"Dass die Menschheit die KI beherrscht und nicht umgekehrt" - Interview mit Sophia Quirchmair

Sophia Quirchmair ist AHS-Landesschulsprecherin. Ich konnte mit ihr ein Interview führen.

© Quirchmair Sophia

1.       Zuerst möchte ich Sie zum Interview begrüßen und zunächst ein bisschen etwas über Sie als Person erfahren: Was hat Sie dazu bewegt politisch als Landesschulsprecherin aktiv zu werden?

Dies ist schon mein zweites Jahr in der LSV. Und ich finde, dass wir einen besseren Lebensraum Schule nur gestalten können, wenn wir uns selber dafür einsetzen und deswegen auch mein Engagement als Landesschulsprecherin.

2.       Wie sieht der Alltag als Landesschulsprecherin aus?

Man denkt immer, dass das ganz spektakulär ist. Ist es aber eigentlich nicht. Ich gehe trotzdem ganz normal in die Schule, habe meine Freizeit, meistens ist diese sehr von LSV-Arbeit belegt. Das sind  Veranstaltungen und sehr viel Hintergrundarbeit, die getätigt werden muss, gerade wenn es um organisatorische Sachen geht. Wir haben das ganze LSV Team, was wir ein bisschen leiten und sonst eben auch die ein oder andere Sitzung der Bundesschüler:innenvertretung, wo ich als Landesschulsprecherin auch Teil davon bin. Das ist so der Großteil.

3.       Was würden Sie als Ihren größten Erfolg bezeichnen?

Nicht unbedingt größter Erfolg, was aber aktuell ist und noch nicht viele Schülerinnen und Schüler wissen ist, dass wir neulich in Trient waren und als Euregio-Region einen Vertrag gemeinsam mit dem Landesschülerbeirat in Südtirol und der Vertretung in Trient vereinbarten. Unser Ziel ist ein Euregio-Ticket für Schülerinnen und Schüler und , im besten Fall auch Studierende einzuführen, damit man das Bündnis besser nutzen kann. Denn ich finde, sehr wenig Schülerinnen und Schüler wissen davon Bescheid und dass man das mehr aufgreift ist unser Ziel. Sonst glaube ich, dass das Aufgreifen der mental health-Thematik, unter anderem durch die Landtagsenquete, eines der allergrößten Errungenschaften ist. Wir sind auch im Kontakt, was die Aufstockung und Umverteilung betrifft. Denn einerseits braucht es gerade viel Bedarf, andererseits braucht es vielleicht in manchen Schulen nicht so viel Bedarf.

4.       Als nächstes möchte ich gerne mit Ihnen über ein paar politische Themen sprechen: Was ist das größte Problem, auf das Sie sich in Ihrem Jahr als Bundesschulsprecherin fokussieren?

Ich glaube größtes Problem ist immer sehr kritisch, es sind kleine Dinge, die sich sehr zusammensummieren und wir als LSV anpacken um eben einen besseren Schulalltag zu gestalten. Da gibt es sehr, sehr viele Dinge. Auf der einen Seite braucht es natürlich mehr Wirtschafts- und Finanzbildung, auf der anderen Seite sind öffentliche Verkehrsmittel und psychische Gesundheit sehr relevante Themen und Berufsschulen, die oftmals sehr in den Hintergrund rücken. Aber wir schauen, dass wir da einen Mittelweg finden und das anzupacken, was auch realistisch ist.

5.       Was kann Schule mehr bei politischer Bildung? Wäre da die Direktwahl von LSV und BSV eine Möglichkeit?

Die politische Bildung kann man viel mehr im Geschichteunterricht aufgreifen, denn es heißt Geschichte, Sozialkunde und Politsche Bildung. Politische Bildung als eigenes Fach wäre ein nice-to-have. Es braucht so viele Dinge, die im Schulalltag aufgegriffen werden müssen. Aber man kann nicht ein eigenes Fach für Wirtschafts- und Finanzbildung, politische Bildung oder psychische Gesundheit einführen. Denn dann hat man auf einmal so viele Stunden, das schafft man dann gar nicht mehr in die Schule zu gehen. Daher politische Bildung mehr in den Geschichteunterricht einbinden.

Zur Thematik der Direktwahl: Ich bin überzeugt davon, dass das aktuell vorliegende System der Direktwahl de facto nicht funktionieren würde. Wir haben gerade in Österreich ein sehr aktuelles, gut bewährtes System, wo jede Schülerin, jeder Schüler ihre Vertreterin, ihren Vertreter wählen kann und dieser folglich weitere Gremien wählt. Mir ist Demokratie sehr wichtig, daher bin ich grundsätzlich auch nicht gegen eine Direktwahl, sondern eben nur gegen die aktuell vorliegende Form.

6.       Was kann Schule mehr bei dem Umgang mit ChatGPT?

Ich glaube, dass wir bei unserem Schulalltag viel mehr auf die Gefahren, die im Internet lauern, aufmerksam gemacht werden müssen. Man sollte definitiv viel mehr mit ChatGPT arbeiten und nicht gegen solche künstliche Intelligenzen. Man sollte sich jedoch auch stets bewusst sein, dass es stets wichtig ist, dass es eben stets wichtig ist, dass die Menschheit die KI beherrscht und nicht eines Tages die KI die Menschheit. Und ein Bewusstsein darüber schaffen und das Interesse für so Softwares ist sehr, sehr wichtig.

7.       Was kann Schule mehr bei psychosozialer Hilfe?

Sehr, sehr viel. Angefangen von der Enttabuisierung und der Entstigmatisierung in der Klasse. Es sollte normal sein zur Schulpsychologin, zum Schulpsychologen zu gehen. Da fängt es schon mal an, das ist der Grundstein. Wir haben jedes Jahr schulärztliche Untersuchungen. Genau so sollte es normal sein, wenn eine Schülerin, ein Schüler über die eigene psychische Gesundheit reden will. Weiters sollte mehr Schulsupportpersonal eingestellt werden. Auch ist zu überlegen, eine Art System von Vertrauenslehrpersonen oder ein Buddy-System einzuführen, das es bereits in vielen Schulen gibt. Und man muss auch schauen, dass man Wege für eine Therapie offen legen muss, wenn es zu einer psychischen Erkrankung kommen sollte. Einerseits Prävention, andererseits Handeln bei Erkrankung.

8.       Was kann Schule mehr bei der Vorbereitung für die Welt da draußen?

Definitiv auch Wirtschafts- und Finanzbildung, da liegen die AHSen sehr, sehr weit zurück. Und dass Grundlagen gefestigt werden. Denn wenn man sich den Schulalltag anschaut, können viele nicht einmal mehr einfachste Prozentrechnungen. Das darf auch nicht sein. Und generell viele gesellschaftliche Themen. Dass man fit für die Zukunft ist.  Da kann man fächerübergreifend sehr viel machen, auch sollten Schulen viele Workshops anbieten und auch die Wahlpflichtfächer bieten eine Möglichkeit. Es gibt beispielsweise von der Arbeiterkammer bereits Workshops für Schülerinnen und Schüler. Die Workshops sollten mehr genutzt, mehr eingebunden und mehr promotet werden. Ich bin generell der persönlichen Meinung, dass man viel fächerübergreifend und viel mit Workshops machen kann. Ich sehe es schwierig für alles gleich ein neues Fach einzuführen, denn es gibt ja auch Schülerinnen und Schüler, die sich für eine allgemein bildende höhere Schule entschieden haben, um weniger Stunden zu haben als in einer BMHS.

9.       Finden Sie die derzeitigen Maturaregeln fair?

Es ist sehr schwierig, ich befinde mich selbst gerade in einer Maturaklasse. Und natürlich haben wir nicht die gleichen Voraussetzungen wie Maturantinnen und Maturanten vor den Coronajahrgängen. Ich persönlich bin aber strikt gegen Erleichterungen bei der Matura, weil die Matura immer mehr und mehr ihren Stellenwert verliert. Und man merkt es jetzt schon, generell auch in unserer Gesellschaft, wenn man Maturantinnen und Maturanten aus den Coronajahrgängen begegnet, ist oft einfach nur die Rede von einer Coronamatura. Wir müssen schauen, dass wir gewissermaßen einen Schritt zurück in die Normalität machen.

10.   Sehen Sie die sozialen Medien im Bereich von Schule und Politik als Gefahr oder als Stütze?

Ich finde, dass soziale Medien, auch im Hinblick auf sicheres Surfen, mehr im Unterricht behandelt werden müssen, dass man über Cybermobbing und andere Gefahren der sozialen Medien aufmerksam macht. Gerade durch social Media kann man junge Menschen gut erreichen, es sind Plattformen, wo wir auf einer ganz neuen Ebene miteinander kommunizieren könne. Man sollte diese nutzen und daraus schlauer werden.

Vielen Dank fürs Interview!

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