"Aber auch Fehler gehören zum politischen Geschäft dazu" - Interview mit Victoria Weber

Victoria Weber ist Bürgermeisterin von Schwaz vom Team Zukunft - Victoria Weber. Ich konnte mit ihr ein Interview führen.

© Viktoria Weber

Zuerst möchte ich Sie zum Interview begrüßen und etwas über Sie als Person erfahren:

1.       Was würden Sie als Ihren größten Erfolg bezeichnen?

Der größte Erfolg in meiner politischen Laufbahn war sicher die Wahl zur Bürgermeisteri vergangenen Jahres.

2.       Was sind Ihre Pläne als Politikerin und Privatperson für 2023?

 Privat:

2023 steht die Hochzeit von meinem Partner und mir an, auf die wir uns schon sehr freuen. Mein Wunsch/Plan wäre es, 2023 mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen als noch 2022.

 Politisch:

Mein Ziel ist es, das Jahr gut zu meistern. Aktuell stehen wir vor vielen Herausforderungen. Auf der einen Seite müssen wir die Menschen unterstützen, die besonders von der Teuerung und der Inflation betroffen sind und denen es nicht so gut geht. Eine weitere große Herausforderung wird es, weiteren leistbaren Wohnraum zu schaffen. Auch zahlreiche Großprojekte stehen uns bevor, die noch begonnen werden müssen aber auch zahlreiche Projekte, die noch fertigzustellen sind: angefangen von der Überdachung der Mehrzwecksportanlage im Osten der Stadt bis hin zur Abwicklung der Baustufe 2 in der Volksschule Johannes-Messner, die Fertigstellung des Café Central und des Umbaus unseres städtischen Bauhofes. Das größte Projekt in den nächsten Jahren wird aber der Neubau der Steinbrücke werden.

3.       Wie sind Sie in die Politik gekommen?

Bereits mit 16 Jahren bin ich Parteimitglied geworden, obwohl in meiner Familie niemand ein Parteimitglied war. In meiner kleinen, feinen Familie haben wir zwar viel über Politik gesprochen, wir hatten aber auch viele unterschiedliche Ausrichtungen. Ich war damals wie ein „Paradiesvogel“ – mit meinen sechzehn Jahren hat man mich in der SPÖ Schwaz damals noch nicht gekannt, aber ich wurde dann zu verschiedensten Sitzungen und Besprechungen eingeladen. Dadurch bin ich dann so langsam in den Gemeinderatsklub und verschiedene, andere Organisationen gekommen.

4.       Wie sieht der Alltag als Bürgermeisterin aus?

Der Alltag als Bürgermeisterin schaut wie bei einem normalen Beruf aus: Am Vormittag habe ich Termine, egal ob im Haus oder außerhalb. Dann folgt eine Mittagspause, in der ich meist nach Hause gehe, um etwas zu essen und mit meinem Hund spazieren zu gehen.

Nachmittags folgen dann wieder weitere Termine. Der Unterschied zu einem normalen Beruf ist, dass ich fast jeden Tag am Abend und auch am Wochenende Termine habe.

Als nächstes möchte ich mit Ihnen gerne über ein paar politische Themen sprechen:

5.       Wie schafft man die Sozialdemokratie in Schwaz zu verwirklichen?

Was die Sozialdemokratie ganz stark ausmacht ist, dass wir auf die Menschen schauen sollten, denen es nicht so gut geht, die finanziell nicht so gut aufgestellt sind und nicht viele Möglichkeiten haben, die auch nichts vererbt bekommen. Das spiegelt sich auch in unserem städtischen Wohnungsmarkt. Wenn heutzutage ein junger Mensch nichts von seinen Eltern erbt oder mitbekommt, dann tut er/sie sich schwer, etwas Eigenständiges aufzubauen. Hier muss die Politik schauen, wie vor allem junge Leute entlastet werden können. Mit unserem Gratiskindergarten, den wir seit 1. März 2023 umgesetzt haben, konnten wir schon viele Familien entlasten. Hier hat jedes Kind die Möglichkeit den Kindergarten zu besuchen, unabhängig vom finanziellen Hintergrund. Mit den leistbaren Wohnungen haben wir sehr beschränkte Möglichkeiten. Da haben wir beispielsweise das Projekt Weidach in Aussicht. Aber auch viele weitere Projekte im sozialen Wohnbau sollen in den nächsten Jahren noch verwirklicht werden. Was ich noch erwähnen möchte ist, dass die Parteifarbe in der Gemeinde keine Rolle spielt. Das war immer so und sollte auch so bleiben. Natürlich gibt es aber sehr wohl Punkte, anhand der man die sozialdemokratische Handschrift erkennen kann.

 6. Wie ist es als Frau in der Politik besonders in einem konservativen Dorf wie Schwaz zu arbeiten?


Es ist oft erkennbar, dass es für manche schwierig ist, eine junge Frau als Chefin zu haben. Eine (junge) Frau muss sich mehr beweisen als beispielsweise ein Mann, was auch ich immer noch bemerke. Es dauert seine Zeit, bis man den Respekt bekommt, den man verdient!

7. Wie kann die Zukunft von Schwaz im Bereich der Gleichstellung der Geschlechter aussehen?

Mit unseren Kinderbetreuungsstätten können wir Schwazer Frauen dahingehend unterstützen, dass sie sich beruflich weiterentwickeln können und sich finanziell leichter tun. Wir arbeiten stetig daran, diese Angebote auszubauen. Weiters ist es uns auch ein Anliegen, dass wir Frauen einen leistbaren Wohnraum zur Verfügung stellen können. Besonders wichtig ist es für mich als oberste Chefin der Stadt auch, dass fähige Frauen und fähige Männer in zahlreichen Positionen gefördert und unterstützt werden.

8.       Wie kann die Zukunft von Schwaz im Bereich leistbarem Wohnen aussehen?

Einerseits ist es wichtig unsere alten Gebäude, wie beispielsweise auch in der Freiheitssiedlung, auf Barrierefreiheit zu überprüfen und diese barrierefrei umbauen bzw. neu bauen. Um mehr Volumen zu erreichen könnten hier auch weitere 2 Stockwerke errichtet werden. Weiters muss geschaut werden, welche Grundstücke im Besitz der Stadt sind, um hier weiteren leistbaren Wohnraum schaffen zu können. Ein Punkt, der gerade in Ausarbeitung ist ist, dass wir bei privaten Grundstücken ohne Mitspracherecht ein gewisses Regelwerk vorgeben. Ab einer Nutzungsfläche von 600 m² muss der Bauträger einen gewissen Anteil für die öffentliche Hand zur Verfügung stellen.

9.       Wie kann die Zukunft von Schwaz im Kampf gegen die Teuerung aussehen?

Unsere Tochtergesellschaft Stadtwerke Schwaz und allen voran hier unser Geschäftsführer, hat uns einen Vorschlag gemacht, den ich als Bürgermeisterin nur unterstützen kann: 2023 wird es nämlich keine Strompreiserhöhungen mehr geben und sobald sich die Lage an der Strommarktbörse wieder beruhigt hat, können die Strompreise wieder dementsprechend gesenkt werden, um die Bürger*innen finanziell zu entlasten. Auch ein Härtefallfonds wurde installiert, indem wir Schwazer Bürgerinnen und Bürger aus einem Sozialtopf finanziell unterstützen können.

10.   Wie kann die Zukunft von Schwaz im Bereich der Digitalisierung und K.I aussehen?

Bei der Digitalisierung ist es mir wichtig zu schauen, welche Schritte digitalisiert werden können und was dadurch auch eingespart werden kann. Künstliche Intelligenz ist vor allem in der Privatwirtschaft ein großes Thema, weil dadurch auch Kosten gespart werden können. In der Gemeinde sehe ich es noch nachrangig positioniert, aber wir haben ein Auge darauf.

11.   Wie kann die Zukunft von Schwaz im Bereich der Kinderbetreuung aussehen?

Wir sind stetig dabei die Kinderbetreuung auszubauen. Die Kinderkrippe ist für Kinder von einem halben Jahr bis hin zum dritten Lebensjahr – die Drei- bis Sechsjährigen können den Kindergarten  besuchen. Letztes Jahr wurde eine fünftägige Kinderkrippe im Barbarakindergarten installiert, weitere werden noch folgen. In Zukunft muss auch weiterhin in die Kinderkrippen investiert werden. Aber auch von der Seite des Landes ist der Rechtsanspruch auf Kindergärten. Um das so zu errichten und zu installieren sind wir in enger Zusammenarbeit mit dem Land Tirol.

12.   Wie kann die Zukunft von Schwaz im Kampf gegen den Klimawandel aussehen?

 Es ist wichtig, dass man die verschiedenen Themen parat hat. Das fängt an bei Fahrradabstellplätzen bis hin zu Fahrradwegsicherung. Wir haben in Schwaz fast keine ausgewiesenen Radwege. Der öffentliche Personennahverkehr muss attraktiver gemacht werden. Es ist auch wichtig auf Elektromobilität umzustellen. Wir investieren in Photovoltaikanlagen und schauen, welche erneuerbaren Energien es gibt. Auch ein überregionales Fernwärmekonzept mit anderen Gemeinden ist in Planung. Die alten Bäume in Bahnhofsnähe haben wir natürlich nicht gerne gefällt, aber das waren Altlasten - das war vor meiner Zeit und das Projekt wurde einstimmig vom Gemeinderat genehmigt, aber nicht jedem Gemeinderatsmitglied war das Ausmaß bewusst. Aber auch Fehler gehören zum politischen Geschäft dazu.    

Zu guter Letzt möchte ich gerne mit Ihnen über ein paar Themen sprechen, die besonders
Jugendliche betreffen:

13.   Was ist Ihrer Meinung nach das größte politische Problem von Jugendlichen? Wie entgegnen Sie dem politisch?

    Ein großes Problem ist, dass junge Menschen nicht wissen, ob sie eine Ausbildung oder eine Lehre machen sollen. Oftmals gibt es zu Hause auch viele Probleme und die Jugendlichen wissen nicht, mit wem sie darüber reden sollen. In der Mittelschule aber auch in der Polytechnischen Schule gibt es eine Schulsozialarbeiterin und einen Schulsozialarbeiter, die zusätzlich zur Streetworkerin als neutrale Ansprechpartner dienen. Weiters versuchen wir die Jugendlichen über verschiedene Veranstaltungen und Aktionen zu informieren und die Lehre aufzuwerten. Ich sehe in der ganzen Jugendthematik ein großes Problem in der „Ausweglosigkeit“. Hier versuchen wir mit Projekten Hilfe zu leisten und Alternativen aufzuzeigen.

 

14.   Was würden Sie Schüler*innen nach der Matura raten?

Sich die verschiedenen Möglichkeiten und Wege anzuschauen, wie man in die Arbeitswelt kommt. Die Entscheidung soll gut überlegt sein und man soll sich nicht sofort auf einen Weg versteifen.

15.   Wie könnte man Jugendliche mehr für Kommunalpolitik begeistern?

Junge Menschen sollen sehen, dass es nicht nur „alte“ und männliche Politiker gibt, sondern auch viele junge Politikerinnen und Politiker.

PolitikerInnen sind Menschen wie du und ich, mit denen man normal reden kann. Wir können aufzuzeigen, was ein Gemeinderat macht, denn vielen ist nicht bekannt, was der

Gemeinderat eigentlich macht und bei welchen Themen die Gemeinde mitreden kann/darf.

Da müssen wir wieder mehr in Austausch kommen und mehr mit den Menschen direkt reden.

 

Vielen Dank fürs Interview! 

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