"Die Jungen sind die „letzte Generation“ die noch etwas gegen die Klimakrise unternehmen kann, wir sind die „letzte Partei“ die sie dabei unterstützt" - Interview mit Gebi Mair

Gebi Mair ist Klubobmann der Grünen und nun auch Landessprecher. Aufgrund der neuen Position konnte ich mit ihm ein Kurzinterview führen.


© gruene

1.       Zuerst einmal würde ich gerne wissen, was Sie bewegt hat, Landessprecher zu werden?

Die Zeiten für die Grünen sind derzeit nicht leicht. Da braucht es jemanden, der vorangeht, der Grüne Visionen für eine intakte Natur und eine gerechte Gesellschaft voranträgt. Da braucht es jemanden, der Energie und Erfahrung einbringt, und so jemand bin ich. Als Klubobmann der Tiroler Grünen bringe ich auch die nötige Zeit und das politische Gewicht ein, um die Tiroler Grünen vorwärts zu bringen.

2.        Was hast du bisher in der ersten Woche so als Landessprecher gemacht?

Im Moment probiere ich einen Überblick zu kriegen über alles, was so in der Partei läuft, und viele Gespräche mit Menschen führen, die in letzter Zeit etwas kritisch waren. Wir haben schon angefangen die Gremien mit neuen Statuten einzunorden und mit der neuen Aufgabe dann in die Arbeit zu gehen. Ich versuche einen sogenannten Visionenprozess voranzubringen. Das ist eines der wichtigsten Schritte in den nächsten Monate, dass wir wieder in einen inhaltlichen Austausch kommen und deswegen einen Visionenprozess mit den Tiroler Grünen starten, wo wir wieder diskutieren können.

3.       Da Sie ja bereits seit 2006 politisch aktiv sind, haben Sie vermutlich auch die Veränderung der Grünen mitbekommen. Welche Erfahrungen haben Sie für Ihr Amt als Landessprecher mitnehmen können?

Wir waren als Grüne vor der Regierungsbeteiligung Programm- und Konzeptpartei und sind dann zur Umsetzungspartei gekommen. Da kann man diskutieren, wie gut das gelungen ist. Und jetzt sind wir wieder auf der Ebene, wo es darum geht eine Programm- und Konzeptpartei zu werden. Wir sollten uns wieder auf das besinnen, was wir vor 2013 gekonnt haben. Ideen spinnen, der kreative Teil der Politik, den es bei den Tiroler Grünen schon mal ganz stark gegeben hat, wiederherzuholen und neu zu interpretieren.

4.       Als nächstes würde ich gerne mit Ihnen über ein paar parteipolitische Themen sprechen: Was sind Ihre Ziele für die Zukunft der Grünen Partei in Tirol?

Ich will die Tiroler Grünen wieder zu einer Partei der Jungen machen, einer Partei der politischen Zukunft. Eine Partei, wo Menschen einen Platz haben die sonst in der Gesellschaft nicht immer in der vordersten Reihe stehen. Die Jungen sind die „letzte Generation“ die noch etwas gegen die Klimakrise unternehmen kann, wir sind die „letzte Partei“ die sie dabei unterstützt. Ich will zum Mitmachen in unserer Bewegung einladen.

5.       Wie möchten Sie als Landessprecher der Tiroler Grünen die politische Landschaft in Tirol beeinflussen?

Wir Grüne müssen eine starke Stimme für die Umwelt sein, und eine starke Stimme für die gerechte Gesellschaft. Wir wollen laut für die Leisen sein. Wir wollen der Wissenschaft zuhören, wir wollen Vielfalt in der Gesellschaft selbst leben und so die Tiroler Polit-Landschaft bereichern.

 

 

6.       Wie könnte man die Mitarbeit der Bezirke verbessern?

Grundsätzlich glaube ich, dass Menschen wegen Inhalten bei politischen Parteien mitmachen wollen, in der Opposition haben wir auch wieder die Möglichkeit uns mehr auf die Inhalte zu konzentrieren und das heißt dass wir mit den Bezirksgruppen wieder daran arbeiten, dass sie sich auf Inhalt fokussieren und an Themen konkret arbeiten. Da wollen wir gemeinsam, als Landespartei und Organisation mit den Bezirksgruppen vermehrt inhaltliche Diskussionen führen über das was für Tirol wichtig ist und zwar nicht nur für morgen, sondern für ein bisschen längerfristig.

7.       Wie kann man mehr Menschen von einer Mitgliedschaft bei den Grünen überzeugen?

Wir müssen inhaltlich attraktiv sein und als Organisation offen. Wir müssen spannende Inhalte haben von Umwelt über Menschenrechte bis hin zu sozialer Gerechtigkeit, um hier nur ein paar Schlagworte zu nennen. Als Organisation offen sein; Menschen willkommen heißen, sie einladen und es muss in den Gruppen, die wir haben, so angenehm und attraktiv sein, dass sie es fein finden und dass man gerne erzählt: „Komm dahin, da ist es lässig!“

a.       Aber besonders der Punkt interessante Themen gab es bei den Grünen ja schon seit 40 Jahren?

Naja, in der Zeit der Regierung beschäftigt man sich vor allem mit Themen, wo man sich beschäftigen muss. Beispielsweise Corona. Mit Corona lockt man nicht ganz viel Leute an. Aber als Regierungspartei hat man viel Verantwortung, als Oppositionspartei kann man die Themen besser aussuchen. Grundsätzlich interessieren sich nicht so viel Menschen für den Kanaldeckel, sondern für ein bisschen größeres Bild. In der Opposition geht es besser, das zu leben.

8.       Was sind Ihre Pläne als Landessprecher zum vierzigjährigen Jubiläum der Grünen?

Es wird eine Feier auch geben, wir haben für den Herbst grob etwas in Planung. Das wichtigste ist aber nicht die Rückschau, sondern was man daraus für die nächsten Jahre mitnehmen kann.

9.       Wie kann man besser informieren darüber, was die Grünen in den 10 Jahren Regierungsbeteiligung erbracht haben?

Ich glaube viele Menschen werden in nächster Zeit sehen, was Schwarz-Rot weiterbringt. Nicht wahnsinnig viel, schauen wir mal wie es sich entwickelt. Die Menschen werden auch den Kontrast merken, wie es war und wie es ist. Grundsätzlich muss man aber sagen, Dankbarkeit ist keine politische Kategorie. Man wird gewählt für Hoffnungen in der Zukunft. Die Menschen wählen dich nicht, weil du vor 7 Jahren etwas tolles gemacht hast. Das passiert höchstens in einem sehr kleinen Ausmaß. Deswegen müssen wir schauen was Visionen und Vorstellungen für die Zukunft sind. Ich täte mehr den Fokus darauf setzen als zu verteidigen was war. 

 

Vielen Dank fürs Interview!

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