" Ich sehe den Klimaschutz als eine technologische Möglichkeit, als eine innovative Möglichkeit, " - Interview mit Wilfried Haslauer
Wilfried Haslauer ist Landeshauptmann von Salzburg und kandidiert mit der Salzburger Volkspartei für die Salzburger Landtagswahl am 23.4.2023 erneut als Landeshauptmann
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| © Land Salzburg |
1) Was ist Ihr bisher größter Erfolg?
Es ist immer ein bisschen schwierig, wenn man sich selber belobigen muss, aber es sind ein paar Dinge gelungen. Ich glaube, das wichtigste sind die Akzente in der Bildungspolitik, wir haben den Talentecheck und den Karrierecheck eingeführt, das heißt jeder und jede fünfzehnjährige wird auf die Talente hin untersucht, in einem Talenteparkour, der dauert 3-4 Stunden. Wir wollen die Jugendlichen nicht nach ihren Schwächen definieren, die ausgemerzt gehören, sondern nach ihren Talenten. Denn wenn man talentiert ist, dann macht man es gut und wenn man es gut macht, macht man es gern. Da kann man dann auch Fehlkarrieren vermeiden und jeder Jugendliche bekommt dann mit den Erziehungsberechtigten von den Bildungspsychologen, die einem sagen, ob weiterhin die Schule zu besuchen oder ein Schwenk direkt rein in die Arbeitswelt für einen besser ist. Das ist eine Hilfestellung, die wir anbieten. Etwas ähnliches auch für die Matura, denn wir haben festgestellt, dass viele MaturantInnen nicht wissen, wo es nach der Matura hingehen soll.Das ist das eine. Zweitens das Unterrichtsprinzip Entrepreneurship eingeführt an 118 Schulen im Land, mit dem Ziel dass die jungen Leute selbst aktiv werden, selbst wirksam werden und erkennen, dass nicht durch Hineinstopfen von Wissen der Weg beschritten werden kann, sondern durch aktives, unternehmerisches Tun. Wir haben schon im Kindergarten begonnen mit der Spürnasenecke, um sie mit technischen Laborarbeiten vertraut zu machen und wir haben jetzt mit Herbst 10 MINT-Mittelschulen, eine IT-HTL, ein englisches Gymnasium und eine englische Volksschule gegründet. Und auf den Universitäten tut sich ebenfalls sehr, sehr viel, wir haben eine Fakultät für Digitales und Analytische Wissenschaften. Denn das Thema Digitalisierung ist für uns von ganz entscheidender Bedeutung. Ich persönlich glaube, was unsere Spitzenrolle in Österreich, was geringe Arbeitslosigkeit betrifft, auch damit zu tun hat, dass wir die vielfältigen Bildungsstrukturen vom Kindergarten bis zur Universität bis zur Fachhochschule die großen Durchlässigkeiten für viele sehr, sehr positiv sind.
2) Wie kann man Salzburg fit für die Digitalisierung machen?
Die Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft und die gesellschaftlichen Abläufe extrem. Man kann das nicht hoch genug einschätzen. Nehmen Sie mal den gesamten Komplex Social Media, was das für die Gesellschaft bedeutet, welche Änderungen sich da ergeben, bis hin zu den Produktionsmethoden, bis hin zu den persönlichen Kontakten, bis hin zu den Unterrichtsmethoden. Wir haben beschlossen, dass wir Educational Technologies anschaffen. Es gibt da sehr, sehr viele Firmen, die digitale Lern- und Fortbildungsinhalte vermitteln. Im Schulbereich wie auch bei der betrieblichen Fortbildung. Da setzen wir einen Schwerpunkt hinein. In diesem Bereich haben wir das größte Forschungsunterstützungsvolumen, das das Land je ausgereicht hat, mit mehreren Stiftungsprofessoren und Posthochstellen. Vor allem der Bereich Cybersicherheit ist uns sehr wichtig. Denn Cybersicherheit ist eine der ganz großen Bedrohungslagen, die wir haben, für jedes Unternehmen, für die öffentlichen Stätten und für das Land. Stellen Sie sich vor, das Land würde gehackt werden und die EDV steht still. Wir können dann keine Sozialhilfe mehr ausbezahlen und die Leute haben nichts mehr zum Essen. Diese Abhängigkeiten muss man technisch und sogar gesellschaftswissenschaftlich ergründen und erforschen. Das ist auch ein Riesengeschäftsmodell, sowohl für die dunklen Elemente in unserer Gesellschaft, Kriminelle, als auch für Firmen, die ein Angebot haben, die das Bedürfnis haben, sich abzusichern. Da wird sich noch sehr, sehr tun und daher ist das ein ganz wichtiger wirtschaftspolitischer Zugang, den wir auch auf Handelsakademie-Ebene absichern, indem wir in Tamsweg eine HAK haben, die sich auf Cybersicherheit spezialisiert in Zusammenarbeit mit der Polizei. Da sind wir ein großes Bildungsfeld.
3) Wie kann man Salzburg klimafit machen?
Der Klimawandel hat mehrere Facetten. Aber ich will mich kurz halten. Das
eine ist die Energie. Da müssen wir entscheidend schneller in den Verfahren
werden, da geht es um zusätzliche Photovoltaik, Wasserkraftwerke, aber auch
Windkraftwerke. Wir sehen die Windkraft positiv. Ich selbst war nicht immer der
Meinung, da ich auch landschaftsästhetische Bedenken habe, aber wir haben einen
Windzonenplan über das Land gelegt und die Standorte mit ausreichend Wind
identifiziert. Und dort sollen auch Windräder hinkommen könne. Wir haben
allerdings das Problem, dass diejenigen, die am lautesten nach der Windkraft
rufen, auch die effizientesten Behinderer sind. Daher braucht man hier klare
Direktiven und verfahrensgebende Maßnahmen. Nehmen Sie das Kraftwerk
Stegenwald, Verfahrensdauer mittlerweile über 10 Jahre. So geht das nicht. Wir
haben auch ein strategisches Interesse, autark von russischem Gas zu werden.
Die Bereiche erneuerbare Energie in der Stromgewinnung und dem Wärmebereich
setzen wir relativ stark auf Investitionen. Dazu kommt der Bereich der
Mobilitätswende. Der ist jedoch nur wettbewerbsfähig, wenn er pünktlich,
schneller und komfortabler als der Individualverkehr ist. Da sind ganz große
Investitionen im Gang, unterirdische Durchquerung der Stadt Salzburg mit
Ausgängen in der Stadt selbst, vom Hauptbahnhof bis zur Endstrecke Hallein. Von
Kössen in die Stadt werden wir vierspurig, sodass neben dem Güterverkehr auch
noch zusätzliche Regionallinien fahren können, das durch Zusammenarbeit mit der
ÖBB passiert. Wir haben in der Lokalbahn zweigleisig und haben 190 neue Züge
bestellt. Das ist der eine Komplex, der zweite Komplex sind die Tickets.
365€-Ticket sparst du dir über 1200€ im Jahr, wir haben das Edelweiß-Ticket für
Senioren mit 187€, das Studententicket mit 137€ pro Semester. Das sind alles
sehr, sehr attraktive Angebote und der dritte Block sind die Kurse, die
Intervallkürzungen im Fernverkehr. Da sind wir eigentlich ganz gut unterwegs.
In der nächsten Periode sollte man einen Schwerpunkt auf die Sanierung in der
Wohnbauförderung legen, das halte ich für relativ wichtig, da gerade vom
häuslichen Bereich noch sehr viel Emissionen ausgehen.
Und ein vierter Punkt, was den Klimawandel betrifft, ist ein viel stärkeres
Beachten der biogenen Kreislaufwirtschaft. Es gibt da hochinteressante
Forschungs- und Anwendungsmöglichkeiten, vor allem im Bereich Holz, wo wir
große Kompetenz haben. Ich halte überhaupt nichts von Klimaschutz, der religiös
aufgeladen ist, und der nur durch Verzicht und Selbstgeißelung moralisch
anerkannt wird. Sondern ich sehe den Klimaschutz als eine technologische
Möglichkeit, als eine innovative Möglichkeit, dass man auch neue
Geschäftsmodelle und Technologien entwickelt. Ich bin ganz fest davon
überzeugt, dass wir diese Herausforderung bewältigen können.
4) Gibt es in der Salzburger Landesregierung Korruption? Was könnte man dagegen tun?
Also ich hoffe nicht, dass es Korruption in der Landesregierung gibt, ich
habe jedenfalls keine Zeichen dafür. Wir haben eine Whistleblower-Stelle
eingerichtet. Das wird angenommen und läuft eigentlich ganz entspannt und was
Transparenz betrifft haben wir nichts zu verstecken. Wir haben die
Transparenzdatenbank, die sukzessive in den Abteilungen umgesetzt wird, das ist
genau der richtige Weg.
5) Was könnte man gegen die Teuerung im Allgemeinen und den Bierpreis im Speziellen machen?
Die Teuerung hat bei uns mehrere Effekte. Da ist zum einen der
Energiepreis. Die Salzburg AG hat aufgrund der Tatsache, dass sie nur knapp die
Hälfte des Strombedarfes selber erzeugt und den Rest auch als grünen Strom an
den Strombörsen zukaufen muss. Und letztes Jahr waren die Verwerfungen enorm,
wir haben Preiserhöhungen durchführen müssen, mit einem Mischpreis, der sich
zusammensetzt aus günstiger Eigenerzeugung und hohen Zukäufen und hat
gleichzeitig sehr gezielte Kundensegmente bevorzugt und mit billigeren Preisen
versehen. Ich möchte da vor allem die Stromheizungen hervorheben, die einen
sehr hohen Stromverbrauch haben, der mit dem Deckel des Bundes nicht
ausgestattet wird. Der wurde eingeführt. Im Bereich der Klein- und
Mittelunternehmen und auch in der Landwirtschaft gibt es 100 stromfreie Tage.
Das Land hat jetzt auch ein neues Paket für Wärmeboiler gemacht. Wir haben den
Wärmekosten-/Heizkostenzuschuss um 180€ auf 600€ erhöht und den Bezieherkreis
von ca. 5000 auf 25000 Personen angehoben. Und jetzt hat die Salzburg AG noch
einen weiteren Preissenkung für den ersten Juni angekündigt und ist in diesen
Bereichen, auch für die Haushalte, der günstigste aller Landesenergieversorger.
Das ist der eine Block. Wir glauben, dass die hohen Energiepreise zu ungefähr
40% die Inflation treiben und das über die Energiepreise inflationsdämpfende
Maßnahmen eingeführt werden müssen. Der zweite Komplex, das Wohnen. Wohnen ist
bei uns traditionell teuer, weil wenig Grund und Boden verfügbar ist und weil
die wohnbaugeförderten Wohnungen, das sind ca. 40000 einen Mietpreisdeckel mit
2% erhalten. Es ist gesetzlich vorgesehen, dass die Mieten jedes Jahr um 2% von
der Inflation angehoben werden dürfen. Im freifinanzierten Bereich bemühen wir
uns die Leute zu unterstützen, wie zum Beispiel eine Alleinverdienerin mit
1400€ in einer 80 m² Wohnung bekommt ca. 490€ Wohnbeihilfe, das ist dann sicher
kein ganz geringer Betrag mehr. Doch natürlich trifft die Teuerung quer durch
den Mittelstand und ab einer gewissen Grenze können wir auch nicht mehr helfen,
das betrifft Lebensmittel, das betrifft Wohnen, das betrifft Energie. Energie
geht wieder runter, auch die Zeichen für 2024 sind ganz positiv, auch bei den
Lebensmitteln haben sich die Zeichen zum Teil eingependelt, aber es ist schon
momentan schwierig durchzukommen und insofern wird 2023 noch ein forderndes
Jahr, für 2024 bin ich eigentlich echt zuversichtlich.
6) Als nächstes kommen
wir zu ein paar Entweder-oder-Fragen: Wiener Schnitzel oder Salzburger Nockerl?
Wiener
Schnitzel.
7) Koalition -
Dirndl oder mit FPÖ?
Kann
ich jetzt nicht sagen, muss man das Wahlergebnis abwarten.
8) Zuwanderung
--> härtere Grenzkontrollen oder offene Grenzen?
Härtere
Grenzkontrollen.
Zu
guter Letzt haben Sie noch eine Möglichkeit für 2 Botschaften direkt an die
Leserschaft zu richten:
9) Warum sollte man
die Salzburger Volkspartei wählen?
Weil wir für
Stabilität, Kontinuität und alle Chancen für die Zukunft stehen, weil wir für
Bildung und Ausbildung stehen und weil wir für Gemeinsamkeit und ein gutes
Miteinander stehen und nicht für die Spaltung und den Streit in der
Gesellschaft.
10) Welchen Rat
würden Sie Schüler:innen für die Zeit nach der Matura geben?
Alle Chancen wagen, euch steht die Welt offen. Nie in der Geschichte unseres Landes haben junge Leute solche Möglichkeiten gehabt, ich verstehe überhaupt nicht, warum es so eine Enttäuschung oder so eine Skepsis gibt, man muss sein Leben selbst in die Hand nehmen und alle Möglichkeiten, Bildung, Ausbildung, Erlernen von Berufen. Man hat eigentlich garantiert Jobs, da so ein Arbeitskräftemangel ist. Man kann auch in die ganze Welt gehen, man kann frei reisen, aber bitte wieder zurückkommen, weil wir brauchen euch bei uns!
Vielen Dank für das Interview!

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