Interview mit Marion Wex
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| © Tanja Cammerlander |
Marion Wex ist Bürgermeisterin der Gemeinde Buch in Tirol. Ich konnte mit ihr ein Interview führen.
Zuerst möchte ich Sie zum Interview begrüßen und etwas über Sie als Person erfahren: Warum haben Sie sich entschieden in die Politik zu gehen?
Also grundsätzlich ging ich wegen der Kinderbetreuung in die Politik. Ich habe selbst 4 Kinder, war immer arbeiten und nahm wenig Karenzzeit in Anspruch. Da mein Vorgänger für die Kinderbetreuung nicht viel übrig gehabt hat, muss ich da einiges ändern.
Was würden Sie als Ihren größten Erfolg bezeichnen?
Politisch für mich: ist es sicherlich
die Kinderbetreuung für die Gemeinde Buch so zu erreichen, wie sie jetzt ist.
Wir gehören zu den 4 % der Gemeinden, die ganzjährig, ganztägig über 55
Wochenstunden offen haben. Dazu konnte ich einen Jugendraum.
Politisch für andere: ist sicher die Umsetzung der gesicherten Wasser- und Löschwasserversorgung durch den Anschluss an das Jenbacher Wassernetz, Errichtung eines Hochbehälters und Tausch diverser 80 Jahre alter Leitungen.
Was sind Ihre Pläne als Politikerin und Privatperson für 2023?
Privat ist es auf die Gesundheit zu achten. Denn seit ich Bürgermeisterin wurde, geht alles andere vor. Politisch ist es, dass jetzt ein Feuerwehrhaus errichtet wird mit Arztpraxis mit Kassenvertrag.
Wie schafft man es in Buch die medizinische Versorgung sicherzustellen?
Bisher gar nicht, denn die Nachbarorte haben bereits praktische Ärzte mit
Kassastellen. So hat Jenbach beispielsweise 5 praktische Ärzte. Nun bekommen
wir selbst nächstes Jahr eine Ärztin mit Kassastelle.
Wie macht man Buch in Tirol für den Klimawandel fit?
Grundsätzlich muss jeder die Autogepflogenheiten mit sich selbst ausmachen.
Doch es wäre wichtig, die Öffis zu attraktiveren. Meine Kinder haben Handball
gespielt. Mein Sohn musste 3 Stunden in Schwaz herumlungern, weil die Öffis
nach Schwaz raus nicht vernünftig funktionieren. Bei den Öffis stört mich, dass
die Öffis so teuer sind. Wenn man keine Ermäßigungskarte hat, ist es extrem
teuer. Wenn man einmal Salzburg oder Wien fährt ist es billiger mit 4 Leuten
mit dem Auto zu fahren als mit den Öffis.
Wie könnte man Buch in Tirol für die Digitalisierung fitmachen?
Wir sind dabei das Glasfaser in die Haushalte zu bringen. Da bin ich keine Expertin. Nun bauen wir aber
bei allen Baustellen die Lehrverrohrung ein und A1 ist auch wieder dabei.
Wie könnte man Buch in Tirol für die Teuerung fitmachen?
Die Gemeinde hat selbst mit der Teuerung zu kämpfen. Wir wissen selbst nicht,
wie wir das ganze stemmen. Ob das Gießkannensystem der Bundesregierung da wirklich
seinen Sinn hat und den Zweck bringt, weiß ich auch nicht. Das ist teilweise
schon zu hinterfragen.
Wie könnte man Buch in Tirol fit gegen Antikorruption machen?
Im Gemeindeamt Buch iT gibt es keine Korruption. Ich bin seit 34 Jahre bei der Polizei und habe
das dort gelernt. Da gibt es zB keine Geschenksannahme, wir müssen alle gleichbehandeln.
Das was ich immer sage, ein Bürgermeister, der zugezogen ist hat schon gewonnen.
Zudem bin ich kein Bauer, kein Gewerbetreibender und habe in dem Sinn auch
keine Verwandten, die bevorzugt werden könnten. Ich hatte nie mit jemandem von
hier eine romantische Beziehung und meine Kindheitsfreunde sind auch woanders
her.
Dann kommen wir zu Themen, die besonders Jugendliche betreffen:
Was ist Ihrer Meinung nach das größte Problem für Jugendliche in der
Gemeinde Buch? Wie entgegnen Sie dem politisch?
Ich habe einen Jugendraum eingerichtet, der dreimal die Woche offen hat und
zurzeit steht sogar die Möglichkeit im Raum für einen vierten Tag. Denn überall
sonst werden die Jugendlichen vertrieben, da sie zu laut oder sonst was seien.
Nachdem ich selbst 4 Jugendliche daheim habe, kenne ich das Problem. Denn das
Problem ist, dass Jugendliche keinen Ort mehr haben, wo sie hingehen können.
Man versucht eh immer wieder ein Lokal für sie zu errichten, doch haben wir auch
im Gemeindeverband da noch keine Lösung
zusammengebracht.
Was ist Ihr Rat für Schüler*innen nach der Matura?
Für mich ist es ganz wichtig, den Horizont zu erweitern. Wenn möglich sollen
sie andere Länder und Kulturen entdecken -
aus dem eigenen Land rauskommen und was anderes sehen. Die Jugendliche sollen
einen Job ergreifen, der ihnen Spaß macht und den sie wirklich ausüben wollen.
Und ganz wichtig ist glücklich zu sein. Doch Glück muss jede und jeder selbst
für sich definieren.
Wie kann man Jugendliche mehr für Kommunalpolitik begeistern?
Meine Kinder haben zu mir nach den ganzen Korruptionsaffären in der ÖVP gesagt,
ob die Politiker alle einen Vogel hätten. Dass Jugendliche derartig über die
Politik denken, haben die Parteien aber teilweise selbst zu verantworten. Doch
meine Kinder sind grundsätzlich schon politisch interessiert. Ich kam
beispielsweise auch erst mit 40 zur Politik. Denn da hab ich beschlossen, dass
ich mitreden will, da ich das eine oder andere besser weiß und mir die Aufgaben
zutraue.
Wenn Jugendliche was geändert haben wollen, dann bringst sie vielleicht dazu.
Vielen Dank für das Interview!

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