Interview Janos Juvan

© Kristina Janjic

Zuerst würde ich gern ein bisschen was über ihre Person erfahren: Was sind Ihre Pläne als Politikerin und als Privatperson für 2023?

Am 5.3. in den Landtag einzuziehen um dort die Stimme für Leistungsträgerinnen und Leistungsträger zu sein. Als Unternehmer plane ich weiter mit meinem Unternehmen zu expandieren. Als Privatperson freue ich mich auf ein paar schöne und erholsame Urlaubstage.

Was würden Sie als Ihren bisher größten Erfolg bezeichnen?

Privat: dass meine Kinder auf einem guten Weg sind, sich ein spannendes und erfolgreiches Leben aufzubauen.

Beruflich: dass ich mich gegen einen Weltkonzern durchgesetzt habe und meine Digitalisierungs-Dienstleistungen mittlerweile in mehr als 10 Ländern in Europa anbieten darf.

Politisch: dass wir bei der Gemeinderatswahl in Klagenfurt aus dem Stand 6,2% erreicht haben und wir seit dem Einzug ein pinker Mosquito sind, der dafür sorgt, dass der Bürgermeister endlich in die Gänge kommt und für die Klagenfurterinnen und Klagenfurter arbeitet.

Warum sind Sie Politiker geworden? Wollten Sie schon immer Politiker werden?

Ich bin ein Kind der 80er Jahre und habe persönlich erlebt, welche unglaublich positive Kraft freigesetzt wird, wenn Grenzen geöffnet statt geschlossen werden. Ich möchte meinen Beitrag leisten, dass meine Kinder auch in dieser offenen Welt leben können und nicht in einer, in der Grenzen dicht gemacht werden.

Politisch interessiert war ich schon immer, aber die Zeit für das politische Engagement habe ich erst in den letzten Jahren gefunden als meine beiden Kinder schon groß genug waren und mein Unternehmen auf einem guten Weg.

Was ist Ihr Ziel für die Landtagswahl?

In den Landtag einzuziehen, damit es im Landtag eine Stimme für Leistungsträger_rinnen gibt. Das sind alle, die jeden Tag arbeiten, sich ehrenamtlich engagieren und für Arbeitsplätze sorgen. Wir werden die sein, die bei jeder Entscheidung im Landtag fragen: „was haben die Menschen, die jeden Tag arbeiten gehen, davon?“

Als nächstes möchte ich gerne mit Ihnen über ein paar politische Themen sprechen: Was sind Ihre Maßnahmen gegen die Inflation allgemein und den erhöhten Bierpreis im speziellen?

Leistung muss sich wieder lohnen – damit sich die Menschen das Leben leisten können und sich etwas aus eigener Kraft aufbauen können. Um das zu erreichen, müssen wir die Lohnnebenkosten senken und einen Vollzeitbonus einführen – damit sich Vollzeit wieder voll auszahlt. Das ist derzeit nicht der Fall.

Der Bierpreis zeigt gut, warum es wichtig ist, dass wir unsere lokalen Betriebe stärken und unsere Energie hier in Kärnten zu produzieren. Die Privatbrauerei Hirt bleibt – trotz der Preissteigerung bei Rohstoffen und Energie - bei der jährlichen und  marktgerechten Preisanpassung sowohl für den Lebensmittelhandel als auch für die Gastronomie. Sie hat nicht so wie die Großkonzerne die Preissteigerung unverhältnismäßig weiter gegeben. Außerdem agiert das Unternehmen zukunftsgerichtet ist bereits jetzt zu 80 % stromautark.

Wie kann man dem Personalmangel in Österreich ohne Zuwanderung entgegenwirken?

Zunächst muss arbeiten wieder attraktiver werden - Vollzeit muss sich wieder voll lohnen. Das schaffen wir durch einen Vollzeitbonus.

Außerdem müssen wir die Kinderbetreuung ausbauen: mehr Plätze, weniger Schließtage, Öffnungszeiten, die an die moderne Arbeitswelt angepasst sind. Derzeit können viele Mütter und Väter, die gern mehr arbeiten würden, das nicht tun, weil einfach eine adäquate Kinderbetreuung fehlt.

Wie wollen Sie die Situation für Arbeitnehmer*innen verbessern? Wäre hier ein Mindestlohn nach burgenländischem Vorbild eine Möglichkeit?

Wir dürfen Arbeitnehmer_innen und Arbeitgeber_innen nicht gegeneinander ausspielen, sondern gemeinsam gute Lösungen suchen. Auch hier ist der wichtigste Hebel die Steuern auf die Arbeit zu senken.

Man hört immer wieder von Korruption in der Politik. Welche Maßnahmen würden Sie setzen, wenn Sie in Regierung kämen? Wie weit geht überhaupt Transparenz? Bis zu innerparteipolitischen Aufarbeitungsarbeiten?

Für saubere Politik braucht es maximale Transparenz: wir NEOS sind 365 Tage im Jahr transparent. Als Quereinsteiger finde ich, dass Politiker_innen nicht vom System abhängig sein dürfen. Bei uns NEOS gibt es deshalb auch Amtsbeschränkungen. Mein Anspruch an Politiker_innen: einen moralischen Kompass mitbringen und für die Bürger_innen zu arbeiten.

Wie erreichbar sehen Sie die Klimaziele? Welche Maßnahmen sollte Österreich und im speziellen Kärnten dafür tun? Wie stehen Sie zu Klimaneutralität 2040?

Es ist unsere Aufgabe einen Plan aufzustellen, damit sie erreicht werden können. Wir sehen die Energiewende ist ein echter Gamechanger. Wir werden unabhängig von Gasdiktatoren, schaffen Arbeitsplätze und leisten einen wesentlichen Beitrag, indem wir unseren Kindern eine intakte Umwelt hinterlassen

Was sind die Pläne der NEOS für leistbares Wohnen?  

Kärnten steht was das leistbare Wohnen besser da als andere Bundesländer. Das ist gut. Junge Menschen sollen sich auch in Zukunft aus eigener Kraft Eigentum erarbeiten können. Um das zu ermöglichen, fordern wir die Abschaffung der Grunderwerbssteuer für das erste Eigenheim.

Wie sollte die Mobilität der Zukunft aussehen?

Fahrrad, Zug, Bus, Auto, Mikrolösungen, Scooter, zu Fuß gehen – all das wird zu sehr getrennt und Mobilität nicht aus der Sicht des Individuums gedacht.

Für uns ist die Mobilität der Zukunft in Kärnten 80/30. Das heißt, 80% der Pendler_innen erreichen ihren Arbeitsplatz innerhalb von 30 Minuten.
Das gelingt durch ein perfektes aufeinander abstimmen aller Formen der Mobilität. Unterstützt wird diese durch eine allumfassende Kosten- und Ticket-App, die es möglich macht, für jede Wegstrecke in Kärnten mit einem Klick ein günstiges, digital bezahlbares und überall gültiges Ticket zu
kaufen.

Wie kann man das Bildungssystem verbessern? Wie sollte ein ideales Bildungssystem aussehen?

Im idealen Bildungssystem werden die Talente des Individuums erkannt und gefördert - damit jede und jeder seine Stärken bestmöglich einbringen kann.

Das heißt für uns: holen wir das Bildungssystem ins 21. Jahrhundert, entrümpeln wir die Lehrpläne und machen wir unsere Kinder fit für die Zukunft.

Was ist das größte Projekt, das Sie im Kärntner Landtag umsetzen wollen?

Kärnten zum Standort Champion machen. Dass sich in 5 Jahren andere Bundesländer fragen, was sie von Kärnten kopieren können.

In einer globalen Welt hat ein Standort an dem vier verschiedene Sprachen gesprochen werden einen riesigen Wettbewerbsvorteil. Genau das ist in Kärnten möglich und wir sollten diese Chance nutzen, indem wir unseren Kinder Slowenisch, Italienisch und Englisch beibringen und wir Kärnten zu einem Land der Sprachenvielfalt machen.

Zum Schluss wollen wir mit Ihnen über ein paar Themen sprechen, die besonders Jugendliche interessieren: Was ist das größte Problem für Jugendliche? Wie entgegnen Sie diesem politisch?

Die Jugendlichen werden bei politischen Entscheidungen zu wenig berücksichtigt. Sie brauchen endlich eine Stimme im Landtag, diese Stimme werden wir NEOS sein. Ein erster Schritt ist für mehr Freizeitmöglichkeiten und Fortgehmöglichkeiten z.B. Skaterpark, Hallenbad, Konsumfreie Zonen zum Chillen zu sorgen.

Welchen Rat würden Sie Jugendlichen für die Zeit nach der Matura geben?

Die Welt entdecken, viel ausprobieren, reisen und auf jeden Fall eine gute Ausbildung machen – das ist eine Basis, auf der sie für den Rest des Lebens aufbauen können.

Wie kann man Jugendliche mehr für die Politik begeistern? Wäre hier eine Möglichkeit eine Direktwahl der LSV und BSV?

¼ unserer Kandidat_innen sind unter 30. Ich ermutige junge Menschen sich einzubringen und politisch tätig zu werden. Direkt in der Gemeinde, im Landtag, im Nationalrat. Die Direktwahl der der LSV und BSV wäre ein wichtiger Schritt. 

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