"Das bestehende System in der Schülervertretung funktioniert aus meiner Sicht gut und spiegelt auch zugleich das Funktionieren unserer Demokratie wieder." - Interview Claudia Plakolm
Claudia Plakolm ist Staatssekretärin für Jugend. Ich konnte mit ihr ein Interview führen.
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| © Kustura |
1.
Zuerst möchten wir gern
mehr über Ihre Person erfahren. Wollten Sie immer schon Politikerin werden? Was
war Ihr Berufswunsch als Schüler*in?
Politik war bei
uns daheim immer Thema am Küchentisch, weil sich in meiner Familie alle in
Vereinen oder politisch engagiert haben. Aber mein Berufswunsch war als Kind
Tierärztin und später wollte ich unbedingt zur Militärmusik.
2.
Was würden Sie als Ihre größten bisherigen
Erfolge bezeichnen?
Als Staatssekretärin darf ich seit über einem
Jahr für die Anliegen der 1,7 Millionen jungen Menschen in Österreich die
Pacemakerin in der Bundesregierung sein. In dieser Zeit konnten wir vieles
bewegen: Wir haben die Grundvergütung während des Bundesheers und des
Zivildiensts kräftig erhöht. Insgesamt bringt das den jungen Burschen 1.560
Euro während der neun Monate. Damit geht sich ein ordentlicher Einkauf beim
IKEA aus, man kann sogar ein ganzes Zimmer einrichten. Außerdem ist seit 1.
Februar die HPV-Impfung (Anm.: ein Virus,
das Krebs auslöst) bis zum 21. Lebensjahr kostenlos. Das hat bisher insgesamt
620 Euro gekostet und mit der Schutz-Impfung senkt man die Wahrscheinlichkeit
für Gebärmutterhalskrebs um bis zu 90 Prozent. Das ist ein echter Meilenstein
im Gesundheitssystem für junge Menschen.
3.
Sie haben bereits das Amt
als Landesschulsprecherin, Gemeinderätin und Nationalratsabgeordnete ausgeübt. Was
hat Ihnen aus dieser Zeit für ihr jetziges Amt bereits geholfen?
Ich habe in
dieser Zeit die Leidenschaft in mir entdeckt, viel unterwegs zu sein und mit
den Leuten in Kontakt zu sein. Politiker dürfen meiner Meinung nach nie nur aus
Wien heraus ihre Arbeit wahrnehmen, sondern müssen in Kontakt mit den Leuten
sein, zum Beispiel bei Veranstaltungen oder in Vereinen. Daran halte ich mich
heute noch und bin daher als Staatssekretärin viel unterwegs.
4.
Welche Pläne haben Sie als Privatperson und
als Politikerin für das Jahr 2023?
Mein Neujahrsvorsatz ist, dass wir das Thema
leistbares Wohnen in den Mittelpunkt rücken. Wenn junge Menschen nach ihrer
Ausbildung arbeiten gehen, müssen sie sich mit ihrem Fleiß auch ihre eigenen
vier Wände schaffen können. Das ist aktuell für viele sehr schwierig geworden
und ich setze mich dafür ein, dass zum Beispiel die staatlichen Nebengebühren
beim Kauf einer Wohnung abgeschafft oder zumindest deutlich gesenkt werden.
Außerdem soll es wieder erleichtert werden, einen Kredit bei der Bank zu
bekommen, wenn man ein Haus bauen oder eine Wohnung kaufen will.
5.
Als Nächstes würden wir mit Ihnen gerne über
politische Themen sprechen. Die deutsche Bundesregierung hat vergangenen Sommer
monatliche Tickets für Regionalbahnen für den Preis von 9€ ausgegeben, mit
denen man durchs ganze Land reisen konnte. Dies war besonders unterstützend für
die Jugendlichen in Deutschland. Das vergleichsbare Klimaticket hier in
Österreich hingegen kostet um die 68€ für Jugendliche pro Monat. Gibt es
realistische Möglichkeiten für ein vergleichbares Ticket mit dem deutschen
9€-Ticket hier in Österreich einzuführen und damit Jugendliche im Bereich der
Mobilität zu entlasten?
Das 9-Euro-Ticket hat in Deutschland zu vielen
Problemen geführt und die Kapazitäten der Deutschen Bahn überschritten. Das
System war völlig überfordert, weil nicht nur die Infrastruktur, sondern auch
das Personal dafür fehlt. Wir haben in Österreich das Klimaticket eingeführt
und viele deutsche Kollegen beneiden uns für dieses System. Außerdem gibt es
auch die Schüler-Freifahrt für die Fahrt von zuhause in die Schule. Ich bin
auch der Meinung, dass der öffentliche Verkehr nicht kostenlos sein sollte,
weil er dann weniger geschätzt werden würde. Es soll aber deutlich günstiger
sein als ein eigenes Auto zu besitzen und das ist uns mit dem Klimaticket
gelungen.
6.
Im Parteiprogramm Ihres Koalitionspartners,
der Grünen, wird gefordert, die UN-Kinderrechtskonvention verfassungsrechtlich
zu verankern. Gibt es von Ihrer Seite als Jugendstaatssekretärin zu diesem
Thema auch Pläne?
Wir arbeiten ständig daran, die Kinderrechte
in Österreich zu stärken. Ganz aktuelles Beispiel ist unser neues Kinderschutz-Paket.
Hier geht es darum, dass wir Kinder schützen, die Opfer von sexuellem
Missbrauch werden und dass wir verhindern, dass sich Erwachsene mit psychischer
Störung an ihnen vergehen. Hier werden wir die Strafen für die Täter verschärfen
und starten eine Kampagne, um mit Tabus zu brechen. Wer nämlich Opfer einer
solcher kriminellen Handlung wird, soll sich nicht darüber Gedanken machen, ob
und wem man sich anvertraut.
7.
Die Teuerung benachteiligt
Jugendliche, die mit dem Aufbau einer eigenen Existenz beginnen möchten. Was
sollte hier Ihrer Meinung nach getan werden?
Als Bundesregierung haben wir bereits viele
Maßnahmen gesetzt, um die Teuerung abzufedern. Mein zentrales Anliegen ist,
dass man sich die eigenen vier Wände schaffen kann, wenn man arbeitet und etwas
leistet. Das ist derzeit sehr schwierig, weil die Regeln zur Vergabe eines
Kredits strenger geworden sind und die Baukosten massiv gestiegen sind. Die
Kreditvergabe möchte ich deutlich erleichtern. Außerdem fallen viele
zusätzliche Gebühren ein, wenn man ein Eigenheim erwirbt. Gemeinsam mit dem
Finanzminister arbeite ich hier an einer Verbilligung für Jugendliche.
8.
Zum Schluss ein paar
Themen, die uns Jugendliche besonders interessieren. Was ist aus
Ihrer Sicht das größte Problem für Jugendliche? Wie entgegnen Sie diesem
Problem politisch?
Besonders in Zeiten, in denen eine Krise die andere
jagt, ist es für junge Menschen wichtig, eine Perspektive zu haben. Das sieht
zwar in allen Bereichen unterschiedlich aus, beruht aber immer auf dem selben
Prinzip. Wir müssen als Staat dafür sorgen, dass Junge etwas schaffen können.
Sei es nun in Fragen der mentalen Gesundheit, wo wir für junge Menschen mit
www.gesundausderkrise.at einen One-Stop-Shop eingerichtet haben, mit dem
Betroffene von der Suche nach Unterstützung bis zur Rechnungsabwicklung alles
unkompliziert aus einer Hand bekommen, oder auch im Thema Wohnen, wo wir dafür
sorgen müssen, dass sich ein junger Mensch im Laufe seines Lebens auch ein
Eigenheim schaffen kann.
9.
Wie kann man Ihrer Meinung nach junge Menschen
für Politik begeistern? Wäre hier ein Wahlrecht für alle Schüler*innen für die
Landesschüler*innenvertretung ein möglicher Weg?
Das
bestehende System in der Schülervertretung funktioniert aus meiner Sicht gut
und spiegelt auch zugleich das Funktionieren unserer Demokratie wieder. Alle
Schülerinnen und Schüler wählen ihre Schülervertretung und diese ist auch
wahlberechtigt bei der Landesschülervertretungswahl. Das ist in unserer
Demokratie und dem Parlament sehr vergleichbar und hat sich bewährt. Ich
versuche, junge Menschen vor allem so zu begeistern, dass ich über meine
Social-Media-Kanäle meine tägliche Arbeit vorstelle und so Politik auch greifbar
mache. So wie man als Bürgermeister mit der älteren Generation am Sonntag im
Wirtshaus sitzt und sich ihre Sorgen anhört, bin ich dort aktiv, wo auch wir
Jungen unterwegs sind – und das ist nun mal Social Media. Ihr könnt euch daher
gerne jederzeit mit Anliegen und Ideen bei mir melden.
10.
Was würden Sie
Maturantinnen und Maturanten für die Zeit nach der Schule als Tipp geben?
Die Zeit nach der Matura ist sicher eine der aufregendsten und schönsten
im Leben, die auch zeitgleich mit vielen Entscheidungen verbunden ist: Will ich
ein Studium beginnen oder doch gleich in der Arbeitswelt durchstarten? Für mich
ist klar: Nur was man gerne macht, macht
man auch gut. Der Arbeitsmarkt in Österreich sucht derzeit in fast allen
Bereichen qualifizierte Fachkräfte. Daher halte ich es für enorm wichtig, sich
auf Bereiche zu konzentrieren, in denen man auch bereit ist, mit vollem Einsatz
am bestmöglichen Ergebnis zu arbeiten.

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