"Auch wenn diese Zeiten, in denen wir leben, beängstigend sind, stehen wir nach wie vor verhältnismäßig gut da." - Interview mit Cornelia Hagele

Cornelia Hagele ist Landesrätin für Gesundheit, Pflege, Bildung, Wissenschaft und Forschung in Tirol. Ich hatte die Möglichkeit mit ihr ein Interview zu führen.

Foto: ©Land Tirol/Die Fotografen

Zuerst einmal will ich Sie zu unserem Interview begrüßen und ein bisschen was über Ihre Person erfahren: Was war Ihr bisher größter Erfolg?

Privat gesehen ist es eine glückliche Familie, Kinder und Wohlstand zu haben.
Beruflich gesehen ist es neben meinem derzeitigen Amt als Landesrätin, ein Projekt aus meiner Zeit als Telfer Vizebürgermeisterin. Das Projekt heißt Leonardo und damit kann jede*r maximal 4 umweltfreundliche Straßenlaternen mit Lichtscheinen zum Preis von jeweils 1000€ fördern. Jedes Jahr bekommt man 140€ zurück und hat dann im Laufe von 8 Jahre 1120€ eingenommen. Dadurch tut man was fürs Klima und für die Geldbörse.

Was sind Ihre Pläne für 2023 als Privatperson und auch als Politikerin?
Für mich ist wichtig, gerade in den Bereichen, wo ich jetzt zuständig bin, etwas weiterzubringen. Das heißt, dass ich mich einsetzen möchte im Pflegebereich, dass wir Menschen bekommen, die in den Pflegebereich gehen wollen, Strukturen erarbeiten, das Gesundheitssystem so gut wie möglich aufrecht erhalten können und eine qualitätsvolle Bildung weiteraufrecht erhalten zu können.

Wie schaut eigentlich ein Tag als Politikerin aus?
Das kann man eigentlich gar nicht beschreiben, denn jeder Tag schaut anders aus. Als Politikerin hat man keine normale 40 Stunden Woche. Denn die Termine sind von Tag zu Tag unterschiedlich. Die einen Tage sind von Regierungs- und Klubsitzungen geprägt, an anderen Tagen hingegen steht der Kontakt nach außen im Vordergrund. Da ist jeder Tag was ganz was anderes, abwechslungsreich und macht auch sehr viel Spaß.

Als nächstes möchte ich gerne mit Ihnen über ein paar politische Themen sprechen: Warum hat der heurige Abschlussjahrgang, der am meisten mit Corona zu kämpfen hatte, da er 2020 in die Oberstufe gekommen ist, die wenigsten Erleichterungen bei der Matura?
Der Plan der Standard Matura des Bundesministeriums wurde durch Corona pausiert. Durch Corona wurde es pausiert. Doch irgendwann sollte man es wiedereinführen und den Weg zielgerichtet gehen. Man kann immer sagen, dass es gut wäre, diesen Weg ein Jahr später wieder einzuschlagen. Den richtigen Zeitpunkt dafür wird es da selten geben. Irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, wo man dann wieder zur Normalität zurückkehren muss.

Was sind Ihre Pläne für mehr Digitalisierung im Schulbereich generell und im Informatikunterricht im Speziellen?
Wir sind sehr bemüht unsere Schulen mit Hilfe einer Hardware-Million mit Hardware und Lehrkräften mit nötigem Knowhow auszustatten. Denn man sollte nicht nur den Umgang mit den Geräten, sondern auch über die Gefahren der Digitalisierung aufklären. Denn oft ist man auch Informationen ausgesetzt, die nicht passend sind oder auch nicht richtig sind. Daher sollte der Fokus auf Medienkompetenz gelegt werden. Auch sollten Klassen mit digitalen Tafeln und ähnlichem ausstatten. Da sind wir aber mit unserer Hardware-Million schon gut dran.

Wie würden Sie den öffentlichen Verkehr für Schüler*innen ausbauen?
Was man auf jeden Fall machen muss: Es gibt die Stoßzeiten natürlich in der Früh und ich glaube, dass es wichtig wäre den öffentlichen Verkehr auch vom Pendlerverkehr zu trennen. Ich glaube, dass gerade in den Zeiten, in denen es die Schülerinnen und Schüler brauchen, Verstärker einsetzen muss und es auch gewissen Comfort braucht, damit der öffentliche Verkehr anziehend wirkt. Da muss ich mit meinem Kollegen, dem Herrn Zumtobel, gemeinsam einen bedarfsgerechten Verkehr zur Verfügung stellen.

Am Schluss ein paar Themen, die uns Jugendliche besonders interessieren: Was ist aus Ihrer Sicht das größte Problem von Jugendlichen? Wie entgegnen Sie dem politisch?
Das größte Problem ist, dass in der heutigen Zeit sehr viel junge Menschen Angst haben, Angst vor der Zukunft. Auch wenn diese Zeiten, in denen wir leben, beängstigend sind, stehen wir nach wie vor verhältnismäßig gut da.

Die Politik sollte eine gewisse Stabilität des Staates zur Verfügung stellen. Mir ist es auch wichtig, den Jugendlichen mitzugeben, dass Angst noch nie ein guter Berater war und man sich statt von Angst begleiten lässt, von dem Mut und dem Plan einer besseren Gesellschaft begleiten sollte.

Welchen Rat würden Sie Schüler*innen für die Zeit nach der Matura mitgeben?
Ins Ausland zu gehen, Geld zu verdienen und mit anderen Kulturen in Verbindung zu kommen, ist sehr wertvoll und lässt einen dann bei der Rückkehr auf das hier einen anderen Blick haben. Denn man kann im Ausland Erfahrungen machen, die hier nicht so möglich sind, da man hier ein gesichertes Netz hat.

Wie kann man Ihrer Meinung nach junge Menschen mehr für Politik begeistern? Wäre hier eine Direktwahl der LSV und BSV ein Schritt in die Richtung?
Ich glaube statt einer weiteren Wahl sollte die Politik die Ängste der Jugendlichen ernst nehmen und eine Sicherheit bereitstellen. Es gibt zwar in der Politik immer wieder einige Skandale. Diese sind nicht gerade förderlich für junge Menschen, die sich entschließen, politisch zu engagieren. Man sollte nach außen tragen, dass man das Beste für die Gesellschaft und die Bürgerinnen und Bürger machen möchte. Wenn man nach außen geht und mit den Menschen Kontakt hält, ist da schon sehr viel getan.

Auch sollte man ehrlich bleiben. Jeder hat einen anderen Zugang zu diversen Themen. Dann sollte man sich auch von unterschiedlichen Stellen die Unterstützung abholen. Es gibt bereits viele Politikerinnen und Politiker, die bereits derartig arbeiten und ihnen eine bessere Gesellschaft ein Herzensanliegen ist. Und das muss das Ziel der gesamten Politik sein. Egal was man macht, wird man immer Menschen haben, die diesen Weg teilen. Ganz den richtigen Weg gibt es nicht. Je mehr man selbst authentisch darstellt und erklärt, was man für richtig erhält. Dann kann man den Menschen auch klar machen, dass es ihnen klar wird, dass wir für sie arbeiten.

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