist, man hört mich nicht und deshalb muss ich auf solche Aktionen zurückgreifen, die zum Teil wirklich verantwortungslos und fahrlässig sind. So funktioniert eine Gesellschaft nicht, so funktioniert ein Staat nicht, so funktioniert auch keine Demokratie. Insofern bin ich auch der Meinung, dass man insofern mit der vollen Härte unseres Rechtsstaats durchgreifen sollte.
a.
Sind
das nicht im Wesentlichen auch nur Demonstranten und Demonstrantinnen?
Nein überhaupt nicht,
was wir bei den Aktionen sehen ist, dass das völlig darüber hinaus geht. Doch
ist Demonstrieren an sich ein hohes Gut in einer Demokratie und einem Land wie
Österreich und darum geht es nicht bei deisen Aktionen. Das sagen die Klimaaktivsten selber, dass es
ihnen darum geht neue Wege zu gehen. Und zum Teil wenn man sich viele Texte und
Bücher von diesen Klimaaktivsten durchliest, merkt man auch, dass es ihnen darum
geht, die gesellschaftliche Ordnung auch irgendwie auf den Kopf zu stellen. Was
auch immer da dahinter steht, ich halte von solchen Aktionen nix und glaube,
dass dem Klimaschutz nicht geholfen ist,
wenn man jeden Tag die Leute auf dem Weg zur Arbeit belästigt.
5.
Haben
Sie das Gefühl, dass man heutzutage Sachen nicht mehr sagen darf, die man
früher sehr wohl sagen hat dürfen?
Ja und Nein, ich
glaube schon, dass man auch in einer Zeit wie jetzt, darauf achtet, wie man
spricht und dass es auch Grenzen des Sagbaren gibt. Ich bin aber schon der
Meinung, dass es übertrieben ist, über was da diskutiert wird. Ich bin eben
auch der Ansicht, dass wir in unserem
Land gewisse Meinungseliten haben, auf Social Media, Medienvertreter,
Meinungsmacher und darüber hinaus, sozusagen meinen, dass was für sie in
Ordnung ist, man sagen kann und alles was davon abweicht, darf man nicht sagen
und wird an den Pranger gestellt. Wenn man sich anschaut, was wir für Debatten
in der Öffentlichkeit führen, zum Beispiel ob man den Radetzky-Marsch noch
spielen oder Winnetou-Filme noch zeigen darf. Das sind alles Kulturgüter und
darüber solche Debatten zu führen, halte ich für absolut entbehrlich.
6.
Wie
könnte man Meinung in die Politik zurückbringen?
Ich glaube, dass
funktioniert nur, wenn wir eine ehrliche und kritische politische
Auseinandersetzung haben wollen, nicht nur wir in der Politik, sondern auch
alle die dazugehören, also auch die Öffentlichkeit. Da muss es in Ordnung sein,
dass es unterschiedliche Meinungen in
der Politik gibt. Den Eindruck habe ich einfach nicht. Und was ich die letzten
Jahre erfahren habe, dass es gewisse Themen gibt, wo einzelne Meinungsmacher darüber
entscheiden, was in Ordnung ist. Das ist dann oft völlig abweichend von dem,
was die Bevölkerung tatsächlich bewegt und wie es die Bevölkerung sieht. DA
gibt es einen riesigen Unterschied zwischen dem, was wir in der Politik
diskutieren und dem, was die Leute tatsächlich beschäftigt. Das muss man auch
ganz selbstkritisch sagen. Und ich versuch da immer wieder darauf aufmerksam zu
machen, weil ich meine, dass wir wieder mehr Meinung in der Politik brauchen,
wieder eine echte Auseinandersetzung mit Themen, unterschiedliche Meinungen
abwägen und prüfen, kritische Diskussionen zulassen. Das muss alles wieder mehr
möglich sein.
a.
Sie
haben ja zu ebendiesem Thema ein Buch geschrieben. Geht das besser als
Gemeinde-/Landespolitikerin als wenn man im Bund ist?
Als Generalsekretärin
hätte ich nicht auch nebenbei ein Buch schreiben können, ich war im Landtag,
Gemeinderat und Generalsekretärin. Da waren meine Tage von 7 Uhr in der Früh
bis Mitternacht voll. Es war jetzt auch sehr zeitintensiv und sehr tough. Über Weihnachten
und Silvester bin ich eigentlich durchgehend gesessen und habe geschrieben,
weil ich dann auch schon ziemlich im Zeitdruck war. Es hat schon ganz gut
funktioniert war aber trotzdem sehr zeitintensiv und aufwendig. Hat mir aber
auch sehr viel Spaß gemacht.
7. Was ist Ihrer Meinung nach die Rolle der Volksparteien in den Parlamenten und der Gesellschaft?
Ich habe mal den Sager gesagt: „Ein starkes Österreich braucht eine erfolgreiche Volkspartei.“ Das meine ich nach wie vor so und hinter dem Satz stehe ich nach wie vor zu 100%. Die Volkspartei ist die größte Partei in Österreich, sie ist eine Partei, die aus allen Teilen unseres Landes, aus allen gesellschaftlichen Bereichen sich irgendwie erschließt. Wir haben unterschiedliche Bünde, weshalb wir Leute aus allen Regionen und allen Berufsgruppen aus allen Altersgruppen in unserer Partei vereinen. Dadurch bündeln sich viele unterschiedliche Meinungen in unserer Partei und das ist das wichtige und das zentrale für eine Volkspartei. Dadurch ist es in der Volkspartei oftmals vielleicht nicht so leicht, weil es unterschiedliche Meinungen sind, aber ich glaube schon, dass das der große Vorteil ist und ich glaube, dass Österreich eine Partei wie die Volkspartei immer brauchen wird.
8.
Es
ist ja in der letzten Zeit bekannt geworden, dass die ÖVP Inserate an Zeitungen
wie Österreich und CO gegeben hat, die ja eigentlich mehr oder weniger
politisch positioniert sind, scheint es von Ihrer Seite her eher okay zu sein,
wenn die Wiener SPÖ zur türkischen ZackZack Geld pumpt. Da habe ich ein Zitat
von Ihnen gefunden: „Während die Stadt jedes Jahr die Gebühren für die Wiener erhöht,
pumpt die Stadt hunderte von Euro in
eine türkische, politisch positionierte Zeitungen. Das ist in jedem Fall
abzulehnen.“ Warum ist es so, dass Sie es zu befürworten scheinen, wenn Ihre
eigene Partei Inserate in eine eindeutig politisch positionierte Zeitung
schaltet, aber es ablehnen, wenn es eine andere Partei mit einer anderen
Zeitung macht?
Naja, da muss man
schon mehrere Faktoren mitreinnehmen, du hast es jetzt verkürzt dargestellt
beim Thema Inserate. Genauso wie es in Wien Inserate gibt und an Inseraten an
sich ist eigentlich nichts schlechtes. Es gibt ein Inserat, wo alles klar
geregelt ist und es wird de facto ein Vertrag abgeschlossen, das ist ja nichts
Verwerfliches. Es gibt ein Inserat und eine klare Gegenleistung dafür,
also ist es eine Art Vertrag, die man da abschließt, das ist ja nichts
verwerfliches Und das über Inserate in der Politik kommuniziert wird, halte ich
das für in Ordnung. Wenn man sich jedoch anschaut, wie viel die Stadt Wien für
Inserate ausgibt, ist das viermal so viel, wie der Bund pro Kopf ausgibt. Das
sind exorbitante Ausgaben, die in keiner Relation stehen. Das ist dann echt exorbitant und diese
Ausgaben steigen in der Stadt wieder. Und um konkret auf das türkische Zackzack
zu sprechen zu kommen, halte ich es für absolut verwerflich, dass man einzelne
Online-Medien, die sich politisch ganz klar positionieren mit solchen Unsummen
fördert. Dieses Geld kommt aus der Wiener Medieninitiative, das ist ein Projekt
das gestartet wurde, wo Online-Medien gefördert werden sollen. Wenn man sich
anschaut, wie viel einzelne Online-Medien dort bekommen und wie viel ein
türkisches ZackZack bekommt, dann ist das einfach unfassbar unterschiedlich.
Die einen bekommen 100.000€ und der eine bekommt 8-10000€. Und das obwohl
ZackZack keine journalistische Plattform ist, sondern eine Plattform für
Politaktivismus. Warum die Stadt eine link eSeite in ausländischer Sprache mit
100.000€ jährlich fördern muss, ist mir schleierhaft.
9.
Wie
soll Ihrer Meinung nach die Asylpolitik aussehen?
Naja, wir sehen wie
die Asylpolitik jetzt, vor allem auf europäischer Ebene ist, das betrifft uns
als Österreich auch massiv, dass das Asylsystem nicht auf die Anforderungen
unserer Zeit angepasst ist. Das Ergebnis ist, dass wir in Österreich extrem
hohe Asylzahlen haben, das unser System überlastet ist. Da gibt es einiges, was
man in meinen Augen machen müsste. Doch, ganz konkret, bin ich der Meinung,
dass wir Asylverfahren auslagern müssen. Also jetzt ist es ja so, dass Menschen, wenn sie bei uns sind und
hier ihr Asylverfahren abwarten, sie natürlich dann auch hier sind und bei uns
auch bleiben. Das kann teilweise Jahre dauern. Und das erachte ich als Problem.
Denn somit ist unser System damit jedes Mal überlastet und überfordert. Daher
müssten wir Asylverfahren innerhalb der europäischen Union auslagern, damit
Menschen erst mit einem positiven Asylbescheid nach Österreich kommen. Mein
Vorschlag war unter anderem, dass man das in den europäischen Überseeterritorien machen können. Es wird seit
Jahren schon diskutiert, dass man diese Asylverfahren in Drittstaaten
auslagern. Man muss leider sagen, dass es in dieser Debatte auf europäischer
Ebene nicht viel Bewegung reinkommt, weil sich viele Länder sträuben, und man
muss auch dazu sagen, dass diese Länder nicht so hohe Asylzahlen wie wir.
a.
Wo
sollte man beispielsweise ukrainische Flüchtlinge auslagern, die mehr oder
weniger direkt zur EU kommen?
Naja, ukrainische
Vertriebene fallen da nicht darunter und haben bei uns den Vertriebenen-Status,
die sind da nicht umfasst.
10.
Wie
kann man dem Fachkräftemangel ohne Zuwanderung entgegenwirken?
Naja das ist ja ein
Märchen, dass wir durch die Asylanträge Arbeitskräfte bekommen. Denn 7/10
Asylwerber, die derzeit zu uns kommen, Analphabeten sind. Das sind ohnehin keine
Menschen die wir am Arbeitsmarkt einsetzen können. Aber ja, wir brauchen
qualifizierte Zuwanderung. Dafür müssen wir aussuchen können, wer zu uns kommt,
für die Bereiche, wo wir noch Menschen brauchen. Da ist zum Beispiel die
Rot-Weiß-Rot-Card eine extrem wichtige Maßnahme, die im letzten Jahr auch
reformiert wurde, dass da die Hemmschwellen noch niedriger sind. Aber das
entscheidende ist, dass wir nicht die unkontrollierte Zuwanderung in Europa
aussuchen, wer zu uns kommt, anhand der Menschen, die wir hier auch benötigen. So
machen das auch viele andere Staaten in anderen Teilen der Welt. Das muss
auch in Europa möglich sein.
11.
Im
Laufe von Ihrem Rücktritt als Generalsekretärin hörte man immer wieder, dass
sich die ÖVP den Grünen anbiedere. Doch in der Realität sieht man
beispielsweise, dass ein Mädchen nach Georgien abgeschoben wird und Flüchtlinge
unter anderem in Absam in Zelte unterkommen. Diese Positionen scheinen schon
eher der ÖVP als den Grünen zuzuordnen
zu sein. Doch warum dann die Behauptung, dass sich die ÖVP den Grünen
anbiedere?
Naja, das sind
unterschiedliche Dinge. Weil die Beispiele sind tagespolitische Ereignisse aus
den letzten Jahren, das sind aber keine Wünsche der Volkspartei, das waren
Notwendigkeiten, die getroffen werden mussten. Ob man das jetzt gut findet oder
nicht, kann man diskutieren. Aber das ist keine ideologische Frage der ÖVP
gewesen. Aber ich bin schon der Meinung, dass die Politik der Grünen an vielen
Punkten an vielen Punkten nicht mit der Politik der Volkspartei kompatibel ist.
Das bedeutet nicht, dass man mit den Grünen nicht auch gute Dinge auf den Weg
bringt, wenn man sich zum Beispiel die öko-soziale Steuerreform anschaut, die
Abschaffung der kalten Progression, ich könnte da jetzt viele Dinge aufzählen.
Aber trotzdem ist die extrem ideologische Positionierung der Grünen in meinen
Augen oft ein Hindernis. Gerade wenn wir uns die Migrationspolitik anschauen,
sind die Grünen bei vielen Themen nicht bereit sich zu bewegen, obwohl wir
vieles dementsprechendes mit ihnen im Regierungsprogramm vereinbart haben, was
man auch jetzt umsetzen sollte und das halte ich für schwierig.
a.
Wie
sehen Sie das im Bereich der Klimapolitik, wo die Grünen mit einem
Klimaschutzgesetz vorpreschen wollen, es aber auf der anderen Seite manche
Politiker der ÖVP zu blockieren scheinen?
Ich sehe es nicht so,
dass wir es blockieren. Wir wollen nur nicht Klimaschutz auf dem Rücken der
arbeitenden Bevölkerung. Und das ist was die Grünen zum Teil in Ihrer
ideologischen Politik oft vergessen, dass Klimaschutz und Umweltschutz total
wichtig ist. Da ist jeder in unserem Land und unserer Gesellschaft gefragt sich
da mit gewissen Themen auseinanderzusetzen, nur wenn wir dann darüber sprechen,
wie wir die Mobilität verändern und mit anderen Dingen auf dem Weg dahin
umgehen, sind die Grünen in meinen Augen in vielen Dingen viel zu radikal und
viel zu ideologisch. Da finde ich es nicht sinnvoll, wenn man solche Maßnahmen
beschließt. Also ich breche es jetzt konkret runter, zum Beispiel Tempo 100,
autofreie Städte greifen massiv in die Freiheit und Flexibilität der Menschen
ein, es ist auch eine wahnsinnig elitäre Diskussion, vieles passiert in unserem
Land ja nicht aus Jux und Tollerei, weil es sich die Menschen nicht anders
leisten können. Da geht es nicht darum aus einfacher Sturheit irgendetwas zu
blockieren, sondern wir sind ja in der Politik dazu da, um das beste für die
Wählerinnen und Wähler rauszuholen, wir haben ja eine Verpflichtung. Und da
glaube ich nicht, dass so eine Art von Politik die richtige ist.
12.
Was
ist das größte Projekt von Ihrer Seite in dieser Periode im Wiener Landtag?
In meinem Bereich gibt
es viele, aber ich spreche eines an, mit dem ich mich konkret beschäftige, da
ich gerade die Unterlagen da liegen habe. Wir haben schon vor einiger Zeit, das
war ein Antrag von mir, beschlossen, dass wir in Wien eine eigene Antisemitismusstrategie
einführen. Es gibt eine nationale Strategie gegen Antisemitismus, aber auch in
Deutschland haben einige Städte eine eigene Strategie. Und es macht auch Sinn,
dass eine Stadt wie Wien, die in diesem Bereich sehr gefordert ist und leider
steigende Zahlen von antisemitischen Straftaten hatte, eine eigene, auf Wien
angepasste Strategie ins Leben rufen. Dieser Antrag wurde damals von allen
Fraktionen einstimmig beschlossen, was ein großer Erfolg war. Trotzdem geht da
sehr wenig weiter in der Umsetzung dieser Wien weiten Antisemitismusstrategie.
Das ist ein Projekt, das mir sehr, sehr wichtig ist. Ich halte es für enorm
wichtig, dass man das nicht nur am Papier beschließen, sondern auch tatsächlich
umsetzen. Da hoffe ich auch, dass wir da in den nächsten Monaten einiges weiter
bringen.
13.
Zu
guter Letzt möchte ich mit Ihnen noch über ein paar Themen sprechen, die
besonders Jugendliche betreffen: Was ist Ihrer Meinung nach das größte Problem
von Jugendlichen? Wie entgegnen Sie dem politisch?
Ich weiß nicht, ob man
das so über einen Kamm scheren kann, weil Jugendliche nicht alle gleich sind.
Es heißt ja immer was das größte Problem von Frauen ist. Jedoch sind auch
Frauen nicht alle gleich und haben auch nicht alle die gleichen Probleme.
Also es gibt sicher unterschiedliche
Herausforderungen. Ich glaube aber, dass eines der Themen, das junge Menschen
aktuell sehr bewegt ist, wie man sich etwas aufbauen kann und Eigentum
schaffen. Da wird einem vorgeworfen, dass das super elitär sei, da sich
heutzutage eh keiner mehr Eigentum leisten kann. Aber genau das ist mien
Problem. Denn es gibt viele junge Menschen, die nicht nur im Sinn haben,
arbeiten zu gehen, damit sie sich das am Konto anschauen, sie wollen arbeiten
gehen, damit sie sich am Ende was aufbauen können und das ist eben oft auch ein
Eigenheim. Es gibt sehr viel Studien, die belegen, dass der Wunsch nach
Eigenheim nachwievor sehr stark vorhanden ist, vor allem unter jungen Menschen.
Wir müssen da wieder Modelle und Anreize schaffen, dass das wieder leichter
möglich ist. Da gibt es unterschiedliche Ideen, von Abschaffung der
Nebenkosten, Mietkaufmodelle, etc. Das ist auch ein Thema, das mir sehr wichtig
ist und wo ich mich besonders einsetze.
14.
Weil
besonders Jugendliche Teil der LGBTQ-Bewegung sind, wie könnte man dieser
Bewegung mehr Gleichstellung geben?
Ich finde, es ist
einfach wichtig, dass die Politik darauf aufmerksam macht, dass alle Menschen
in unserem Land gleich sind, die Fragen nach der sexuellen Orientierung
nebensächlich sind und alle Menschen in unserem Land die gleichen Rechte haben
und da muss die Politik das auch ordentlich vorleben. Ich glaube, dass man
trotzdem nicht den Fehler machen darf, dass man solche Debatten zu einer
politischen Frage missbraucht. Das passiert leider oft, dass einzelne Parteien
oder einzelne Politiker aus solchen Fragen versuchen politisches Kleingeld zu
wechseln. Es ist aber auf alle Fälle klar, dass wir da in der Politik eine
besondere Vorbildwirkung haben.
15.
Wie
könnte man Jugendliche mehr für Politik begeistern? Wäre hier eine Direktwahl
der LSV und BSV?
Also ich glaube, dass
direkte Demokratie, egal auf welcher Ebene immer ein guter Weg ist, um Menschen
für die Politik zu begeistern. Ich finde es schade, dass die Politik aktuell so
einen schlechten Ruf hat und aktuell immer weniger junge Menschen auch danach
streben politisch zu engagieren. Da muss sich auf der einen Seite der Diskurs
innerhalb der Politik verändern und auch dieses fokussieren auf einige wenige
Einzelthemen. Zumindest wird mir das erzählt und das bekomme ich auch mit. Da
fragen sich schon viele junge Menschen, warum man sich das antun sollte. Aber es liegt schon auch an uns Politikern,
wie schön es ist für uns Politiker sich, egal auf welcher Ebene, zu engagieren,
egal ob ehren- oder hauptamtlich. Ob es in der LSV ist oder wo auch immer und
wie viel man selbst in Opposition bewegen kann, was es für Möglichkeiten gibt,
und das geht natürlich nur, wenn man selbst viel unterwegs ist und Leute
versucht zu begeistern.
a.
Also
Direktwahl LSV/BSV ja/nein?
Ich glaube, dass LSV-
und BSV- Wahl so wie sie jetzt organisiert ist, gut funktioniert ist. Ich sehe
da keine Notwendigkeit, etwas zu ändern. Aber ich war nie in einer
Schülerorganisation aktiv, habe da selbst nie mitgetan, habe aber durch meine
Zeit in der JVP viel auseinandergesetzt und in meinen Augen hat es da immer
hervorragend funktioniert, ich weiß aber nicht, ob es da eurer Meinung nach
einen Änderungsbedarf gibt, das müsste man sich dann im Detail anschauen. Für mich
persönlich gibt es da aber keine Notwendigkeit.
16.
Was
ist Ihr Rat für SchülerInnen nach der Matura?
Also erstmal den
Sommer genießen, der ist nach der Matura besonders schön. Denn das ist der
erste Sommer, wo man danach nicht mehr in die Schule zurückkehren muss. Aber es
ist wichtig, seinen Interessen zu folgen, dass man schaut, wofür man brennt und das auch nach
der Matura, egal welchen Weg man dann einschlägt, beruflichen Weg, ob man
erstmal eine Weltreise macht, ins Ausland geht, studiert oder irgendwo anders
zum Arbeiten anfängt, dass man da versucht, diesen Interessen zu folgen. Das
ist ja das schöne daran, an der Zeit nach der Matura. Man sollte auch alles
ausprobieren, damit man dann weiß, welchen beruflichen Weg man einschlagen
will.
Vielen
Dank fürs Interview!

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