Interview mit Anton Mattle
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| © Tiroler Volkspartei / Fitsch |
Anton Mattle ist ehemaliger Landesrat und amtierender Landeshauptmann. Im Zuge der Landtagswahl konnte ich von ihm ein Interview
ergattern.
1.
Was sind die Vorzüge für Jugendliche bei der Wahl
der Volkspartei?
Die Zukunftsthemen sind für mich Digitalisierung und Automatisierung, Energiewende – Klimaschutz. Das sind die Zukunftsthemen, auf denen wir draufbleiben müssen, und das andere Thema sind die Alltagssorgen, die Teuerung, das Wohnen, Transit.
2.
Wenn Sie jetzt Landeshauptmann werden würden,
welche Sofortmaßnahmen würden Sie in ebendiesen Bereichen beschließen?
Es sind ja schon in puncto Teuerung sehr
viele Maßnahmen am Weg. Da gibt es diese Anti-Teuerungs-Pakete des Bundes, aber
auch einige Initiativen, die das Land Tirol beschlossen hat. Uns war es gleich
als wir die Steigerung der Energiepreise gesehen haben wichtig den Menschen im
kommenden Winter, wenn es um die Wärme und das Heizen geht, eine Perspektive
gibt. Wir haben dann sehr schnell entschieden, dass wir den Heizkostenzuschuss
um einen Energiekostenzuschuss verdoppeln. Und wir haben vor allem auch den
Bezieherkreis wesentlich ausgedehnt. Waren es früher 10.000 Haushalte, so
können jetzt bis zu 43.000 Haushalte davon profitieren, und statt früher bis zu
250€, kann es jetzt bis zu 500€ Unterstützung gehen. Das ist eine Initiative
des Landes Tirol. Die zweite Initiative: Wir wollen vor allem auch Familien
unterstützen, Familien jeder Art und jeder Konstellation mit dem Schulkostenzuschuss.
Den haben wir jetzt wesentlich erweitert auch vom BezieherInnenkreis und auch
der Betrag ist erhöht worden. Weil immer, wenn junge Menschen den ersten Tag in
die Schule gehen, brauchen sie auch ein bisschen Ausstattung und das kostet
durchaus auch einiges an Geld. Ähnliches haben wir gemacht im Bereich der
Wohnbeihilfe und der Mietzinsbeihilfe, also durchaus einige Maßnahmen, die wir
im Land in die Gänge gebracht haben und dann wird man sehen, vor allen Dingen,
falls ich dann auch gewählt werde, was braucht es noch Ergänzendes dazu.
Wichtig ist jedenfalls, dass Menschen, die ein geringes Einkommen haben auch
eine entsprechende Unterstützung haben. Wir müssen auch auf die schauen, die
wohl im mittleren Einkommensbereich liegen, aber da und dort reicht es nicht
aus. Dass man bei denen den Einkommensrückgang ausgleicht und es wird auch eine
Gruppe von Menschen in unserem Land geben, die ich bitte solidarisch zu sein, denn
alles wird der Staat und das Land nicht abfedern können.
3.
Bei der Schulbeihilfe habe ich eine Frage: Der
Bund hat die Schuldgeldbeihilfe gekürzt. Wird das Land es wieder wett machen?
Das ist für mich nicht ganz
nachvollziehbar, warum da Bundesmittel gekürzt worden sind, wenn man genau
weiß, dass es die Familien sind, die es auch brauchen. Wir haben diese
Initiative bereits im Januar auf den Weg gebracht, jetzt sind wir froh, dass es
zumindest für die Tirolerinnen und Tiroler eine bessere Unterstützung von der
Seite des Landes hergibt.
4.
Welchen Teil der Gesellschaft vertritt
eigentlich die Volkspartei?
Also ich würde sagen die Volkspartei
repräsentiert die typischen bürgerlichen, das sind die Wählerinnen und die
Wähler der Volkspartei. Unter diesen Bürgerlichen gibt es auf der einen Seite
die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, einen großen Block auch an
Unternehmerinnen und Unternehmern, aber auch der bäuerliche Bereich stockt sehr
stark bei uns an. Also durchaus eine Partei mit einer gewissen Bandbreite. Und
wenn man eine Partei mit einer gewissen Bandbreite ist, dann muss man sich auch
tagtäglich in der Toleranz üben, es gibt sehr viele verschiedene Meinungen und
man muss definitiv ein guter Demokrat sein. Denn Mehrheiten entscheiden und da
muss in dem Fall die Minderheit durchaus auch die Entscheidungen der Mehrheit
mittragen.
5.
Was ist somit die Rolle der Volkspartei in der
Demokratie?
Ich glaube wir sind schon über Jahrzehnte,
77 Jahre, seit es uns halt in Tirol gibt, sind wir der stabilisierende Faktor.
Irgendwo brauchst du auch in stürmischen Zeiten auch eine gute Säule im Wind
und das übernimmt in dem Fall die Volkspartei.
6.
Was ist von Ihnen als Landesrat der bisher
größte Erfolg?
Es ist immer sehr schwierig politische
Erfolge zu messen, denn Politik kann eigentlich nur Rahmenbedingungen setzen.
Und jetzt bin ich gerade als Landesrat in der Zeit der Pandemie gewählt worden.
Aber in den Pausen der Pandemie hat sich die Wirtschaft wieder stark erholt.
Das sind die fleißigen Mitarbeiter gewesen und die Unternehmerinnen und
Unternehmer mit den guten Ideen. Aber die Rahmenbedingungen, die die Politik
geschaffen hat, waren in Ordnung, sonst hätte es nicht so gut funktioniert. Wir
hatten höheres Wachstum als die anderen Bundesländer, Arbeitslosenrate ist
stärker zurückgegangen wie in anderen Bundesländern. Das würde ich sagen, hat
ein Stück weit auch mit guter Politik zu tun. Aber ein zweites Thema sei auch
erwähnt. Denn mein Themenbereich ist ja nicht nur die Wirtschaft und die
Digitalisierung, sondern ich bin auch für die Jugend, Familien und SeniorInnen
verantwortlich und das macht mir große Freude und das ist auch eine gute
Ergänzung, da man immer wieder betonen muss, dass die Wirtschaft für die
Menschen da ist und nicht umgekehrt. Und bei der Digitalisierung sind es auch
Menschen mit einer Wertehaltung, die eine Grenze aufzeigen, weil technisch wäre
vielleicht noch viel mehr möglich. Und gerade im Bereich der Jugend zum einen
da drüben habe ich sogar eine Fahne, Erasmus. Heuer ist das europäische Jahr
der Jugend. Junge Menschen werden in den Mittelpunkt gestellt. Das ist wichtig
nach diesen 2 Jahren der Pandemie. Denn die Belastungsmomente waren groß, viele
haben sich in den Kreisen ihrer Freundinnen und Freunde wieder gut erholt und
bringen jetzt wieder neue Energie und frischen Wind mit ein. Dieses europäische
Jahr der Jugend und wir haben auf den Weg geschickt, eine Jugendstrategie für
das Land Tirol, Südtirol und Vorarlberg. Da geht es darum, dass man schaut, wo
die Bedürfnisse der jungen Menschen liegen, ob man in der Gesellschaft
ausreichend auf die Jugend eingeht und wir haben eine ganz starke Initiative im
Bereich der Jugendarbeit gesetzt, das gehört ebenfalls zu meinem Ressort und
wir haben da auch gewisse Vorstellungen, dass offene Jugendarbeit nicht nur in
städtischen Gebieten wie in Schwaz, sondern auch in der Peripherie angeboten wird.
7.
Was ist Ihrer Meinung nach dem größten Problem
für Jugendliche zurzeit?
Die jungen Menschen leiden ähnlich wie die
Erwachsenen sehr und stark unter diesen Unsicherheiten. Zuerst war es die
Pandemie mit all ihren Auswirkungen, jetzt ist es die Sorge, wird Österreich,
wird Tirol noch ausreichend Gas bekommen, um über den Winter zu kommen. Da geht
es ums Heizen, aber auch um die Industrie, denn sonst kann die Industrie ja
nicht arbeiten und es werden Arbeitsplätze vielleicht frei oder Menschen müssen
in die Kurzarbeit gehen. Ich habe das Gefühl, das beschäftigt die jungen
Menschen sehr. Sonst lese ich auch gerne Umfragen mit Jugendlichen. Die nennen
sich dann Lebenswelten. Da gibt’s eine 2020 österreichweit und eine 2021 in der
Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino. Dann stell ich fest, jungen Menschen ist
wichtig, wenn man sie fragt, eine tolle Ausbildung, da schauen wir drauf, dass
es möglich ist, den jungen Menschen ist immer wichtig eine tolle Beziehung, das
Werden sich die jungen Menschen selber richten, und sie wollen auch alle die
Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf. Das ist immer noch etwas, woran man
arbeiten muss, denn die Dinge sind oftmals komplex. Und das schöne, was ich aus
einer der Umfragen weiß ist, dass die Jugendlichen in Tirol optimistisch in die
Zukunft blicken. Das wünsch ich auch Ihnen und all ihren Leserinnen und Lesern.
8.
Man hört immer wieder von Korruption. Was würden
Sie gegen die Korruption tun?
Ich glaube man hat auf Bundesebene und auch
auf Landesebene gegen die Korruption einige Gesetzesmaterien auf den Weg
gebracht, zum Beispiel hat man jetzt ein Transparenzgesetz und ein
Parteienfinanzierungsgesetz beschlossen und da sind die Blöcke sehr klar
eingeschlagen. Wir in Tirol haben ergänzend dazu eine Landtagsentschließung
ausgegeben zum Thema Verbot der Annahme von Spenden. Also dass Politik
definitiv auch unabhängig ist und unabhängig von Lobbyisten ist. Das ist gut,
dass das so ist. Für mich war es Zeit meines Lebens, und ich mache seit meinem
zweiundzwanzigsten Lebensjahr Politik immer selbstverständlich, dass es da
einen ganz klaren Weg geben muss und auch klare Abgrenzung zu allen anderen
Feldern.

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