"Auf der einen Seite kann es zu viel sein, auf der anderen Seite kann es nie zu viel sein." Interview mit Flora Schmudermayer

Flora Schmudermayer ist Bundesschulsprecherin. Ich konnte mit ihr ein Interview führen.

                Foto: APA/Helmut Fohringer


Ich würde dich gerne zum Interview begrüßen und zuerst ein bisschen was über Sie als Person erfahren: Was würden Sie als Ihren größten Erfolg bezeichnen?

2 Antworten:

1)      Eine Flora-Antwort: dass ich bis jetzt immer ehrlich war zu mir selbst und zu den Schüler*innen und Schülern und mich nicht aufgrund irgendeiner Einflüsse verstellt habe

2)      Ab jetzt dürfen Schülerinnen und Schüler den Lehrplan mitgestalten – einfach die Umfrage auf www.demokratiemachtschule.at ausfüllen und dann wird ein Jugendbericht geschrieben und als Grundlage für die Lehrplandiskussion mitreingenommen. Bis jetzt haben wir immer nur die Stellungsnahmen lesen dürfen und unseren Senf dazugeben. Aber jetzt Schülerinnen und Schüler daran beteiligen zu lassen, ist echt cool

Was werden Sie nach Ihrem Amt als Bundesschulsprecherin machen? Gibt es da schon Pläne?

Hoffentlich nicht mehr an der Schule sein, das ist mal Ziel 1 und dann geht es für mich an die TU, Raumplanung studieren, da fangt jetzt der Bewerbungsprozess an und ansonsten werde ich wieder mehr zu den Pfadis gehen, das hat heuer ein bisschen unter der Zeit leiden müssen, und noch das ein oder andere entdecken, das ich mit der freien Zeit machen kann.

Wie läuft der Alltag als Bundesschulsprecherin ab?

Jeder Tag fangt gleich an, ich steh irgendwann mal auf, meistens recht früh im Internat. Das heißt der Schulweg ist recht kurz. An den meisten Tagen bin ich schon an der Schule, manchmal fahre ich halt früher, an manchen Tagen bin ich nicht an der schule. Meistens startet nach der Schule dann das ehrenamtliche Engagement so richtig, weil da gibt es dann Termine, sei es Interviews, Podiumsdiskussionen oder öffentlichkeitsarbeit oder Stakeholdertermine mit Bildungsinitiativen, Politiker*innen oder die dritte Schiene Treffen mit der Bundesschüler_innenvertretung. Das heißt einmal öffentlichkeitswirksam, einmal an die Politik und einmal als quasi, he ich bin Interessensvertretung und deshalb kenne ich mich da aus. Da braucht es auch Grundlagen, was da so passiert in dieser Interessensvertretung. Dann geht es meist um 21:00 ins Internat, weil um 21:00 haben wir Sperrfrist, da ist Schicht im Schacht. Dann wird der Laptop aufgeklappt, an Forderungspapieren, Listen, Protokollen, Layouts usw., da gibt’s recht viel, gearbeitet und geplant. Doch reicht das meist nicht mit der Zeit aus und deswegen passiert da auch viel während dem Unterricht. Meine Lehrer sind da Gott sei Dank recht entspannt, dass ich meist auch im Unterricht am Laptop sitz. Und meist zwischen 10-11 wird das Schulzeug auch so schnell wie möglich und so effizent wie möglich an Ausarbeitungen, Referaten und Lernsachen gearbeitet.

Als nächstes würde ich gerne ein bisschen mit Ihnen über politische Themen sprechen:Was ist das Problem auf das Sie sich in Ihrem Jahr als Bundesschulsprecherin fokussieren?

Wir arbeiten grundsätzlich nur in der Bildungspolitik, Bildungspolitik ist das Spektrum, in dem wir uns bewegen. Wir haben heuer 5  Schwerpunkte gesetzt: Demokratiebildung, Bildung International, Wirtschafts- und Finanzbildung, Fachenglisch an Fachberufsschulen und Berufsorientierung. Das sind die 5 Themenschwerpunkte, die wir am Anfang vom Jahr gesetzt haben, da setzen wir Fokuspunkte. Dann haben wir die Kamapgne „Bildung ist auch dein Kaffee“ gestartet, weil jetzt kommt es zum größten Problem, ich der Meinung bin, dass man viele Themen schon weiß und die Forderungen von Schülerinnen und Schülern am Tisch liegen, es aber noch nicht das Bild der idealen Schule gibt. Da wollen wir die Brainpower der 1,1 Mio. Schüler*innen von Österreich nutzen und werden auch noch eine Umfrage dieses Jahr machen, wo es darum geht utopische Ideen für die perfekte Schule zu finden, Dinge die nicht umsetzbar sind, aber Richtung weg der Schule sind und die perfekte Schule abbilden. Diese neuen Forderungen, die hoffentlich auch  der Politik unbekannt sind, wollen wir dann einen Überraschungseffekt erzeugen und sagen: „He, wir Kinder und Jugendliche stellen uns so eine perfekte Schule vor. Die ist durchdacht und die ist geplant und wollen somit eine Veränderung im Bildungssystem erreichen!"

Was kann Schule mehr bei dem Umgang von ChatGPT?

Generell damit anfangen, machen schon ein paar, aber bei weitem nicht alle. Es gibt jetzt das Fach Digitale Grundbildung in der Sekundarstufe 1, der Unterstufe und Mittelschule. Da muss ganz klar angesetzt werden, dass man das in den Unterricht einbindet. Denn im Endeffekt ersetzt es sehr viele Strukturen, die wir bisher kennen. Und das ist ein Prozess mit dem Lehrpersonen aber auch Schülerinnen und Schüler zurechtkommen müssen. Man muss sich einfach trauen und mutig sein und mit dem Flow der Digitalisierung mitgehen. 

Was kann Schule mehr bei psychosozialer Hilfe?

Unterstützen. Es gibt einfach viel zu wenig, die Hemmschwellen sind viel zu groß, es muss unterschwellig ein vielfältiges Angebot geben für Schülerinnen und Schüler, die in der Schule Thematiken haben, aber auch alles rundherum. Denn wir sagen, Schule ist der Anknüpfungspunkt, der uns beim erwachsenwerden begleitet. Wenn zum Beispiel im Elternhaus etwas nicht passt, dann werden sie in der Schule rauskommen. DA sollte darüber gesprochen werden, sensibilisiert werden und auch außerhalb  des Unterrichts unterstützt werden.

Was kann Schule mehr bei politischer Bildung?

Ein eigenes Pflichtfach. Denn bis jetzt ist es verankert in Geschichte und Politische Bildung und in der Theorie klingt der Lehrplan recht cool, aber in Praxis funktioniert die Fächerkoppelung einfach nicht, dass die Geschichtelehrpersonen einen sehr starken Fokus auf Geschichte legen. Ich möchte jetzt nicht Geschichte die Wichtigkeit absprechen, wir merken aber, dass politische Bildung zu kurz kommt. Da wir in einem Zeitalter von Politik und Wissenschaftsverdrossenheit leben, ist es wichtig da diese Grundlagen zu übermitteln und da vor allem das politische Interesse zu wecken. Denn wir sind die Generation von morgen und sollen uns mehr für Politik interessieren, da man so viel verändern kann.

Soll das Schulfach Politische Bildung zusätzlich oder statt einem anderen Fach installiert werden?

Wir fordern es jetzt einmal als eigenes Pflichtfach, weil wir sagen, dass es uns wichtig ist und bisher ist es zu wenig verankert. Fächerstreichungen sind schwierig, weil da immer eine große Interessensgruppe dahinter steht, die sagt, dass das so nicht geht. Wir sind aber der Meinung, dass viel zu viel im Lehrplan drinsteht und man da ein bisschen entrümpeln muss, aber wie es in der besten Form existieren kann, übergeben wir an die Bildungsexpert_innen im pädagogischen Bereich.

Was kann Schule mehr bei Schulautonomie?

Das ist recht spannend. Auf der einen Seite kann es zu viel sein, auf der anderen Seite kann es nie zu viel sein. Wenn jede Schule und jede Kurie, Schüler_innen, Lehrpersonen, Eltern und die Direktion, wohl wollen und das beste für die Schule wollen, kann die Schule auch autonom funktionieren. Aber nachdem wir ja wissen, dass nicht jede Schule super innovativ und im Sinne der Schüler_innen denkt, braucht es da gewisse Regelungen, wo wir sagen, he das sind die Fixpunkte. Da muss man den Einklang finden und den gesetzlichen Rahmen so setzen, dass die Schule den Spielraum hat Veränderungen zu erzielen ohne dabei an Grenzen zu stoßen, auf der anderen Seite der Leitfaden wie Schule funktionieren kann und soll, damit da kein Negativbeispiel entsteht.

Was kann Schule mehr bei der Vorbereitung für die Welt da draußen?

Sich mal anschauen, welchen Bildungswert Schule eigentlich hat oder was das Ziel von Schule ist. Denn grundsätzlich ist das Ziel ja das Werkzeug für draußen in die Hände geben und sich da noch die Arbeitswelt anschauen, was die Kompetenzen sind, die man jetzt braucht. Man hört ja immer wieder von Personen, die bereits die Schule abgeschlossen hat: „80% der Dinge, die ich in der Schule gelernt habe, brauche ich eigentlich a) gar nicht und habe ich b) vergessen.“ Da muss man sich anschauen wie man mit der sozialen Kompetenz umgeht und was die generellen Kompetenzen, von Kommunikation, Projektorganisation, in der Gesellschaft groß werden, im Arbeitsleben groß werden und die sollte man dann auch in der Schule behandeln und Interesse wecken.

Finden Sie die derzeitigen Maturaregeln fair?

Ich glaube, dass es wichtig ist, da die Matura auch was im internationalen Vergleich darstellt. Daher ist es wichtig da auch konstante Regeln zu haben, jetzt hat das in den letzten 3 Jahren einiges aufgewirbelt, da die Matura in den letzten 3 Jahren einiges anders ausgeschaut hat. Deswegen sprechen wir uns als BSV aus, dass die Zentralmatura angeschaut und evaluiert wird, denn die Zentralmatura gibt es erst seit 2017, also noch gar nicht so lange und 2 außerordentliche Jahre waren da auch dabei. Nun wollen wir uns mit der diesjährigen, quasi normalen Matura anschauen, was gut und was schlecht funktioniert und dieses Ergebnis als Schraube für die Langfristigkeit stellen. Denn perfekt ist sie nicht, gerade wenn man sich anschaut, welche Hilfsmittel verwendet dürfen und auch die Thematik, dass ChatGPT die Matura geschafft hat. Das sind Themen die man sich mit der Evaluierung eben anschauen muss.

Wie sehen Sie die sozialen Medien im Bereich von Schule und Politik? Sehen Sie das eher gut oder eher schlecht?

Da sind wir wieder beim Thema Werkzeug mitgeben und ich glaube, dass social Media das ist, was uns als Kinder und Jugendliche sehr stark beschäftigt und auch weiterhin sehr beschäftigen wird. Daher ist es wichtig sich anzuschauen, was falsch ist, welche Werte vermittelt werden, usw. Also Fake-News-Analyse, etc. etc. Wir sind wieder bei einer ähnlichen Thematik wie ChatGPT: Nicht ablehnen sondern weiterentwickeln, Technik nutzen, Ressourcen nutzen. Ich bin auch der Meinung, dass man über social Media sehr viel lernen kann, man muss nur wissen wie und sich drüber trauen.

Was wären die tollen Neuerungen an MOST, wie aus Ihrem Tiktok von vor 2 Tagen erkenntlich?

Weniger Leistungsdruck, weil bei der NOST hat man die Park-Prüfungen, einen massiven Semesterstress und eventuell vor der Matura das Problem das man sich im Maturajahr etwas von der ersten Oberstufe ausbessern muss. MOST würde mehr Individualisierung bieten, man hat die Möglichkeit sich stärker nach seinen Interessen weiterzubilden. Wenn man sich nach seinen Interessen weiterbilden kann ist mehr Motivation dahinter und die Leistungen besser.

 

@flora.schmudi

♬ original sound - Cassandra

Vielen Dank fürs Interview!

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