Interview mit Franz Schnabl
Franz Schnabl ist Landtagsabgeordneter der SPÖ Niederösterreichs. Nach der Landtagswahl Niederösterreichs hatte ich die Möglichkeit, mit ihr ein Interview zu führen, da er zuvor Spitzenkandidat und Landeshauptfraustellvertreter.
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1) Ich möchte sie herzlichst zum Interview begrüßen und gerne ein bisschen etwas über Sie als Person erfahren: Was würden Sie als Ihren bisher größten Erfolg werten?
Ein gutes Wahlergebnis 2018, das nach langen Jahren und 5 oder 6 Wahlergebnissen hintereinander wieder ein Plus für die SPÖ in Niederösterreich gebracht hat. Und eine Weichenstellung für eine Neustrukturierung, die wir im Anschluss an die vergangene Landtagswahl auf den Weg gebracht haben.
2)
Was
sind Ihre Pläne als Politiker und Privatperson für 2023?
Da war zunächst
einmal ein Doppelziel für die Landtagswahl im Jänner, dass nur zum Teil, leider
Gottes, umgesetzt werden konnte. Der erste Teil war das Brechen der absoluten
Regierungs- und Mandatsmehrheit der ÖVP im Landtag. Der zweite Teil war, als
Sozialdemokratie einen Themenwahlkampf zu führen und stärker zu werden. Wir
haben zwar einen Themenwahlkampf geführt, aber das Wahlergebnis hat die SPÖ
nicht gestärkt. Das hat mich sehr betroffen gemacht.
Die Meine persönlichen weiteren Ziele nach der Landtagswahl und dem Wechsel an
der Parteispitze ist sind, dass ich mich beruflich neuorientieren werde. Ich
werde mein Mandat annehmen und als Landtagsabgeordneter mit meinen persönlichen
Schwerpunkten intensiv arbeiten und in der persönlichen Neuorientierung wird es
off in die Wirtschaft gehen.
3)
Warum
sind Sie in die Politik gegangen?
Weil ich überzeugt davon bin, dass der soziale Zusammenhalt einer Gesellschaft enorm wichtig ist, wir aber auch als Generation die Verpflichtung haben, dieses Land enkelfit zu übergeben und viele Weichen in die richtige Richtung stellen müssen. Ob das der Arbeitsmarkt, die neuen Rahmenbedingungen in der Arbeit sind, ob das die Umwelt ist, eine vernünftige Nachhaltigkeitspolitik oder ob das viele neue Herausforderungen bei KI und Digitalisierung sind. Da ist die Politik extrem gefordert. Du kannst nicht immer nur am Balkon sitzen und maunzen und raunzen, sondern musst auch bereit sein, selbst Verantwortung zu übernehmen und deinen Teil dazu beizutragen. Nach langen Jahren in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst habe ich quasi als Quereinsteiger 2017 für mich selbst festgestellt: Wenn ich Verantwortung haben will, dann muss ich mich der Aufgabe selbst stellen.
Als nächstes möchte ich gerne mit Ihnen über ein paar politische Themen
sprechen:
4)
Wer
soll Ihrer Meinung nach verantwortlich für den Bundesvorsitz für die SPÖ sein?
Der oder die vom Bundesparteitag ausgewählt wird. Ich werde an dieser Stelle keine Zurufe in irgendeine Richtung machen. Ich bin aber überzeugt davon, dass es wichtig ist, dass die Partei geeint hinter einem Spitzenkandidaten oder einer Spitzenkandidatin steht und dass es nur so notwendig möglich ist, das Vertrauen für eine soziale Gerechtigkeit in diesem Land zu gewinnen.
5)
Wenn
Sie die Rote Hanni sind, ist dann Frau Mikl-Leitner der schwarze Franz?
Das war kein Plakat,
sondern ein Internetsujet. Ein Synonym dafür, dass ein SPÖ-Politiker das Land
besser führen kann, als es derzeit unter Johanna Mikl-Leitner der Fall ist.
Es könnte in Niederösterreich durchaus auch einen roten Landeshauptmann geben und da würde eine bessere Politik gemacht werden.
6)
Warum
haben Sie im Wahlkampf auf Unterstützung durch den Herrn Doskozil gesetzt
und nicht auf die Frau Bundesvorsitzende
Rendi-Wagner?
Das stimmt ja so
nicht. Ich habe gesagt, dass ich mit allen Stakeholdern der Partei eine gute
Gesprächsbasis haben will und mit allen rede. Da war sowohl die
Parteivorsitzende Rendi-Wagner wie auch der oberösterreichische
Parteivorsitzende und der burgenländische Landeshauptmann in einem
Wahlkampftrupp dabei. Rendi-Wagner hat mit mir gemeinsam sowohl den Auftakt als
auch die Abschlussveranstaltungen bestritten, die allesamt von der Stimmung her
sehr gute Veranstaltungen waren.
7)
Wie
kann die SPÖ erfolgreicher werden?
Wenn man sich die
vergangenen Landtagswahlen anschaut, steht eines fest – das hat sich bei den
Umfragen, die wir in NÖ zur Verfügung gehabt haben, schon ab Anfang 2022: Streit
und Diskussionen schaden der Partei. Wir brauchen einen klaren Fokus auf die
aktuellen Herausforderungen auf der einen Seite. Das Vertrauen, dass wir die auch
besser lösen als Konservative und Grüne, auf der anderen Seite – und auch eine
klare Ansage, was die Zukunft betrifft. Wenn man auf die aktuellen Themen
schaut, ist da bestimmendes Thema die Teuerung. In der Vergangenheit haben wir sehr
gute, sehr konstruktive Vorschläge gebracht. Auch haben wir immer wieder
referiert, was sozialdemokratische Regierungschefs in Europa machen. Es gibt
einen Grund, warum in Spanien, Portugal und Deutschland die Inflation deutlich
niedriger ist als in Österreich. Österreich hat das doppelte der Inflationsrate
von Spanien. Ich selbst habe als erster Politiker im Juni 2022 in der Tageszeitung
„Die Presse“ das Aussetzen der Meritorder das Schweizer Regulierungsmodell als
Eingriff für den Strommarkt in einem Leitartikel argumentiert. Leider ist das zu wenig gehört werden.
Das zweite, was wir
brauchen, ist eine klare Ausrichtung mit Botschaften, wie wir die Zukunft
dieses Landes und der zukünftigen Generationen haben wollen. Da ist ganz oben
das Thema Umwelt. Umwelt ist aber keine isolierte Herausforderung, sondern hier
gilt es, vor allem Arbeitsplätze, Green New Jobs, zu gestalten und zu kreieren
und die Veränderungen, die notwendig sind, so zu gestalten, dass niemand bei
der Leistbarkeit von Energie und Wohnen zurückbleibt. Es ist ganz klar, dass der
Green New Deal eine soziale Herausforderung ist. Das wird auch in der Zukunft
weiterhin die wichtigste Aufgabe der Sozialdemokratie sein: Danach zu handeln.
8)
Was
ist Ihre Meinung zur derzeitigen Landesregierung?
Sie meinen sicher
den Proporz. Der Proporz hat mehrere Vorteile. Gibt es auch in Oberösterreich
und abgehender Form in Wien. Ich verwende da immer das Beispiel der Schweiz, wo
es ebenfalls eine Proporzverfassung gibt. Proporz bedeutet, dass der
Wählerwille auch bei der Regierungszusammensetzung abgebildet ist und alle Mitglieder
Regierungsverantwortung haben. Ich sehe den Vorteil, dass eine Bereitschaft und
eine systemische Zusammenfassung der stärksten Kräfte im Land stattfinden muss.
Das ist ein Vorteil Richtung Konstruktivität. Gerade in Österreich, wo wir
dieser Tage an die Ausschaltung des Parlaments durch Dollfuß gedenken, und
tragische, Erfahrungen machen mussten, was passiert, wenn tiefe Gräben zwischen
den Parteien entstehen. Insofern glaube ich, dass man die Proporzverfassung
positiv sehen und positiv leben kann. Es bildet den Wählerwillen besser ab als
das Mauscheln zwischen einzelnen Parteien.
9)
Was
würden Sie der nächsten Regierung für einen Rat gegen Korruption mit auf den
Weg geben?
Der Landesregierung
richte ich an dieser Stelle nichts aus. Doch es gilt für alle Ebenen, dass das
beste Mittel gegen Korruption, das habe ich schon im Wahlkampf betont, Transparenz
allen Ebenen ist.
Mitsprache-,
Einsichts- und Kontrollrecht für alle Parteien, nicht nur Regierung. Und Veröffentlichungspflichten.
Ich weise auf das schwedische Modell hin, dass es dringend notwendig ist, in
der öffentlichen Verwaltung und den Entscheidungen viel mehr auf Transparenz zu
setzen. Das ist der Schutzschirm und das beste Mittel gegen Korruption.
Zu guter Letzt
möchte ich gerne mit Ihnen noch über ein paar Themen sprechen, die besonders
Jugendliche betreffen:
10)
Wie könnte man in Österreich Klimaschutz vorantreiben?
Wir brauchen
sowohl auf Landesebene und Bundesebene ein Klimaschutzgesetz. Steht zwar im
Koalitionspapier, wurde aber bis heute nicht realisiert.
Dazu brauchen wir
ambitioniertere Ziele. Was wir jetzt für einen Pfad verfolgen, ist, dass wir eher
nur den CO2-Ausstoß eindämmen, aber meilenweit entfernt sind, eine bessere Umweltpolitik
zu erreichen und grundsätzlich braucht es die soziale Verträglichkeit, zielgerichtete
und zielgenaue was die Umweltpolitik betrifft. Es kann nicht sein, dass wir nur
über höhere Preise und Eintrittsbarrieren, das die viele Menschen vor lebensentscheidende
Entscheidungen stellen, agieren. Wir müssen aber auch in vielen Bereichen neue
Methoden und neue Mittel denken. Beispielsweise gibt es keine österreichische
Wasserstoffstrategie, es gibt viel zu wenig Bewusstseinsbildung. Umweltschutz
heißt auch Bewusstseinsbildung in den Schulen, in den Kindergärten. Es ist sehr
zögerlich gewesen, beim PET System aufs Pfandsystem umzusteigen, was im letzten
Jahr gelungen ist. Es braucht hehre Ziele, die den öffentlichen Verkehr und die
deren In-Anspruchnahme betrifft. Da ist uns ein guter Schritt mit dem
1-2-3-Ticket gelungen, das jetzt mit dem Klimaticket in etwas anderer Form
realisiert wurde. Aber wir haben noch lange nicht das Ende der Notwendigkeiten
erreicht. Fast alle Politikfelder müssen sich in Zukunft dem Umweltziel unterordnen.
Wir haben gesagt,
dass wir jedes Jahr eine neue Bahnlinie in Niederösterreich brauchen, so stand
es in unserem Wahlprogramm. Warum das? Ich kann nicht irgendetwas verknappen.
Ich kann nicht sagen, wir bauen keine Straßen, schaffe aber kein alternatives
Angebot. Die Menschen folgen dem aktuellen Angebot, das so attraktiv sein muss
im Preis und auch in der zeitlichen Gestaltung des Fahrweges, dass es ganz klar
ist, dass ich diesen Weg nehme, der mir als Alternative angeboten wird.
Mobilität bleibt für
alle auf dem Weg zur Arbeit eine alternativlose Frage. Wenn ich von
Mönchkirchen nach Brunn am Gebirge in die Arbeit fahre, und um 6 Uhr auf der
Baustelle des neuen Kindergartens da sein muss, brauche ich ein Angebot, das mich schnell
dorthin befördert, öffentlich und nachhaltig. Und auch im Preis sollte es nicht
teurer sein als mein eigenes Auto. Da ist das Auto zu verteuern, keine
Möglichkeit. Denn dann geht man nicht arbeiten, wenn sich das nicht mehr
rechnet. In diesem Fall würde der Kindergarten nicht mehr gebaut werden. Wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, um
die Mobilität mit öffentlichen, nachhaltigen Möglichkeiten sicherzustellen, in
Zeit und Preis. NÖ hat Aufwendungen von 250 Mio.€ Euro pro Jahr in ÖPNV und
Vorvertragsstützungen, Wien hingegen über eine Mrd.€ Euro. Wir sind ein
Flächenbundesland und haben daher auch in unser Parteiprogramm aufgenommen,
dass wir schrittweise auf diesen hohen Wert, den Wien schon hat, kommen wollen,
damit wir das öffentliche Verkehrsangebot attraktiveren. Dann gilt die Frage,
wenn wir ein leistungsstarkes und komfortables alternatives, öffentliches Angebot
haben, werden wir viele Straßen in dieser Form nicht mehr brauchen.
11)
Was
ist das größte Problem der Jugend? Wie entgegnen Sie dem politisch?
Es gibt nicht ein zentrales Problem, es gibt sehr viele Herausforderungen. Das Da ist die Frage der Mobilität, die Frage des Bildungsangebots, die Frage nach attraktiven Arbeitsangeboten. Ich glaube, dass wir vieles in diesem Bereich attraktiver und besser gestalten müssen. Junge Menschen in der Arbeitswelt wollen Work Life Balance, Ausbildungsmöglichkeiten und den einen möglichst kurzen Weg zur Arbeit, auch Home Office-Lösungen. Ich glaube, dass wir hier viel flexibler und offener sein müssen, Politik hat die Verantwortung, genau diese Rahmenbedingungen für die Jugendlichen für die Zukunft zu verbessern.
12)
Was
ist Ihr Rat für Schüler*innen nach der Matura?
Bildung, Bildung,
Bildung. Wer die Möglichkeit hat, sollte studieren gehen, vor allem aber seinen
Interessen und Neigungen folgen. Stärken stärken ist meine persönliche
Lebenserfahrung. Erfolg hast du überall, aber nur, wenn du auf dich selbst
hörst und das, was du machst, aus Überzeugung und Leidenschaft machst.
13)
Wie
könnte man Jugendliche mehr für Landespolitik begeistern?
Jede Form des
Engagements zahlt sich für Jugendliche und alle Menschen aus, man lernt
Menschen kennen, sammelt Erfahrungen und lernt, dass und was man gestalten
kann. Es gehört ein bisschen Mut und Selbstlosigkeit dazu, da es sehr
zeitintensiv ist. Ich kann jedem nur raten, sich einzubringen, zu diskutieren
und nach Möglichkeit Projekte umzusetzen. Das macht sich bezahlt und ist eine Lebenserfahrung.
Am Ende des Tages gibt es etwas zurück, wenn es etwas gelingt und nachhaltig bleibt.
Das ist ein Plädoyer für politisches Engagement an alle. Aber es geht nicht nur
um Parteien, das sage ich ausdrücklich dazu. Das Engagement kann man auch, wenn
es um Temporeduktion, Errichtung eines Schutzweges oder eines Lärmschutzwalls geht,
auch lokal und regional möglich.
In den Parteien
selbst werden sich junge Menschen auf Dauer in größerer Zahl mehr engagieren, wenn
Einzelinitiativen Gehör finden und nicht isoliert betrachtet werden. Aber es
zahlt sich aus, wenn am Ende des Tages tatsächlich ein Projekt realisiert wird,
für das man eingetreten ist und mit dem man Erfahrungen mit Menschen und
Mehrheitbeschaffung sammelt. Denn am Ende des Tages braucht man immer andere, mit
denen man gemeinsam das eine oder andere umsetzen kann.
Vielen Dank
für das Interview!

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