Interview mit Gudrun Kofler
Gudrun Kofler ist gebürtige Südtirolerin und Landtagsabgeordnete der FPÖ für den Tiroler Landtag.
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| © Freiheitliche Partei Tirol |
1.
Zuerst würde ich gern ein bisschen was über
Ihre Person erfahren: Wie sind Sie in die Politik gekommen?
2.
Wie ist der Wechsel vom Studium der
Rechtswissenschaften zum Landtag gewesen, wo Recht nicht nur Theorie, sondern
auch Praxis ist?
Höchst interessant, da das Studium leider sehr theoretisch
ist und zu wenig praktische Übung enthält. Hier im Landtag sieht man rechtliche
Vorgänge in der Praxis, vor allem im öffentlichen Recht und kann die Umsetzung
beobachten.
3.
Was würden Sie als Ihren bisher größten Erfolg
bezeichnen?
Dass ich es schaffe, als alleinerziehende Mutter Beruf,
Studium, Haushalt und Muttersein unter einen Hut zu bekommen und daneben auch
meine politischen Ideen zu vertreten.
4.
Welche Erfahrungen aus Ihrer Schulzeit haben Sie
als Landtagsabgeordnete verwenden können?
Ich bin Bildungssprecherin und da ist es auch wichtig, dass
man selbst eine schulische Laufbahn durchlaufen hat. Außerdem hilft mir, dass
ich durch mein schulpflichtiges Kind den derzeitigen Zustand des Schulwesens
beobachten kann. Da ich Lehre und Berufsmatura gemacht habe, habe ich selbst
den zweiten Bildungsweg kennengelernt.
Meine Tante Dr. Eva
Klotz ist insofern ein politisches Vorbild, weil sie immer sehr zielstrebig,
punktgenau und authentisch war und nie ihr Gesicht verloren hat, da sie immer
zu ihren Idealen gestanden ist. Auch Kanonikus Michael Gamper ist als Vorreiter
der deutschen Schule in Südtirol eine sehr interessante Person. Sein Erbe
halten die die patriotischen Kräfte in Südtirol wie die Süd-Tiroler Freiheit
nach wie vor hoch. Die Südtiroler halten an den Tiroler Traditionen fest und
sind eine österreichische Minderheit in Italien.
6.
Als nächstes möchte ich mit Ihnen über
politische Themen sprechen: Sind die Klimaziele von 1,5° Ihrer Meinung nach
realistisch einzuhalten?
Ein schwieriges Thema. Denn es ist zwar klar, dass in puncto
Klimaschutz etwas getan werden muss. Wenn Österreich durch Klimaziele
Einschnitte für die Bevölkerung bewirkt und es auf der anderen Seite Länder wie China gibt, die sich
nicht um Klimaschutz kümmern, sehe ich das kritisch. Die globale Zusammenarbeit
hier ist das A und O.
7.
Wie würden Sie den derzeitigen Fachkräftemangel
ohne Zuwanderung verbessern?
Ich bin für Zuwanderung innerhalb der EU für Fachkräfte und
gut ausgebildete Menschen, die am
Arbeitsmarkt benötigt werden. Derzeit wandern Wirtschaftsflüchtlinge und
Scheinasylanten zu. Auch ist eine wichtige, gute Bildungsmöglichkeit gegen den
Fachkräftemangel wichtig. Man sollte dafür sorgen, dass gut ausgebildete
Österreicher im Land Arbeit haben bzw. Anreize zu schaffen, um sie aus dem Ausland
wieder zurückzuholen.
8. Was
würden Sie, wenn Sie es könnten, per Dekret verändern?
Eine echte
Gleichberechtigung, womit sich Frauen wirklich frei über ihr Leben entscheiden
können. Ob sie wie Männer Karriere machen oder daheim Kinder betreuen – ohne finanzielle
oder soziale Einbußen. Die freie Entscheidungsmöglichkeit sollte Grundlage
einer modernen Gesellschaft sein.
9. Wie
stehen Sie als Südtirolerin zur neuen Regierungschefin Italiens, Giorgia
Meloni?
Einerseits
finde ich es gut, da Meloni Europas Rechte stärkt und auf die eigene
Bevölkerung schaut.
Andererseits sehe ich es für die ethnischen Minderheiten, wie die
Südtiroler, Aostaner, Venetier, usw., kritisch, da deren Sonderrechte
beschnitten werden können, wie man bereits Sagern von Meloni gegenüber der
Minderheit Südtirols entnehmen kann.
10. Welche
Maßnahmen würden Sie gegen Korruption treffen?
Die oberste
Priorität lautet Transparenz bei politischen Entscheidungen und Geldflüssen.
Hierfür legt man die Nebenverdienste und Aufsichtsratsposten von Politikern
offen. Doch ist auch bei innerparteilichen Aufarbeitungsprozessen Transparenz
von Vorteil. So hat es die Historikerkomission der FPÖ gegeben, wo alles
offengelegt wurde.
Doch sind wir
Politiker auch kein Freiwild, wo man in meiner Partei besonders betroffen ist.
So wurde mein Parteiobmann bedroht und Plakate mit meinem Foto angezündet. Doch
sollte man die Meinung einer anderen Person tolerieren und sich nicht gegen sie
auflehnen. Mein Tweet „Deutschland hat kein Rassismusproblem, Deutschland hat
ein Sawan Chebli – Problem“ war nicht beleidigend, sondern ironisch, da ich sie
als Politikerin und nicht als Person meinte.
11.
Am Schluss ein paar Themen, die Jugendliche besonders beschäftigen. Was ist aus Ihrer Sicht das größte
Problem für Jugendliche? Was entgegnen Sie diesem Problem politisch?
12.
Was ist Ihr Rat für Schüler*innen für die Zeit
nach der Matura?
Dass sie jedenfalls das machen, was sie wirklich wollen, und
nicht einen Beruf der Verdienstmöglichkeiten wegen zu wählen. Heutzutage ist
auch beruflicher Wechsel üblich, wodurch immer eine zweite Chance gegeben ist.
Auch sollte man sich möglichst Viel anschauen, bevor man einen beruflichen Weg
einschlägt. Man sollte nie aufhören zu lernen, da Bildung immer eine
Investition in sich selbst ist.
13. Wie
könnte man junge Menschen mehr für Politik begeistern?
Man sollte
erkennen, dass Politik viele Facetten hat, dass es nicht nur die Redenschwinger
an vorderster Front gibt, sondern auch eine zweite und dritte Reihe. Die
Politik lebt davon, dass dort kluge Köpfen sitzen. Daher braucht es viele engagierte Leute –
auch im Hintergrund - in der Politik.
Danke für das Interview!

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